BundesratStenographisches Protokoll801. Sitzung / Seite 44

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Nah- als auch Fernverkehrsleistungen ab. Dabei sind offensichtlich wesentliche juristi­sche Anstrengungen vonnöten, um nicht dem Öffentlichen Personennah- und Regio­nalverkehrsgesetz zu widersprechen.

In diesem Vertrag, der in diesem Bericht dokumentiert ist, sind sämtliche vom Bund zu erbringenden finanziellen Leistungen explizit aufgelistet. Wenn also seitens der ÖBB beteuert wird, auf ihren Strecken wirtschaftlich selbständig zu agieren, wie dies bei der Diskussion über die Einstellung der IC-Verbindungen von Graz nach Linz und Salz­burg – darauf werde ich noch näher eingehen – argumentiert wird, so ist das falsch, denn sie sind gar nicht im Vertrag enthalten und werden daher offensichtlich vonseiten des Ministeriums nicht als notwendig erachtet.

Es wurde auch im gestrigen Ausschuss nach längerem Nachfragen bestätigt, dass sei­tens des Bundes nur die ab dem kommenden Dezember geplanten Kaputtsparfrequen­zen bestellt werden.

Ausgenommen sind auch die Westbahn, die Nordbahn und die Brenner-Achse. Was ist das für ein Zufall! Auf der Westbahn nimmt in Kürze private Konkurrenz den Betrieb auf, die dann im Sinne des Diskriminierungsverbotes ebenfalls GWL-Zuwendungen er­halten müsste; am Brenner sowieso, da preisen ÖBB und Deutsche Bundesbahn die Vorteile der Liberalisierung.

Im Wesentlichen wird also der alte Bestandsfahrplan auf die nächsten zehn Jahre fest­geschrieben, mit all seinen Schwächen und vor allem ohne die gerade für uns Steirer so wichtigen Fernverbindungen. Dieser Vertrag scheint eine überhastete und mutlose Manifestierung eines untauglichen Fleckerlteppichs zu sein.

Bei mir hat dann ein Brief von den ÖBB, den ich vor einem Monat erhalten habe, das Fass zum Überlaufen gebracht. Da heißt es:

Sehr geehrter Herr Bundesrat Krusche! Hochleistungsfähige Strecken, ein landeswei­ter, integrierter Taktfahrplan und die stärkere Verlagerung des Lkw-Verkehrs auf die Schiene – das ist unsere Vision eines effizienten und leistungsfähigen Eisenbahnnet­zes für Österreich im 21. Jahrhundert. Verwirklichen wollen wir diese Vision durch mo­derne und schnelle Strecken, kürzere Fahrzeiten, mehr Angebote im Reiseverkehr, Umsteigen ohne Wartezeiten, bessere Verbindungen von Bahn und Bus, und so wei­ter. – Zitatende.

Das Ganze in Begleitung einer Werbebroschüre ist, muss ich ganz ehrlich sagen, für jeden Steirer, und besonders für einen Obersteirer, als blanker Hohn zu empfinden! Ab Dezember wird ein Viertel aller Fernverkehrszüge von und nach Graz eingestellt. Graz – Salzburg: drei von sechs Zügen werden gestrichen, Graz – Innsbruck: eine Ver­bindung von einer wird gestrichen, Graz – Marburg: vier von sechs Zügen werden ge­strichen.

Frau Bundesminister! Eigenwirtschaftlichkeit kann nicht bedeuten, dass jeder einzelne Zug Gewinn abwerfen muss, zumal die Argumentation der ÖBB mehr als fadenschei­nig ist: 132 Personen, davon 100 mit dem Auto, also nur 32 mit der Bahn, würden täg­lich von Graz nach Salzburg reisen. – Diese Zahlen sind weder nachvollziehbar noch richtig. Tatsache ist vielmehr, dass auf der Gesamtstrecke nie weniger als 200 Perso­nen unterwegs sind, und bei dieser dubiosen Zählung wurden nur jene Personen be­rücksichtigt, die sich am Schalter eine Fahrkarte kauften. Kauf am Automaten, Netzkar­ten, Internet- und Handybuchungen wurden einfach unter den Tisch fallen gelassen. Das ist hochgradig unseriös als Argumentation für eine Einstellung! (Beifall bei der FPÖ sowie der Bundesrätin Kerschbaum.)

Frau Bundesminister! Lassen Sie die ÖBB endlich richtige Zahlen erheben und auf den Tisch legen, bevor Sie solche Streichungen widerspruchslos tolerieren! Und selbstver-


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