Entschuldigung, das war jetzt kein persönlicher Angriff, überhaupt nicht. Ich wollte das nur bewusstmachen, weil das immer wieder kommt. Es gibt viele Kellnerinnen oder im Service tätige Personen, die sagen, eigentlich würden sie das gerne machen. Am zweiten Bildungsweg schaffe ich noch den Theorieteil, aber einen Praktikumsteil gibt es nicht am zweiten Bildungsweg. Der Praktikumsteil muss absolviert werden, der ist ein Teil der Ausbildung, ob man will oder nicht, und das findet untertags statt. Dort, wo ich beschäftigt bin, muss es die Bereitschaft geben, mir einen unbezahlten Urlaub zu ermöglichen, damit ich das tun kann.
Bei ein paar Großbetrieben werden wir das schon hinbekommen – vielleicht –, aber bei der Unmenge an Kleinst- und Kleingewerbebetrieben, die wir in Österreich haben, werden wir das nicht schaffen, aus nachvollziehbaren Gründen. Der Kleinst- und Kleingewerbetreibende sagt nicht, jetzt gebe ich dir sechs Wochen unbezahlten Urlaub. Was macht er denn die sechs Wochen? Für sechs Wochen findet er keinen Ersatz.
Ich würde also wirklich dringlich bitten, die Realität des Lebens zu beachten! Es klingt gut: „Macht es halt!“, es klingt super, aber es löst das Problem überhaupt nicht. Noch dazu habe ich im Theorieteil am zweiten Bildungsweg ein massives Stadt-Land-Gefälle. In Ballungsräumen kann ich fünf Kurse anbieten, aber was mache ich denn im Ötztal, im Stubaital und so weiter? Was mache ich in Teilen von Kärnten, wo ich vielleicht fünf Leute habe, die aber eine Stunde nach Klagenfurt oder nach Villach brauchen?
Was ich damit sagen will, ist, dass ich dringlich um eine Versachlichung der Debatte bitten würde. Ich bin gerne bereit zu sagen, verkürzen wir diese 3-Monats-Frist. Wenn du so etwas machen willst, musst du nicht mehr drei Monate arbeitslos sein! Machen wir es von mir aus schon am nächsten Tag. Wir werden es anders nicht schaffen, daher meine Bitte und mein Ersuchen um eine wirkliche Versachlichung der Debatte. Es klingt natürlich gut: Warum muss ich arbeitslos werden, damit ich das probieren kann? Keine Frage, das klingt plakativ super, nur wenn man einmal um die Kurve schaut, stellt sich die Frage: Wie machen wir es technisch? Deshalb würde ich darum wirklich bitten.
Ich würde auch bitten, Folgendes zu sehen: Wir sind und bleiben Weltmeister. Wir haben 5,2 Prozent der österreichischen Bevölkerung, die Pflegegeld beziehen, die Vereinheitlichung und die Reduktion auf acht Träger hat hervorragend funktioniert. Ein einziger Fauxpas ist uns passiert bei einer ganz, ganz minimalistischen Gruppe, der innerhalb von einem Tag erledigt war. In Oberösterreich sind wir draufgekommen, wo eine Mutter mit ihrem behinderten Kind in einer Rehab war und auf einmal das Pflegegeld eingestellt wurde. Das war innerhalb von drei Minuten erledigt. Alles andere hat funktioniert, die gesamte Umstellung, und wir haben derzeit, vielleicht auch zu Ihrer Information, eine Bearbeitungsdauer, eine Verfahrensdauer von 54 Tagen österreichweit. 54 Tage sind, glaube ich, eine tolle Verfahrensdauer, es funktioniert.
Weil wir zuerst von pflegenden Angehörigen gesprochen haben, darf ich Sie bitten und ersuchen: Bedanken wir uns bei einer speziellen Gruppe der pflegenden Angehörigen, das sind die Töchter! Wir haben durch unsere Erhebungen bei Hausbesuchen – die gibt es nicht nur, um Qualität abzufragen, sondern es wird auch geschaut, wer tut es, wer macht es wirklich – herausgefunden, dass Schwiegertöchter und Töchter zusammengerechnet zu 39 Prozent diejenigen sind, die das wirklich tun, die pflegen. Der Rest der Gruppen ist viel kleiner und viel weniger. In Wahrheit sind es die Töchter und Schwiegertöchter, diese gemeinsame Gruppe, wenn ich das so sagen darf, die die Pflege machen.
Ich weiß, dass die Freiheitlichen hier nicht zustimmen können, weil im Nationalrat die FPÖ auch nicht zugestimmt hat; das ist mir vollkommen klar. (Zwischenruf der Bundes-
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