wie wir uns in einer größeren europäischen Gemeinschaft sicherheitspolitisch aufstellen.
Da müssen wir – und das wäre aus meiner Sicht natürlich verpflichtend – einen tragbaren Konsens finden. Ich gestehe auch zu, auch wir in der Österreichischen Volkspartei haben schon andere Modelle diskutiert. Wir haben unter Bundeskanzler Schüssel selbstverständlich auch die Variante Berufsheer diskutiert, intensiv diskutiert, allerdings unter ganz anderen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen.
Wir haben damals die Option NATO und die Folgen mit in die Überlegungen einbezogen. Heute ist die Situation eine völlig andere. Heute geht es meiner Meinung nach in Richtung Demontage des bestehenden Systems, ohne wirklich ein griffiges, überzeugendes Zukunftsmodell zu haben, denn, Herr Minister, ich weiß schon, dass Herr Bürgermeister Häupl bei der letzten Landtagswahl ein populistisches Wahlkampfthema gesucht hat. Ich habe kein Problem damit, wenn sich Wien von der allgemeinen Wehrpflicht verabschiedet. Wir in den Bundesländern nehmen mit Handkuss alle Kommanden, alle Wiener Kommanden. Wo steht denn geschrieben, dass die Landesverteidigungsakademie immer in Wien ihren Sitz hat? Wo steht denn geschrieben, dass die Stiftskaserne nicht verkauft wird? Da erzielen wir sicher den zehnfachen Erlös von dem, als wenn wir irgendwo im hintersten Winkel eines Bundeslandes eine Kaserne schließen.
Also wenn wir diese Dinge schon durchziehen, dann ziehen wir sie konsequent durch! Ich bin überzeugt davon, dass in den Ländern auch heute noch eine Mehrheit für die allgemeine Wehrpflicht zu erzielen ist, wenn man fair fragt. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie des Bundesrates Zangerl.)
Es gibt in den Ländern auch die Freiwillige Feuerwehr. In Wien gibt es keine Freiwillige Feuerwehr. In Wien gibt es eine Berufsfeuerwehr, die bezahlt wird und natürlich effizient arbeitet, das ist keine Frage, aber es ist ein großer qualitativer Unterschied, ob man die freiwilligen, die idealistischen Züge der Bevölkerung zur Mitarbeit heranzieht oder nicht.
Sehr geehrter Herr Minister! Es ist leider so: Ihre Pilotprojekte sind nach unserer Meinung noch nicht schlüssig und kosten zurzeit viel Geld. Meiner Meinung nach werden sie nicht jenen Erfolg haben, den ich mir vorstelle.
Wenn Sie das Jägerbataillon 25, das zu meiner Zeit in Kärnten schon eine der bestaufgestellten Einheiten Österreichs war – mit materieller Ausstattung, mit personeller Ausstattung, wo wir zum Beispiel neidisch von St. Michael nach Klagenfurt geschaut haben –, wenn Sie dieses jetzt also als Musterbataillon in Ihrem Pilotprojekt heranziehen, dann ist das ungefähr so, als ob ich einen Rolls-Royce oder einen Mercedes mit einem Puch Haflinger vergleiche.
In diesem Sinn ist die Aussagekraft wahrscheinlich nicht zielführend. Warum weigern Sie sich, eine Potenzialanalyse innerhalb des österreichischen Bundesheeres zu machen, wie die Nährrate für ein Berufsheer in der Realität ausschauen würde? Woher wollen Sie diese 12 000 Berufssoldaten ohne allgemeine Wehrpflicht nehmen? Von der Straße? Wo sind die Voraussetzungen für eine Grundausbildung? Wo sind die Qualifikationen? Wenn Sie jetzt eine Pionierkompanie als Musterbeispiel mit allen ausgebildeten Pionieren aus dem Pionierbataillon nehmen, dann haben wir natürlich wieder einen Vergleich, der hinkt.
Ich denke, da müssen wir schon mit offenen Karten spielen und fragen: Gibt es dieses Potenzial in Österreich? Die Erfahrungen in Deutschland, meine sehr verehrten Damen und Herren, zeigen nach allen Aussagen, dass die Nährrate für das deutsche Berufs-
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