BundesratStenographisches Protokoll799. Sitzung / Seite 51

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bin Kärntner Slowenin. Kärnten ist meine Heimat. Kärnten ist eine Heimat, wo zwei Sprachen und zwei Kulturen zu Hause sind. Kärnten ist Vielfalt, und Vielfalt ist eine Stärke in der modernen Gesellschaft. Vielfalt ist auch die Stärke der Kärntner Gesell­schaft.

Wir in Kärnten leben in einem gemeinsamen Raum des Wirtschaftens, in einem gemeinsamen Raum des Arbeitens. Ganz egal, welche Sprache wir sprechen, ganz egal, ob wir der Mehrheitsbevölkerung angehören oder der slowenischen Volksgruppe: Was brauchen wir Kärntner und Kärntnerinnen? – Wir brauchen für die Zukunft ein gemeinsames Kärnten, ein Kärnten des Vertrauens, ein Kärnten, in dem Gemein­samkeit im Vordergrund steht. Wir brauchen ein Kärnten des Miteinander – und kein Kärnten der Vorurteile, des Nebeneinander, des Gegeneinander und des Misstrauens.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn uns das gelingt, dass wir ein Kärnten des Miteinander und der Gemeinsamkeit leben – und nicht nur davon reden –, dann sind Vertrauen und Aufgeschlossenheit für Kärnten garantiert.

Es geht da wirklich nicht um Verlierer und Gewinner. Es geht da nicht um Macht. Und es kann nur einen Sieger geben, nämlich mein Heimatland Kärnten und alle, die da zu Hause sind.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Slowenische und das Deutsche werden in 164 Ortschaften in Kärnten sichtbar gemacht. Es geht mir um ein Sichtbarmachen nicht nur in einem engen Kreis, sondern es wird ein Sichtbarmachen stattfinden von Lavamünd bis Hermagor. Und das ist positiv.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zweisprachige Ortstafeln sind kein Privileg der Kärnt­ner Slowenen und Sloweninnen, denn zweisprachige Ortstafeln gehören allen Kärntnerinnen und Kärntnern. Und zweisprachige Ortstafeln sind ein Symbol dafür, dass da zwei Kulturen und zwei Sprachen leben.

Für mich ist ein Kärnten ohne diese beiden Sprachen einfach nicht mehr vorstellbar. Für mich als Kärntner Slowenin wird heute nicht ein Schlussstrich gezogen, sondern eine neue Seite aufgeschlagen, und zwar eine neue Seite der Gemeinsamkeit.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es hat sich viel verändert in Kärnten – das wurde heute schon gesagt –: Es haben sich Plattformen gegründet, die ein Ziel haben, nämlich das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang die Kärntner Konsensgruppe erwähnen, ebenso zwei Personen, nämlich Herrn Dr. Marjan Sturm, den Obmann des Zentral­verbandes, sowie Herrn Dr. Josef Feldner, den Obmann des Kärntner Heimatdienstes, die gemeinsam ein Buch geschrieben haben, früher aber Kontrahenten waren. Der Titel dieses Buches: „Kärnten neu denken.“

Genauso möchte hier Maja Haderlap erwähnen, die den Bachmann-Preis bekommen hat. Und erwähnen möchte ich hier auch sehr viele gemeinsame kulturelle Veran­staltungen, so zum Beispiel „Dober vecer sosed“/ „Guten Abend, Nachbarn“. Das sind Zeichen des Miteinander, und diesen Weg müssen wir fortschreiten!

Endlich kommt’s noch – oder wie es unser Herr Bundespräsident gesagt hat: „Die Zeit ist reif!“/ „Čas je zrel!

Nach 56 Jahren wurde in der Ortstafelfrage nun endlich eine Kompromisslösung gefunden, die vom Großteil der Kärntnerinnen und Kärntner befürwortet wird. Natürlich: Bei einem Kompromiss muss man Abstriche machen, und zwar alle Seiten, jeder und jede, wenn man eine Lösung will. Ich, liebe Kolleginnen und Kollegen, will eine Lösung, und ich gehöre zu den Kärntner Sloweninnen und  Slowenen, die diese Kompromisslösung befürworten und begrüßen. (Allgemeiner Beifall.)

 


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