sage das, weil dies die unterschiedliche Strukturiertheit unseres Landes zeigt, wie verschieden die Anforderungen an das Gemeinwesen in Österreich sind, und wie vielfältig unsere Natur, die Menschen, unsere kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Errungenschaften sind.
Wir in Tirol sind gerne und überzeugte Österreicherinnen und Österreicher und tragen in unserem Herzen nicht nur das Tirolerische, sondern eben auch das Österreichische.
Zu unserer geografischen Lage in Tirol: Da haben wir einmal die Nord-Süd-Achse und einmal die Ost-West-Achse. Wir sind zwischen den Alpen eingebettet, zwischen Vorarlberg, der Schweiz auf der einen und Salzburg auf der anderen Seite und Osttirol hat auch Grenzen zu Kärnten.
Wir arbeiten wirtschaftlich auch sehr viel mit dem Südtiroler Raum und dem Trentino zusammen. Und da möchte ich Folgendes sagen: Der Dreierlandtag, Frau Mühlwerth, wird in Tirol gelebt. Es werden Anträge eingebracht, sie werden abgearbeitet und werden dann auch vollzogen; diese drei Länder – Tirol, Südtirol und Trentino – beschließen und vollziehen die angenommenen Anträge auch. Vorarlberg hat im Dreierlandtag einen Beobachterstatus.
In Tirol sind nur 12 Prozent der Landesfläche als Dauersiedlungsraum geeignet, das erfordert große Anstrengungen bei der Raumordnung. Das Land hat die höchste Dichte bei den Lebensmittelkonzernen, die meisten Sporthändler und auch die höchste Quadratmeteranzahl pro Einwohner, was den Möbelhandel anbelangt. Was dies sowohl wirtschaftspolitisch als auch verkehrstechnisch bedeutet, brauche ich in diesem Raum hier nicht mehr zu erläutern.
Die Struktur unserer heimischen Wirtschaft ist geprägt von den vielen kleinen und mittleren Betrieben: der sogenannte Lebensmittelhändler im Ort als Drehscheibe der menschlichen Kommunikation, das Postamt oder der Postpartner als Anziehungspunkt für die Bewohner einer Region, das Wirtshaus als Ort für lokale Veranstaltungen und das Vereinswesen – das ist es, was wir in Tirol erhalten wollen. Das ist das Bekenntnis zum ländlichen Raum, denn nur wenn in den Orten Leben herrscht, dann kann es keine Absiedelung geben.
Bei der Enquete zum Thema „Zukunft Land“ haben wir gehört, dass es auch einen Lebensraum für Frauen braucht. Frauen müssen sich in ihren Orten wiederfinden, Frauen müssen ansprechende Veranstaltungen, Vereine vor Ort finden, um nicht abzusiedeln. Wenn Frauen absiedeln, gibt es auch keine Kinder und das Dorf stirbt aus.
Bei uns in Tirol sind wir bemüht, dass der ländliche Raum weiterwächst, dass die gleichen Bedingungen – wie unser Landeshauptmann schon ausgeführt hat – im ländlichen Raum und im städtischen Raum vorherrschen. „Die gleichen Bedingungen“ heißt aber nicht, dass das, was für die Großstädte wichtig ist, auf dem Land umgesetzt werden muss. Das Land hat eigene Voraussetzungen, eigene Gesetze, und nur so können wir den ländlichen Raum wirtschaftlich auch als Lebensraum weiterführen.
Der Landeshauptmann hat den ländlichen Lebensraum als Baum bezeichnet. Für mich ist der ländliche Lebensraum wie eine Vene, durch die Blut rinnt. Wenn die Vene verstopft ist, stirbt der Körperteil ab. Wenn im ländlichen Raum keine Betriebe mehr sind, wenn es im ländlichen Raum keine Möglichkeiten für Schulen, Kindergärten gibt, dann stirbt der ländliche Raum ab.
In Tirol gibt es eine Breitbandinitiative, die auch vom Landtag und von der Landesregierung mit Geld unterstützt wurde. Ich möchte mich dafür ganz herzlich bedanken und dazu ein kurzes Beispiel anführen: Ich arbeite bei einem Steuerberater. Wir haben in den letzten fünf Jahren zehn Kinder zur Welt gebracht – also nicht ich, sondern die Mitarbeiterinnen (Heiterkeit) –, und mehr als die Hälfte dieser Frauen arbeitet zu Hause.
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