BundesratStenographisches Protokoll813. Sitzung / Seite 14

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zu Schulbeginn wegstreichen, sie dafür nützen, die Wiederholungsprüfungen zu machen, Aufnahmeprüfungen zu machen, Konferenzen zu machen und so weiter.

Die restlichen elf Wochen, sage ich Ihnen ganz offen, gönne ich den Lehrern, weil ich glaube, dass sie sie wirklich nicht nur verdient, sondern auch nötig haben. Es ist nicht vergleichbar mit einem Büroalltag. Man muss das einmal gemacht haben, vor einer Klasse zu stehen. Die Kollegin Blatnik, die mir so aufmerksam zuhört, weiß sicher, wovon ich spreche. Es ist eine ständige Herausforderung. Das nimmt einen körperlich und psychisch her. Und wir wissen, wie viele Probleme es in den Ballungszentren gibt, mit den unterschiedlichsten Kindern. Also ich denke, dass man da den Lehrern schon eine Art Wertschätzung zeigen kann, indem man sagt, ihr habt euch eure Ferien verdient.

Dafür nehmen wir aber nur die besten Lehrer. Wir nehmen nicht nur die, die Lehrer werden wollen und eigentlich ungeeignet sind, wir nehmen die Besten, und dann lassen wir sie auch arbeiten, dann lassen wir sie ihren Job machen, und die Schüler machen sich die Dinge mit den Lehrern aus. Das hat sich immer bewährt. Einziger Einspruch ist, wenn ein Lehrer jetzt wirklich etwas Schlimmes macht, aber davon gehen wir ja jetzt nicht a priori aus.

Was sich aber für mich über alles drüberlegt, ist das Wichtigste überhaupt, und darüber wird zu wenig gesprochen: Wir müssen uns über den Begriff Bildung einig werden. Bildung ist nicht alleine die Ausbildung der Schülerinnen und Schüler für den Arbeits­markt nach den Vorgaben der Wirtschaft. Man soll auch nicht am Markt vorbeibilden, aber es kann nicht sein, dass wir nur zielgerichtet auf das hin ausbilden, was die Wirtschaft uns gerade ausrichtet, was sie gerade braucht, morgen ist es wieder etwas anderes, sondern Bildung ist die Erziehung. Und zur Erziehung gehört auch  hat etwas mit „Ziehen“ zu tun , einen urteilsfähigen Menschen zu fördern. Dazu braucht es Kompetenzen. Dazu braucht es aber auch Wissen, was ja immer vernachlässigt wird. Wir reden immer nur von Kompetenzen, aber Wissen ist kaum noch als Begriff vorhanden. Es gehört aber auch Disziplin dazu, es gehört Leistungsbereitschaft dazu, und es gehört auch eine gewisse Anerkennung  und ich weiß, das ist ein Ausdruck, der sehr unbeliebt ist, weil er auch schon missbraucht wurde  von Autoritäten dazu.

Die Lehrer sollten eigentlich die Vorbilder für ihre Schüler sein. Ich sage Ihnen schon, wenn ich durch Wien gehe und Klassen treffe, muss ich mich manchmal anstrengen, um zu sehen, wo da eigentlich der Lehrer ist, denn der schaut genauso aus wie seine 16-jährigen Schüler. (Rufe bei der SPÖ: Na und?!) Ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist. Die Schüler wollen keinen Lehrer, der so ausschaut wie sie. (Bundesrätin Grimling: Haben wir jetzt keine Junglehrer mehr? Nehmen wir nicht mehr auf?) Aber ein Junglehrer muss trotzdem nicht so ausschauen wie der 16-jährige Schüler und nicht unterscheidbar sein. Der kann sich ruhig ein bisschen abheben. (Bundesrat Schreuder:  Modevorschriften!) Nein, überhaupt nicht. Ich habe nicht gesagt, was er anziehen soll. Aber ich denke schon, dass sich ein Lehrer von seinen Schülern unterscheiden darf. (Unruhe im Saal.)

Ich glaube, dass wir uns darauf besinnen sollten, auf diese Kernsachen, die Struk­turdebatte weglassen sollen, weil wir da nicht einen Schritt weiterkommen. Ich glaube, wenn wir uns auf die wesentlichen Dinge konzentrieren, dann ist es völlig egal, in welcher Art der Schule, ob differenziert oder gesamt, sie umgesetzt werden. Wir sollen die Schüler fordern und fördern. Das habe ich immer gesagt. Da wäre schon viel gewonnen, und es kostet nichts – und das ist ja auch nicht so schlecht. (Beifall bei der FPÖ.)

9.34

 


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