BundesratStenographisches Protokoll803. Sitzung / Seite 178

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

Da sieht man schon, dass in den Ländern sehr viel gemacht wird. Es täuscht natürlich, wenn man da jetzt den Österreich-Schnitt sieht, weil es jetzt einmal eine Meldung ge­geben hat: 0,8 Prozent minus im ersten Lehrjahr. Das täuscht, weil Wien leider minus 9,9 Prozent hat. Und da muss man natürlich schauen, aber ich glaube, dass unsere Betriebe in den Ländern, auch mit der Unterstützung der Kammer, sehr viel machen, und das freut mich.

Nicht zu vergessen ist, dass wir die Lehre und den Zugang zur Lehre eher negativ hinstellen. Ich habe mir das angeschaut. Wie schaut denn die Akzeptanz bei den jun­gen Leuten aus? Gemessen am Geburtsjahrgang gegenüber dem Vorjahr haben wir in Niederösterreich jetzt einen Anteil von 38,3 Prozent, im Gegensatz zu 2009, als sich nur 36,1 Prozent der Geburtsjahrgänge für eine Lehre entschieden haben. Da denke ich, dass die ganzen Initiativen, die gesetzt wurden, schon Früchte tragen, und deswe­gen ist es wichtig, dass wir da weitermachen.

Ich muss sagen, wenn ich mir das so anschaue, freue ich mich jedes Mal: Wir bilden in Niederösterreich 20 000 junge Menschen aus. Eine Lehre ist nun einmal eine krisensi­chere Berufsausbildung, eine zukunftsträchtige Berufsausbildung. Wir müssen das in der Öffentlichkeit ganz einfach auch positiver besetzen und nicht immer sagen, es macht keiner eine Lehre. Im Gegenteil! Der Zugang der Jungen zur Lehre hat sich in den letz­ten Jahren verbessert – und das muss man auch sagen.

Die Lehre hat ja bei uns auch eine enorme bildungspolitische Bedeutung, und das ist uns gar nicht so bewusst. Wenn man jetzt unsere Betriebe fragt: Was braucht ihr? Was ist euch das Wichtigste? Die Kredite oder Fachkräfte? – Wir haben jetzt eine Umfrage gemacht, und 85 Prozent unserer Betriebe sagen: Wichtig ist es, hochqualifizierte Fach­kräfte zu haben, das heißt, sehr viel in die Ausbildung zu investieren, und auch zu schauen, dass man die Mitarbeiter höher qualifiziert. Denn, wie wir alle wissen, sind ganz einfach Fachkräfte der entscheidende Wettbewerbsfaktor. Was wir da verspielen, das wird sich rächen. Und alles, was wir investieren, das bekommen wir vielfach zurück.

Wir haben in der Bildungspolitik noch sehr viele Baustellen, aber über die Lehrlings­ausbildung gibt es da keinen Zweifel. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Lehre muss man viel mehr herausstreichen und auch höher einschätzen. Wir sehen das doch auch daran, dass wir europaweit die geringste Jugendarbeitslosigkeit haben. Das allei­ne ist ja schon ein Argument dafür, dass wir uns darum kümmern.

Es ist auch wichtig, dass die jungen Leute nicht nur eine Lehre beginnen. Es geht auch darum, ob sie froh darüber sind oder gerne einen anderen Beruf eingeschlagen hätten. So haben wir jetzt 1 900 junge Leute gefragt, ob sie noch einmal eine Lehre machen würden. Und da haben 95 Prozent gesagt – also das ist wirklich ein hoher Anteil –, dass sie sehr zufrieden sind und sich freuen, dass sie eine Lehre begonnen haben.

Für uns war dann folgende Antwort noch erfreulicher: Wir haben auch abgefragt, wie denn das Arbeitsklima ist. Und da haben 96 Prozent gesagt, dass sie explizit mit ihrem Ausbildungsbetrieb zufrieden sind. Das sind schon auch Zahlen und Fakten, die man ganz einfach nennen muss, die man publizieren muss, damit die Lehre einen anderen Stellenwert bekommt. Natürlich ist es richtig, dass es in der Probezeit, innerhalb der drei Monate, Auflösungen gibt. Aber da bin ich überzeugt, dass man ganz einfach frü­her ansetzen muss. Man muss die Berufsorientierung in der dritten Unterstufe machen, und zwar verstärkt.

Man muss die Jugendlichen begleiten, dass sie eine wohlüberlegte Berufswahl treffen, denn wir haben noch immer viele Jugendliche, die, wenn man sie fragt, welchen Beruf sie denn einmal machen wollen, sagen: Naja, die Freundin oder Freunde machen das, oder ich habe vor der Haustür eine Lehrstelle. Das ist nicht die richtige Unterstützung, und ich muss auch sagen, dass die Eltern da mehr eingebunden gehören.

 


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite