BundesratStenographisches Protokoll813. Sitzung / Seite 10

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sam­menhang auch einmal erwähnt werden soll, dass diese Entwicklung nur deshalb möglich ist, weil wir doch überwiegend sehr engagierte und motivierte Lehrerinnen und Lehrer haben. Und dafür auch einmal der dementsprechende Dank! (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren teilweise grundlegend verändert. Wir sind sowohl mit Veränderungen konfrontiert, die Auswirkungen auf eine Vielzahl europäischer Länder haben, als auch mit Situationen, die nun in besonderer Weise für Österreich zutreffen. Das gilt auch für den Bildungs- und Schulbereich. Diese Veränderungen erfordern daher eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung unseres Schulsystems.

Bildungspolitik entscheidet, welche Chancen den Kindern, den Jugendlichen, aber auch den Erwachsenen geboten werden, wobei die bestmögliche Ausbildung für jeden das Ziel sein muss. Jeder Mensch hat unterschiedliche Anlagen, Begabungen oder Talente. Der Anspruch an ein gerechtes Bildungssystem ist daher, jeder und jedem das Angebot zur Verfügung zu stellen, das ihren und seinen Neigungen entspricht, jeder und jedem die Förderung, aber auch Herausforderung zu bieten, die er oder sie braucht. Es ist daher unerlässlich, die Bildungsdiskussion möglichst breit zu führen – also ein Bildungskonzept vom Kindergarten bis hin zur Erwachsenenbildung.

Trotz der bereits begonnenen Reform und der bereits umgesetzten Maßnahmen gibt es in Österreich zum Beispiel immer noch zirka 10 000 junge Menschen, die frühzeitige Bildungsabbrecher sind. Diesbezüglich sollte das Ende der neunten Schulstufe mit einem Bildungsabschluss verknüpft sein. Laut OECD-Bericht erreicht nur jeder vierte 25- bis 34-Jährige einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern. Und als letztes Beispiel: Laut AMS haben zirka 50 Prozent der Arbeitslosen keinen Bildungsabschluss oder nun den einer Pflichtschule.

Dies sind mehr als ausreichend Gründe, sich mit dem bisher Erreichten nicht zufrieden zu geben und die nächsten Schritte in der Bildungsreform umzusetzen. Diesbezüglich liegt ja ein umfangreiches Vorhabenspaket auf dem Tisch.

Als wesentliches Etappenziel wurde mit dem Schuljahr 2012/13 der Beginn der flächendeckenden Einführung der Neuen Mittelschule als Regelschule umgesetzt. Gemeinsamer Unterricht von Landes- und Bundeslehrern, offene Lernformen, Projekt­unterricht und möglichst viele Wahlfächer sind die Schwerpunkte der Neuen Mittel­schule.

Seit 2008 als Modellversuch geführt ist die Neue Mittelschule eine umfassend modernisierte und weiterentwickelte Hauptschule, die den Anforderungen der verstärk­ten Durchlässigkeit sowohl in Richtung AHS als auch in alle anderen weiterführenden Oberstufenformen wie berufsbildende mittlere und höhere Schulen und hin zur dualen Berufsausbildung in Richtung Lehre Rechnung trägt. Es wird nach den Grundsätzen der modernen Pädagogik Differenzierungsmöglichkeiten geben, die den Interessen, Begabungen und der Lernfähigkeit der Schülerinnen und Schüler entsprechen.

Bis zum Schuljahr 2018/2019 werden alle Hauptschulen in Österreich in Neue Mittel­schulen umgewandelt. Die AHS bleibt von dieser Reform unangetastet und in ihrer bisherigen Ausprägung sowohl als Langform als auch als Oberstufenform erhalten. Damit bleibt das differenzierte Schulwesen auf der Sekundarstufe I voll erhalten. Man könnte also sagen: Die Mittelschule kommt, das Gymnasium bleibt.

Leider wurde in Salzburg die Möglichkeit des Schulversuches bei der Neuen Mittel­schule sehr spartanisch genützt. Und hier hätte ich, Frau Bundesministerin, die Frage, ob es einen mit Salzburg abgestimmten Umsetzungsplan bis 2018 gibt.

 


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