BundesratStenographisches Protokoll803. Sitzung / Seite 182

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bei den 15-Jährigen bis zum Jahre 2017 enorme Probleme bei den künftigen Fachkräf­ten auslösen. Bis 2017 wird bei unverändertem Einstellverhalten und ohne Anrechnung der AMS-Lehrstellen die Zahl der Lehrlinge extrem sinken. Unsere Betriebe, so schätzt man, werden die größten Probleme bekommen. Sie werden Probleme bekommen, die dringend benötigten Fachkräfte überhaupt noch ausbilden zu können. Umso mehr wä­re es ein Gebot der Stunde, konkrete Verbesserungen bei der Lehrlingsausbildung um­zusetzen, um Jugendlichen einen attraktiven Ausbildungsweg anzubieten.

Bekanntermaßen haben wir einen Geburtenrückgang. Da werden wir auch nichts mehr ändern können, geschätzte Kollegen! Sicher ist jedoch auch, dass immer weniger Ju­gendliche eine Lehre anstreben und lieber eine weiterführende Schule besuchen. Wenn über die Qualität der Lehrlinge oftmals so herumgenörgelt und herumgeredet wird, darf man sich auch nicht wundern, wenn der so dringend benötigte Nachwuchs dann aus­bleibt.

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Krankjammern macht krank. Man muss nur im­mer wieder behaupten, dass die Lehrlinge eigentlich die Schwächsten in der Schule sind. Dann setzt sich dieser Gedanke fort, und weil das alle sagen, wissen es nachher auch alle. Und wenn es alle wissen, sind Eltern und ihre Kinder bestrebt, einen Bil­dungsweg mit besserem Ansehen einzuschlagen. Das ist menschlich.

Aufgefangen werden könnte diese Entwicklung durch eine Bildungsreform, die auch dafür sorgt, dass die Entscheidung für einen Ausbildungs- beziehungsweise Berufsweg zu einem Zeitpunkt fällt, wo diese auch seriös getroffen werden kann. Derzeit sind es meist die Statusambitionen der Eltern, die spätestens ab der dritten Volksschulklasse zu bangen beginnen, ob sich für ihre Sprösslinge der Übertritt in eine weiterführende Schule ausgehen wird.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Wirtschaft, auf deren Schultern ja die Last der Ausbildung ruht, für die Einhaltung genereller und allseits verbindlicher Ausbildungs­standards ein offenes Ohr hat. Nur wenn am Ende einer Lehrzeit eine zertifizierte Be­rufsqualifikation mit verlässlichen Perspektiven steht, kann die Lehre im Wettbewerb gegenüber den weiterführenden Schulen bestehen. Das sollten wir, und damit meine ich die Vertretung der Arbeitnehmer und auch jene der Wirtschaft, in unsere Überle­gungen einfließen lassen. Durch das Fehlen von festgesetzten Minimalstandards in der Lehrlingsausbildung gerät mitunter die Berufsausbildung zu einer Art Glücksache.

Die Qualität der Ausbildung selbst ist in unzähligen Betrieben – gottlob! – auf einem ausgezeichneten Niveau. Manchmal sehr gut, in wenigen Fällen auch noch ziemlich passabel. Ist aber die Ausbildung irgendwo mangelhaft, fällt das wegen fehlender Mini­malstandards erst gar nicht auf. Da sollten wir uns schon fragen, warum die allen Be­trieben vorgeschriebene Ausbildungsplanung und -dokumentation in Österreich im Un­terschied zu Deutschland offenbar nicht durchzusetzen ist.

Die Zufälligkeit des Wohnortes des Lehrlings sollte sich auch nicht auf die finanziellen Rahmenbedingungen des Auszubildenden und seiner Familien auswirken. Die Kosten einer Internatsunterbringung treffen nämlich in den allermeisten Fällen den Jugendli­chen selbst und natürlich auch seine Eltern. Und auch Fahrtkosten müssen aufgrund der geringen öffentlichen Förderung großteils selber getragen werden.

Ich möchte noch einen Blick auf unsere weiblichen Lehrlinge werfen, und denen würde ich ganz gerne zurufen: Mädels, oder wie wir in Tirol sagen, Madln traut euch! Mäd­chen werden in allen Branchen dringend benötigt und haben alle Chancen, neue Be­rufe zu ergreifen. Die Betriebe brauchen nur ausreichend attraktive Ausbildungsplätze für die Mädchen anzubieten, denn auch Mädchen – und ich hoffe, ich sage das jetzt richtig – stellen ihren Mann.

 


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