BundesratStenographisches Protokoll815. Sitzung / Seite 17

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Weil es immer heißt, es gibt zu wenig Professoren: Professoren gibt es genug, exzel­lente Professoren, exzellente Forscher, aber die kommen zu keinem Lehrangebot, die dürfen nicht lehren, weil es da zu wenige Möglichkeiten gibt. Offensichtlich gibt es ex­treme Kürzungen, die aber nicht notwendig sind. Ein Forscher, ein Wissenschafter möchte doch etwas präsentieren, möchte seine Lehre seinen Studierenden kundtun, und die Studierenden haben auch ein Recht darauf, den aktuellen Forschungsstand mitzubekommen und zu inhalieren, wenn ich das so sagen darf. Also da gehören die Kräfte gebündelt: weniger Angebote bedeutet mehr Angebot.

Ein weiteres aktuelles Problem sind vielfältigere Forschungsthemen – nicht Einfältig­keit, Vielfältigkeit ist wesentlich! –, vielfältige Fragestellungen und eine breite Wirkung. Deswegen habe ich zuvor kurz auf die Wirtschaftswissenschaften des letzten Jahrhun­derts verwiesen. Die sind ja nur aufgrund der Vielfältigkeit entstanden, nur entstanden, weil jeder Forscher, weil eben jede Wissenschaft und Lehre frei war und nicht gebün­delt war und gebunden an irgendwelche Drittmittel, die sicherlich positiv zu bewerten sind, die aber die Forschung niemals leiten dürfen!

Es kann nicht sein, dass die Staatspolitik – das muss man ganz offen aussprechen – Wissenschafter diszipliniert, um ihre eigenen Ziele zu legitimieren. Das kann es nicht sein, das ist unmöglich! Man sieht hier im Haus immer öfter, dass außeruniversitäre Wissenschafter von der Wirtschaft eingeladen werden – das muss man ganz offen sa­gen –, die, und das sind auch Koryphäen, sich aber völlig verbiegen müssen, damit das, was hier im Hause oft passiert, legitimiert wird. Das kann es nicht sein! Daher muss die Wissenschaft und Lehre frei sein – aber in jedem Sinne.

Was die Vermarktung betrifft, haben wir Freiheitlichen schon vor Jahren vorgeschla­gen – das steht im Forschungsprogramm „Horizont 2020“ drinnen –, die Drittmittelauf­bringung im Sinne von Privatfinanzierung, Risikokapital, Beteiligungskapital stärker zu fördern, dass also auch Privatunternehmen die Forschung unterstützen dürfen. Da gibt es sicherlich verschiedene Steuerungsmöglichkeiten, damit Unternehmen da ihren Bei­trag leisten können, damit die Forschung einfach mehr Geld bekommt.

Meine Vorrednerin hat von den Werkstudenten gesprochen. Da gebe ich ihr vollkom­men recht! Es ist nicht notwendig, dass man fünf Monate im Jahr Urlaub haben muss, man kann die Zeit sicherlich nützen. In Australien zum Beispiel gibt es das zweijährige Bachelor-System, da gibt es Trimester für schnelle Studenten. Man muss nicht immer nur an einen Werkstudenten denken, sondern es gibt viele, die einfach nur studieren wollen, die sich nur der Forschung hingeben wollen, und die haben ein Recht darauf, dass in dieser vorlesungsfreien Zeit auch etwas angeboten wird.

Zu den Standorten: Es ist nicht notwendig, dass in Wien zum Beispiel drei Wirtschafts­standorte angeboten werden, das ist eine Auffächerung. Wenn ich an die Wirtschaft denke, so kann man Wirtschaft am BWZ in der Brünner Straße studieren, hier am Uni­versitätsring und in der Augasse. – Also das kann es auch nicht sein, hier sollte man bündeln! Ein Standort mit einem massiven Angebot ist besser.

Die Auslagerung von zahlreichen Fakultäten in verschiedene Bezirke Wiens ist nicht sinnvoll, man sollte da eine Campus-Ideologie schaffen, einen Thinktank. Gerade Stu­dierende wollen sich untereinander treffen, untereinander besprechen, was los ist auf dieser oder anderen Fakultäten. Die Publizisten sind dort, das Juridikum ist an einer anderen Stelle; das UZA I und das UZA II werden schon abgerissen, weil diese neue Bautechnik überhaupt nicht studierendenfreundlich ist. Nicht umsonst studiert jeder gerne an unserer Universität Wien, die vor über hundert Jahren errichtet worden ist.

Interessant ist noch – zum Schluss –, dass Wissenschaftsstandort und Wirtschafts­standort einander bedingen. Das sieht man am größten Forschungsland der Welt, den USA, wo die Forschung praktisch erarbeitet wird, den Studierenden beigebracht und wo sie auch verbreitet wird – und die USA sind bekanntlich die stärkste Volkswirtschaft


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