BundesratStenographisches Protokoll815. Sitzung / Seite 22

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

Wir wissen, dass mit der angekündigten Hochschulmilliarde der Status quo gerade aufrechterhalten werden kann, ohne dass es überhaupt zu qualitativen Verbesserun­gen kommt. Von den angepeilten 2 Prozent vom BIP möchte ich gar nicht reden.

Erlauben Sie mir, dass ich Klartext rede! Seit Jahrzehnten hat die ÖVP die Universi­täten wirklich stiefmütterlichst behandelt. Wir haben vom Kollegen Todt gehört, dass die SPÖ widerwillig zugestimmt hat, dass die Universitäten den Weg der Autonomie beschritten haben. (Bundesrat Todt: Nein! Wir haben es abgelehnt damals!) – Abge­lehnt, genau. Aber dennoch ist nicht viel weitergegangen. Und „nicht viel weiterge­gangen“ ist ein Sinnbild (Bundesrat Todt: Das stimmt leider auf der anderen Seite nicht! Es ist viel weitergegangen, das habe ich aber gesagt!) – vom Kindergarten über die Schulen bis zu den Universitäten. Wir haben einen Stillstand in der Bildungspolitik, und das auf Kosten der Betroffenen, vom Kindergarten bis zu den Hochschulen. (Bei­fall des Bundesrates Schreuder. – Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Für die Studierenden bedeutet das – der Herr Minister hat das schon erwähnt –: über­füllte Hörsäle, Zugangsbeschränkungen, welche sich auch schon auf andere Studien­richtungen auswirken werden. Für das beschäftigte Personal bedeutet das prekäre Ar­beitsverhältnisse – und da rede ich noch gar nicht von Forschung, denn Forschung be­deutet, dass ich Arbeitsplatzsicherheit habe, dass ich weiß, dass ich in ein paar Jahren auch noch ein Beschäftigungsverhältnis habe. Unter den Rahmenbedingungen, unter denen die meisten unserer Wissenschafter beschäftigt sind, wo sie nicht einmal wis­sen, ob im nächsten Jahr der Arbeitsvertrag verlängert wird, kann man nicht sinnvolle Forschung und Lehre betreiben. Das wirkt sich negativ auf die Qualität aus.

Kettenverträge sind Standard, es gibt ein Ungleichgewicht im Verhältnis von Betreuer und Studierenden, die ArbeitnehmerInnen-Schutzbestimmungen werden wieder hi­nausgezögert, Personal wird in manchen Studienrichtungen abgebaut, weil man ohne­hin nicht weiß, wie es weitergehen soll, geplante technische Innovationen und Umbau­maßnahmen werden hintangestellt – außer, und das haben auch viele meiner Vorred­ner und Vorrednerinnen schon angemerkt, in jenen Studienrichtungen, die für die Wirt­schaft und für die Industrie von Interesse sind, denn da gibt es ja sozusagen die Dritt­mittel.

Drittmittel sind willkommen, keine Frage. Wir müssen uns überlegen, wie wir das noch ausbauen können, damit es da zu einem guten Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Industrie, Forschung und Lehre kommt. Aber wir haben auch viele, viele Studienrich­tungen, wo die Wirtschaft einfach nicht profitieren wird. Wie schaut es denn dort aus? Wie schaut es in den geisteswissenschaftlichen Fächern aus? Sind uns die genauso viel wert?

Sie, Kollege Pisec, haben in Ihrer Rede gesagt, dass wir um die 180 Studienrichtungen haben und dass diese Vielfalt zu hinterfragen ist, ob wir überhaupt so viele Studien­richtungen brauchen, haben aber im nächsten Satz erwähnt, dass die Vielfalt erhalten werden soll. Na was jetzt? Ich kenne mich nicht aus! (Bundesrat Mag. Pisec: Vielfalt der Forschung! Das ist ein Unterschied!)

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Eines möchte ich festhalten: Österreich – ich sage das fast in jeder Rede, wenn es um Bildung geht – verfügt über keine Boden­schätze, verfügt über keine Bodenressourcen. Neben der schönen Landschaft und dem, was wir im Bereich Tourismus anzubieten haben, sind das Potenzial dieses Lan­des die jungen Leute. In diese müssen wir investieren! Wir sollten uns nicht Gedanken darüber machen, wie wir so viele wie möglich von einem Studium abhalten können, da­mit wir die chaotischen Zustände auf den Universitäten halbwegs in den Griff bekom­men. – Das wäre der falsche Ansatz.

Wir können froh sein, wenn es viele junge Leute gibt, die studieren möchten, denn wir wissen, dass allein der OECD-Schnitt nicht zu halten ist. (Bundesrätin Mühlwerth: Sie


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite