BundesratStenographisches Protokoll809. Sitzung / Seite 82

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Ich finde das wirklich schade, weil unsere Bildungseinrichtungen nur so gut sind wie die Lehrer, die an den Bildungseinrichtungen unterrichten. Das gilt für die Schulen, das gilt aber natürlich auch für die Pädagogischen Hochschulen, wo die künftigen Lehrer ausgebildet werden.

Wir wissen ja aus diversen Umfragen – heute in der „Presse“ ist es wieder gestanden –, dass wir unter unseren Lehrern bei bestem Bestreben und bei bestem Engagement trotzdem einen Teil haben, der nicht gut geeignet ist. Das muss man einfach sagen und man muss es auch sagen dürfen. Monatlich können wir lesen, dass die Volks­schüler – und da kann man jetzt streiten, ob es jeder Vierte oder jeder Fünfte ist – nicht sinnerfassend lesen können. Wieso? – Das kann nicht nur an den Schülern liegen. Es muss auch an den Unterrichtenden liegen. Wir wissen schon, dass es die Problemschüler gibt, die gegen so ziemlich alles immun sind, wo die Lehrer auch wenig Handhabe haben. Ich sage auch, dass die Lehrer schon unterrichten können müssen, und sie müssen sich disziplinäre Dinge auch mit den Schülern ausmachen können.

Aber es muss schon auch gesichert sein, dass die Lehrer gut ausgebildet sind. Bei der ganzen Diskussion über gemeinsame Schule, Gesamtschule und Sonstiges: Das wird von Finnland immer so gerne angenommen, weil das der eigenen Ideologie entspricht. Was die Finnen aber auch machen – und das finde ich viel besser –, ist, dass sie sich diejenigen aussuchen, die Lehrer werden dürfen. Bevor sie auf die Universität oder die entsprechende Bildungseinrichtung gehen, gibt es einmal ein Auswahlverfahren. Ich vermisse, dass diese Idee aufgegriffen und weiterverfolgt wird. Es gibt ja offensichtlich Tests, die einigermaßen gut konzipiert sind, sodass man sicher sein kann, dass nicht jeder Fünfte, der geeignet wäre, durch die Maschen fällt, sondern dass man wirklich schaut, dass man qualifiziertes Lehrpersonal bekommt. (Präsident Hammerl übernimmt wieder den Vorsitz.)

Die Folge ist ja auch – und auch das ist in Finnland wirklich sehr bemerkenswert –, dass die Lehrer einen ganz anderen Stellenwert haben als bei uns. Bei uns ist doch der Lehrer eigentlich der, der immer so ans Kreuz geschlagen wird. Jeder unterstellt dem Lehrer, dass der Grund, warum er Lehrer geworden ist, Juli und August heißt. Wir wissen, dass das nicht so ist. Natürlich leiden die Lehrer auch unter dieser mangelnden Anerkennung. Das verstehe ich auch. Man sollte vielleicht einmal in die Richtung gehen und schauen, warum in anderen Ländern die Lehrer mehr anerkannt sind als bei uns.

Sie haben in diesem Dienstrecht natürlich mit einigem aufgeräumt. Unter anderem hat man mit diesem Zulagenwesen, das ja im gesamten Dienstrecht schon sehr über­bordend war – im Wiener Dienstrecht, bei den Gemeindebediensteten in Wien übrigens im Besonderen –, Gott sei Dank aufgeräumt. Das ist durchaus positiv. Aller­dings muss man schon wieder sagen, es wäre nicht die Regierung, wenn diese Regierung nicht gleich wieder neue Zulagen eingeführt hätte, die sich für bestimmte Personengruppen auch in diesem Gesetz wiederfinden.

Durchaus positiv anzumerken ist, dass es Leistungsprämien gibt. Schön wäre es aber, wenn man definieren wollte, was Leistungen überhaupt sein können. Das wird man nie hundertprozentig in einem Katalog anführen können, aber kein Mensch weiß eigentlich, welche Leistung gemeint ist. Natürlich steht der Verdacht sofort im Raum, dass da wieder Günstlingswirtschaft betrieben wird und der, der dem Direktor persönlich oder politisch am nächsten steht, natürlich in den Genuss dieser sogenannten Leistungsprämie kommen wird. Das muss ja nicht sein, das soll auch nicht sein. Daher verstehe ich nicht, warum hier nicht wenigstens Beispiele angeführt werden konnten.

 


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