BundesratStenographisches Protokoll813. Sitzung / Seite 13

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Schüler ein Genügend oder gar ein Nicht genügend bekommen, dass der Direktor auf den Plan tritt und sagt: Das geht so nicht, da müssen wir etwas tun! Und jeder gestandene Lehrer weiß, was das heißt, nämlich die Note zu verbessern.

Dann gibt es natürlich auch noch die Kritik, dass die Eltern Druck ausüben. Das stimmt auch. Ja, ich weiß, dass Eltern auch Druck ausüben, vor allem auf die Volks­schullehrer, wenn es um die Nahtstelle geht, die bessere Note zu geben. Das muss man natürlich abstellen. Dazu wären zwei Dinge nötig, nämlich einerseits, dass die Lehrer standhaft bleiben, denn ich gehe einmal davon aus, dass sie wirklich nach bestem Können, Wissen und Gewissen die Note einigermaßen gerecht vergeben. Die totale Gerechtigkeit gibt es ohnehin nicht. Und es bräuchte auch eine Rückendeckung durch den Direktor und auch durch den Stadtschulrat, was nicht immer gegeben ist.

Bei der nächsten Regierung, das hat ja die SPÖ schon ausrichten lassen, ist die Gesamtschule eine Koalitionsbedingung. Da werden wir einmal schauen, wie das dann ausgeht erstens einmal wie die Wahl ausgeht und zweitens wie Koalitionsverhand­lungen ausgehen. Ich bleibe bei dem, was ich immer hier am Pult sage: Die Struktur­veränderung wird überhaupt nichts bringen.

Dieses Motto, die Gesamtschule kommt und alles wird gut, alle Probleme mit den Zuwandererkindern, die nicht Deutsch können, auch mit den problematischen öster­reichi­schen Kindern, die es ja auch gibt, die sozialen Unterschiede et cetera, das wird alles durch die Gesamtschule abgedeckt und gutgemacht, und dann haben wir überhaupt keine Probleme mehr, das stimmt nicht, und das weiß man von anderen Ländern auch. (Ruf bei der SPÖ: Das sagt niemand! Zwischenruf des Bundesrates Schreuder.)

Der Soziologe Bude, ein deutscher Soziologe, der ein Befürworter der Gesamtschule ist, hat das unlängst erst in einem Zeitungsinterview auch gesagt, dass das so nicht funktionieren wird.

Also was brauchen wir, zumindest unserer Meinung nach? Es sind die Ziele, die ja jetzt auch schon auf dem Tisch liegen, genannt worden. Ein neues Lehrerdienstrecht, ist schon gesagt worden: flachere Einstiegskurve, mehr Leistungsanreiz, auch mehr Mög­lichkeiten der Lehrer, sich irgendwo ein bisschen mehr zu positionieren, damit man etwas dazwischen hat, zwischen Lehrer-Sein und Direktor-Werden.

Auch die Forderung nach mehr Arbeitszeit in der Schule gibt es. Ja, da kann man darüber nachdenken, dass der Lehrer mehr Arbeitszeit in der Schule verbringen soll und muss, aber da sage ich schon: dann mit gut ausgestatteten Arbeitsplätzen. So wie das jetzt ist, kann das ganz sicherlich nicht sein. Dann könnte man, auch im Zuge der Bezahlung und dem Lehrerdienstrecht insgesamt, mehr darauf eingehen, was ein Lehrer an der Schule macht, wie unterschiedlich bewertet wird.

Ich werte jetzt nicht die Fächer, aber wenn jemand Deutsch und Englisch unterrichtet oder nur Deutsch unterrichtet und der andere Musik und Geografie oder Turnen und Geografie, ist der Arbeitsaufwand ein anderer – ohne dass ich jetzt sage, das eine ist eh unwichtig, wie das früher oft der Fall war, das sind die Nebenfächer, Zeichnen, Musik und Turnen, und die Hauptfächer sind Deutsch und Mathematik, Latein et cetera. Ich will es nicht werten, aber der Arbeitsaufwand ist ein anderer und gehört daher auch gewertet. Vielleicht kommt dann eine gewisse Bewegung in die Schule hinein, die ja nicht schaden kann.

Auch die Ferienregelung ist ein ewiger Quell der Kritik, meistens aus der Bevölkerung. Da wird gesagt, die Lehrer haben alle zu lange Ferien. Ich bin keine Lehrerin, aber da schlägt mein Herz wirklich für Lehrer. Es müssen wahrscheinlich nicht 13 Wochen im ganzen Jahr sein. Man könnte die letzte Woche vor Schulschluss und die erste Woche


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