Ich möchte Ihnen, Frau Bundesrätin Mühlwerth, zu zwei Punkten noch etwas sagen. Zu dem Thema Aufsteigen mit drei „Nicht genügend“: Das ist eine Kann-Bestimmung. Da geht es wieder um Individualität, um die individuelle Situation des Schülers, der Schülerin. Wenn die Umstände es besser erscheinen lassen, dass eine Klasse wiederholt wird, dann wird das auch in der Praxis stattfinden. Aber das Kurssystem lebt davon, dass man mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten letztlich das Ziel erreichen kann.
Weil Sie das Thema Nachhaltigkeit angesprochen haben: Das ist mir besonders wichtig. Die Nachhaltigkeit werden wir durch die neue Matura sichern, weil wir da auf Kompetenz abstellen und allein schon durch die Standardisierung in den Grundkompetenzen sicherstellen, dass wir das österreichweit sichern.
Auch da gefällt mir ein Begriff ganz besonders, um den es uns jetzt und in Zukunft, glaube ich, in der Schule gehen muss, nämlich souveräne Kompetenz. Es geht also nicht um das Nachbeten von Wissen, sondern um das Anwenden, um das Kritikfähig-Sein, eben um souveräne Kompetenz. Daran müssen wir arbeiten. In diese Richtung geht jetzt auch die Arbeit an den Lehrplänen. – So weit zum Thema.
Zu Herrn Bundesrat Dönmez wollte ich noch sagen: Wir haben lange darüber diskutiert, ob wir dieses Modulsystem, die neue Oberstufe, nicht schon an der neunten Schulstufe beginnen lassen sollen. Nun wissen wir, das ist uns sehr bewusst: Die neunte Schulstufe ist der neuralgische Punkt im Schulsystem, aus vielen Gründen.
Wir müssen daran arbeiten, dass uns in der siebenten und achten Schulstufe Bildungs- und Berufsberatung besser gelingt. Wir haben nämlich noch heute sehr, sehr viele junge Menschen, die die Wahl des Schultyps für die Oberstufe, für die Sekundarstufe II, nicht entsprechend ihren individuellen Neigungen und Interessen treffen, sondern möglicherweise aus einem abgeleiteten Nutzen, weil die Eltern das wollen, weil sie meinen: Geh doch in die Handelsakademie, dann kannst du nachher in der Wirtschaft arbeiten. Wenn aber der junge Mensch mit Soll und Haben so gar keine Freude hat, aber unglaublich musisch begabt oder handwerklich begabt ist, dann ist eine Handelsakademie wohl nicht das Richtige für diesen jungen Menschen.
Daher wissen wir, dass wir an dem Punkt ansetzen müssen, in der siebenten und in der achten Schulstufe Grundkompetenzen, Talente, Neigungen herauszuarbeiten, und zwar durch harte Arbeit. Wenn wir diese Schritte geschafft haben und uns der neunten Schulstufe auch mit Reformmaßnahmen gestellt haben, dann, glaube ich, ist es so weit, darüber nachzudenken, das Kurssystem schon früher einzuführen. Jetzt ist die Drop-out-Quote in der neunten Schulstufe zu hoch, um da schon das Kurssystem wirksam werden zu lassen.
Zum Thema Integration: Ich sehe das so wie Sie. Das ist ein notwendiger, richtiger nächster Schritt. Wir müssen beim Thema Integration weiter gemeinsam arbeiten. Wir müssen aber, glaube ich, auch – Sie haben sicher die Diskussionen der letzten Tage mitverfolgt – die Gesellschaft auf die inklusive Schule noch ein Stück vorbereiten. Wir haben sehr, sehr viele Gespräche mit Betroffenen, aber auch mit Bundesländern.
Das ist in den Bundesländern höchst unterschiedlich. Schauen Sie zum Beispiel nach Tirol, schauen Sie sich die Diskussionen dort an. Auch hier ist der Weg der Modellregionen möglich; das heißt, wir fangen eben mit einzelnen Gebieten an, dort mit den betroffenen Beteiligten die konkreten Umsetzungsmodelle zu erarbeiten, und setzen dann die nächsten Schritte.
Ich weiß, dass heute Vormittag in der Diskussion mit Frau Finanzministerin Fekter kurz das neue Dienst- und Besoldungsrecht für die Lehrerinnen und Lehrer angesprochen wurde. Mir ist wichtig, dass wir dieses Projekt, nämlich neues Dienst- und Besoldungs-
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