BundesratStenographisches Protokoll801. Sitzung / Seite 20

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schon Standard bei uns. Ich freue mich, dass weit über 6 000 junge Menschen, die eine Lehre absolvieren, mittlerweile auch Matura machen. Dienstgeberseitig, und zwar nicht nur vom Bund, sondern auch in der Privatwirtschaft, wird das sehr begrüßt, dass „Karriere mit Lehre“ nicht nur ein Schlagwort ist, sondern für die jungen Menschen auch wirklich umsetzbar ist.

Das heißt, die junge Frau aus meinem Beispiel macht Matura und entwickelt sich wei­ter. Sie wird dann vielleicht auch eine Familie gründen wollen. Nehmen wir also an, sie bekommt ein Kind, so hat sie im öffentlichen Dienst selbstverständlich jetzt schon die Möglichkeit, dann, wenn sie zurückkommt, für einige Zeit eine qualifizierte Teilzeitstelle zu bekommen. Wir wollen aber, dass sie auch wieder voll einsteigen kann. Wenn sie einen guten Kinderbetreuungsplatz hat, wenn alles rundherum passt, dann kann sie Tele-Working machen, vorausgesetzt, das passt zum Arbeitsplatz.

Auch in diesem Bereich will der Bund das eine oder andere Mal auch Vorbild für die Privatwirtschaft sein, denn ich glaube, dass in unseren Köpfen noch immer dieser An­wesenheitsfetischismus vorherrscht: Du bist nur dann eine gute Mitarbeiterin/ein guter Mitarbeiter, wenn du möglichst viele Stunden an deinem Arbeitsplatz bist! Vielleicht traut man den Mitarbeitern aber auch nicht zu, dass sie von zu Hause aus die gleiche Leistung erbringen können. Das heißt, Tele-Working greift gut im öffentlichen Dienst, greift selbstverständlich auch schon in der Privatwirtschaft, aber das ist etwas, das noch weiterentwickelt werden kann. Das ist klar.

Wir sind im öffentlichen Dienst natürlich auch sehr auf Weiterbildung bedacht. Unsere Verwaltungsakademie hat steigende HörerInnenzahlen zu verzeichnen. Wir haben in Zusammenarbeit mit der FH Campus Wien einen Lehrgang „Public Management“ ge­startet. Die Ersten sind schon für den Master-Lehrgang angemeldet, und die Nachfrage ist sehr groß. Das heißt, im öffentlichen Dienst bleibt in diesen Bereichen, in denen wir tätig sind – das ist insbesondere Public Management, aber viele, viele andere Bereiche auch –, Weiterbildung kein Schlagwort, sondern ist Wirklichkeit. Die Nachfrage ist, wie gesagt, sehr groß, und wir wollen das auch ermöglichen. An dieser Stelle möchte ich allen Ressorts danken, die das ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen, denn das kostet auch etwas, und die meisten Ressorts stellen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diese Ausbildungskosten zur Verfügung. Das heißt, man kann sich umorientieren.

Angenommen, die IT-Technikerin ist nicht mehr glücklich mit ihrem Aufgabenbereich und möchte sich ganz anders orientieren. Auch das wollen wir – und das kommt in die­sem ExpertInnenbericht auch gut zur Geltung – in Zukunft möglich machen, nämlich: rausoptieren in die Privatwirtschaft, nach einiger Zeit wieder zurückkommen. Dabei geht es auch darum, was angerechnet wird für die Zeit in der Privatwirtschaft. – Im Mo­ment nicht viel! Da müssen wir umdenken. Man soll nicht zu viel verlieren, wenn man einige Jahre in der Privatwirtschaft nicht nur schnuppert, sondern auch entsprechendes Know-how erwirbt und dann wieder zurückkommt. Es sollen dann nicht nur zum Bei­spiel drei Jahre angerechnet werden, sondern es muss entsprechend abgegolten wer­den, wenn dieser Wechsel gewünscht wird, und das ist definitiv der Fall.

Das heißt, eine Karriere beim Bund, im öffentlichen Dienst soll in Zukunft nicht mehr so starr erfolgen, wie das vielleicht in unseren Köpfen noch verankert ist, sondern soll sehr flexibel gestaltet sein. So wollen wir ganz einfach noch konkurrenzfähiger werden, zumal wir natürlich auch damit zu rechnen haben – das steht schon in der Präambel dieses Beiratsberichtes –, dass sozusagen das Arbeitskräftepotenzial knapper wird. Das heißt, wir werden uns anstrengen müssen, dass wir die notwendige Attraktivität, die wir als öffentlicher Dienst hoffentlich auch noch in Zukunft haben werden, auch in dem, was wir anbieten – und da geht es, wie gesagt, nicht nur um Besoldungsreform, wiewohl mir diese sehr wichtig ist –, schaffen können.

 


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