dass sie so gut sind. Diesen Vorsprung haben wir aber leider Mitte des 20. Jahrhunderts durch die erwähnte Katastrophe eingebüßt.
Vor dieser Katastrophe war Deutsch auch die führende Wissenschaftssprache der Welt. Man musste, um international Wissenschaft zu treiben, Deutsch lernen. Relikte dieser Dominanz kann man noch sehen. Wenn man zum Beispiel führende Unis in China besucht, stellt man mit Überraschung fest, dass dort noch immer Deutsch neben Englisch eine ganz wichtige und auch gelernte und beherrschte Wissenschaftssprache ist.
Es gibt also ständig diese Paradigmenwechsel und ständig den ganz klaren Befund: Wenn sich Regierende, wenn sich Mächtige zu stark in das innere Getriebe von Universitäten mengen, tut das den Universitäten nicht gut.
Deswegen hat Österreich in den letzten Jahrzehnten da auch entsprechende Reformwerke begonnen, an deren Ende das UG 2002 steht. Es gab ja schon vorher zwei bedeutende Reformgesetze oder mehrere – ich nehme jetzt einmal nur die Organisationsgesetze, es gab natürlich auch Reformen der Studiengesetze, die ebenso wichtig sind. Ich, der ich nun seit über vier Jahrzehnten an Universitäten agiere, habe ja selbst all das erlebt und kann aus eigener Anschauung all das auch bewerten.
Ich stehe nicht an zu sagen, dass zum Beispiel auch das UOG 1975 ein gewaltiger Reformschritt war. Es war ein gewaltiger Reformschritt, der alte, verkrustete Strukturen völlig umgestürzt hat, der allerdings wohl auch des Guten zu viel getan hat durch eine übertriebene Demokratisierung von Entscheidungsabläufen, die nicht demokratisch sein können und nicht demokratisch sein müssen. Da haben dann spätere Reformwerke nachgebessert, und das UG 2002 hat wieder einen anderen Weg eingeschlagen, wo viele Entscheidungen wieder monokratisch fallen.
Das hat bei mir ursprünglich durchaus auch Skepsis ausgelöst. Ich habe aber dann als einer, der in diesem Getriebe tätig ist, dieses Getriebe aus verschiedenen Perspektiven sehen konnte, gelernt, dass das UG 2002 ein segensreiches und stimmiges Gesetz in die richtige Richtung war. Und es ist heute schon treffend erwähnt worden, dass uns viele Länder da nachgefolgt sind und viele Elemente dieses Gesetzes übernommen haben – das ist, wie gesagt, treffend bemerkt worden.
Der Kern dieses Gesetzes ist Autonomie. Was heißt Autonomie? – Das ist ein griechisches Wort, das aus zwei Bestandteilen besteht. Ho autos, das heißt derselbe, oder to auton, dasselbe oder das selbst. Nomos ist das Gesetz, das dürfte bekannt sein. Hinter nomos steckt das Verbum nemein, und deswegen ist das noch interessanter, denn nemein heißt eigentlich zuteilen. Also der autonomos teilt sich selbst die Sachen zu. Und genau das ist der Kern der Autonomie: Die Universität entscheidet selbst, wie sie sich ihre Mittel zuteilt, wie sie sich ihre Organisation im Inneren gibt, welche Schwerpunkte sie setzt und so weiter.
Allerdings, und das ist auch gut so, gerade in Österreich ist der Staat immer noch der größte Geldgeber der Universitäten, und deshalb hat der Staat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, eine gewisse Aufsicht zu führen, dass diese Gelder, die ja öffentliche Gelder, Steuergelder sind, verantwortungsvoll und effizient eingesetzt werden. Und das ist ein Spannungsfeld. Es ist ein Wechselspiel, wie wir so viele in der Welt haben, wo man zwei Dinge hat, die sich eigentlich widersprechen, und man immer einen Ausgleich zwischen den beiden Dingen finden muss, wo aber auch immer die Gefahr besteht, dass eine der beiden Seiten zu dominierend wird.
Dieses Wechselspiel wird auch immer wieder zu Konflikten, zu Spannungsverhältnissen, zu Diskussionen führen, wie die Demokratie natürlich überhaupt eine Staatsform, eine Gesellschaftsform ist, in der es darum geht, Konflikte zu sehen, auch zu leben, auszuhalten, auszutragen und irgendwann dann aber eine Lösung dieser Konflikte
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