Mühlwerth anschließen. Ich fahre auch sehr gerne nach Tirol. Heute habe ich zufällig auch einen Tiroler Kugelschreiber mit. (Der Redner zeigt einen Kugelschreiber.) Der wird Ihnen weniger gefallen, er ist von Frau Christine Oppitz-Plörer, die ja Bürgermeisterin von Innsbruck ist. Sie führt eine tolle Regierung in Innsbruck in einer tollen Koalition. (Ruf bei der ÖVP: Da kriegst nachher einen ÖVP-Kuli von mir!) – Okay. Dann kriege ich also auch einen ÖVP-Kugelschreiber, ich gebe dir auch einen von den Grünen. Sehr schön.
Aber jetzt im Ernst: Ich finde, Sie haben eines der ganz wichtigen Themen der Zukunft angesprochen – nicht nur für Österreich, denn eigentlich ist das ein globales Thema –, nämlich die Frage der Ausdünnung des ländlichen Raumes und die immer größer werdenden Metropolen. Es gibt nicht wenige Zukunftsforscher und -forscherinnen. Das ist eine ganz interessante Entwicklung, die denken ja oft über Jahrzehnte. Sie sagen, der Nationalstaat wird in Zukunft nicht mehr so eine starke Bedeutung haben, globale Vernetzungen werden immer stärkere Bedeutung haben und vor allem die großen Metropolen dieser Welt werden die wahre Macht, global gesehen, werden.
Gleichzeitig haben die Metropolen – und jetzt kann ich als Wiener reden – natürlich auch ein Riesenproblem. Man bedenke, dass Wien bis ungefähr 2035, 2040 um die Einwohnerzahl von Graz wächst. Die Einwohnerzahl von Graz kommt in den nächsten Jahrzehnten nach Wien und wird hier leben. Man bedenke, was das auch für eine Kommune wie Wien bedeutet: Man muss neue Stadtviertel bauen, diese Stadtviertel brauchen Kanalisation, brauchen öffentliche Verkehrsmittel, brauchen Kindergärten, brauchen Schulen, die brauchen, die brauchen, die brauchen. Das ist ein unglaublicher Aufwand. Da ist es auch aus Sicht der Metropolen wichtig, darüber nachzudenken: Wie bewerkstelligen wir das, wie finanzieren wir das, wie organisieren wir das?
Als Sie mit ländlicher Ausdünnung angefangen haben, habe ich sofort Breitbandoffensive geschrien. In dem Augenblick sagten Sie es auch, worüber ich froh bin, denn die Breitbandoffensive ist sicher eines der ganz wesentlichen Momente, wie wir auch im ländlichen Raum Bedingungen – auch Arbeitsbedingungen – schaffen können, die in einer globalisierten Welt auch funktionieren.
Aber man sollte aus meiner Sicht noch weiter denken. Denken wir wiederum an Wien, wo ich eben herkomme: Wir leiden unter unglaublich großem Pendlerinnen- und Pendlerverkehr, so wie alle großen Städte, auch Innsbruck, Linz oder Graz. Dezentrales Arbeiten ist in einer modernen technologischen Welt möglich. Ich glaube, wir müssen, wenn wir über die Ausdünnung des ländlichen Raums reden, auch verstärkt darüber nachdenken, inwieweit zentrales Arbeiten in Zentralen in der Großstadt überhaupt noch nötig ist. Natürlich wird es Konferenzen brauchen, natürlich muss man sich treffen. Das wird es auch weiter geben müssen, keine Frage. Aber es gibt technologische Möglichkeiten. Ich denke da als Wiener zum Beispiel an das Burgenland. Warum kann man es nicht fördern, dass es dort Büros gibt, wo Menschen, die Tele-Working machen, die Computerarbeit machen, arbeiten?
Das gilt im Übrigen auch für die öffentliche Verwaltung. Dass die Menschen nicht immer in die Landeshauptstadt oder die Bundeshauptstadt zum Arbeiten fahren müssen, sondern dass das dezentral möglich ist, ist eines der ganz wichtigen Themen, mit denen wir uns sicher in den nächsten Jahren intensiver auseinandersetzen werden müssen.
Zur Föderalismusfrage. Ich sage jedem Landeshauptmann, jeder Landeshauptfrau, der oder die hier herkommt: Ich freue mich ja über jeden Vorschlag zur Reform des Bundesrates. Ich habe immer gesagt – das ist kein Geheimnis –: Entweder man reformiert ihn ordentlich, oder man schafft ihn ab – das war immer meine Haltung. Ich habe aber auch immer gesagt: Die zunehmende Bedeutungslosigkeit des Bundesrates liegt ja auch darin begründet, dass es seit den 1970er Jahren eines der mächtigsten Gremien
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