BundesratStenographisches Protokoll813. Sitzung / Seite 21

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Ich habe mir zum Beispiel das Programm von Nordrhein-Westfalen angesehen. Minis­terpräsidentin Kraft verfolgt dort ein komplettes Programm, es wird dort sehr viel Geld in die Kindergärten investiert, eben nach dem Motto: Was wir dort schaffen, das brauchen wir später nicht mehr zu bezahlen! – Ein absolut sinnvoller Ansatz!

Ich kann dazu ein Beispiel aus meiner Heimatgemeinde bringen: Vor 14 Tagen, gerade zu Schulbeginn, ist die Kindergartenleiterin zu mir gekommen und hat gesagt: Wir brauchen eine Stützkraft. Wir haben bei einem Kind besondere Auffälligkeiten, Defizite festgestellt, wir brauchen eine Stützkraft. Bitte, Bürgermeister, kannst du nicht eine Stützkraft einstellen?

Ich habe gesagt: Okay, machen wir, selbstverständlich! Aber was brauchen wir denn für eine Stützkraft? – Schreib die Stelle aus, dann wird sich schon jemand melden!, war ihre Antwort. Ich habe gesagt: Nein, das mache ich nicht! Ich habe nichts gegen Hausfrauen, die sagen, okay, zwei Stunden pro Tag im Kindergarten, das ist eine ganz nette Beschäftigung, das ist toll, aber was macht dann die Frau mit dem Kind? Hat sie eine pädagogische Ausbildung, dass sie das Kind auch entsprechend führen kann? – Nein, hat die Kindergartenleiterin gesagt, das macht dann sie. Meine Frage daraufhin: Und die anderen 15 Kinder in der Gruppe, was machen die dann in der Zwischen­zeit? – Ja die bekommen eine Aufgabe von mir und die Stützkraft hat das dann zu bewerkstelligen.

Genau das, muss ich sagen, ist der Fehler! Wir brauchen auch in den Kindergärten entsprechend ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen und Stützkräfte. Deshalb habe ich gesagt, wir stellen eine Kindergärtnerin ein, die die restliche Zeit für die anderen Kinder zur Verfügung stehen soll.

Wir wissen – und das haben wir auch im Besonderen Ausschuss zum Bildungsvolks­begehren gehört –, dass nicht jedes Kind gleich ist und auch nicht jedes Kind ab dem sechsten Lebensjahr schon so weit ist, dass es in die Schule gehen kann. Da müsste man in Zukunft eventuell einen fließenderen Übergang schaffen.

Kommen wir zur Volksschule! Ich höre von den Volksschullehrern in meiner Gemeinde, dass sie sehr zufrieden sind mit den Bildungsstandards. Sie sagen selbst: Das ist für uns eine Rückmeldung; wir wissen, wo wir stehen. Bis dato hat das eigentlich niemand wirklich gewusst. Es gibt den Lehrplan, und danach wurde unterrichtet, logischerweise mit allen Eigenheiten, die jeder einzelne Lehrer hat und die auch die Klasse hat, aber jetzt wissen wir durch den Vergleich, wo wir ungefähr stehen.

Sie sind wirklich begeistert, vor allem auch noch immer begeistert von den kleinen Klassen durch die niedrigeren Klassenschülerzahlen. Wir haben zum Beispiel 2 000 Ein­wohner, und wir haben immer zwischen 20 und 25, manchmal 30 oder 24 An­fänger. Bei 26 Kindern haben wir eben zwei Klassen mit je 13, und das ist natürlich eine ganz tolle Sache.

Frau Mühlwerth, an dieser Stelle muss ich vor allem Ihnen etwas sagen: Wir hatten einen Volksschuldirektor, der vor 35 Jahren zu uns gekommen ist – in Schlapfen, barfuß, mit langen Haaren. Die Leute haben sich gefragt, was das denn für ein Lehrer sei! – Das war der beste Lehrer, denn wir je gehabt haben! Das Erste, das er gemacht hat, war, dass er gesagt hat: Liebe Kinder, ich bin nicht der Herr Moser, ich bin nicht der Herr Lehrer, sondern ich bin der Elmar! Auch das führte wieder zu Aufruhr im ganzen Dorf. Jetzt sagen die Kinder zum Lehrer Du, zum Direktor sagen sie Du, das kann ja nicht gutgehen.

Es ist bestens gegangen! Es zählt halt nicht die äußere Schale, sondern das pädagogische Geschick, das ein Lehrer hat. Und er hat das pädagogische Geschick gehabt. Also ob jetzt die Lehrerin oder der Lehrer bei den Schülern gut ankommt oder


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