BundesratStenographisches Protokoll815. Sitzung / Seite 63

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Sehr geehrte Damen und Herren! Momentan geht eine Mauer durch das Land: Wir ha­ben eine unsichtbare Mauer zwischen Spitalsärzten, niedergelassenen Ärzten und Pflegeeinrichtungen. Mit dieser neuen Karte, mit diesem neuen System werden diese Bereiche erstmals verbunden. Der Spitalsbereich ist heute schon ein Teamspieler. Im Spitalsbereich wird dokumentiert, wird aufgezeichnet, da gibt es dieses elektronische Netzwerk. Im niedergelassenen, im Facharzt- und Hausarztbereich hat jeder sein eige­nes elektronisches System, da dokumentiert jeder für sich. Was im Spital heute gang und gäbe ist, was allgemeine Praxis wird, wird künftig auch im niedergelassenen, im fachärztlichen Bereich möglich und Stand der Technik sein. Jeder kann künftig auf die patientenbezogenen persönlichen Daten zurückgreifen.

Wenn wir heute oder morgen in eine Praxis, zum Facharzt gehen, werden wir die kon­kreten Vorteile auch recht bald spüren. Jeder von uns würde sich vom Arzt mehr Zeit wünschen. Wenn heute jemand zum Arzt geht, sagt er: Ja, ich habe Medikamente, ich habe eine Therapie, aber ich hätte mir von meinem Arzt etwas mehr Zeit gewünscht. – Aber die Ärzte können diese Zeit den Patienten auch nicht geben, bei aller Liebe, bei aller Wertschätzung, so gern sie es täten! Der Druck, der Arbeitsdruck ist ein hoher, der draußen auf die Fachärzte und auf die niedergelassenen Ärzte einwirkt.

Mit ELGA wird künftig Druck von ihnen genommen. 20 Prozent eines Arztgespräches gehen für die Dokumentation, für die Recherche auf. Wenn ich heute 10 Minuten von meinem Arzt erhalte, dann muss er mit mir 3 Minuten über Vorgeschichte, Krankenge­schichte, Krankheitsverlauf, frühere Medikamente sprechen. Künftig hat er das auf dem Bildschirm, kann er darauf elektronisch zurückgreifen. Er hat für mich als Patientin und Patient mehr Zeit! Das ist in Wirklichkeit eine große, enorme Verbesserung, die wir uns von ELGA erwarten und erhoffen können.

Aber es gibt auch noch einen sehr viel praktischeren Vorteil. Sie wissen, Medikamente werden heute häufig verschrieben, es gibt auch den Effekt unerwünschter Mehrfach-Medikationen. Diese werden mit dem neuen System künftig vermieden. Diese Mehr­fach-Medikamente und ‑Medikationen haben auch unerwünschte Nebeneffekte; wir wissen, das führt zu Spitalsaufenthalten, ja kann sogar zu Todesfällen führen. In der Statistik sind diese Unglücksfälle häufiger als Verkehrsunfälle! Da ersparen wir künftig den Menschen wirklich sehr viel Leid, sage ich, auch Spitalsaufenthalte, mögliche Fol­geerscheinungen und Wechselwirkungen.

Jeder von uns wird einen Vorteil erleben. Wir werden nicht mehr von Arzt zu Arzt, von Praxis zu Praxis geschickt, sondern können uns künftig Arztbesuche, Ambulanzbesu­che ersparen. Das bringt uns im Krankheitsfall, wenn wir Beschwerden haben, mehr Freizeit, und wir müssen dafür auch weniger Arbeitszeit opfern.

Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute beschließen wir einen großen Schritt. Wie groß er ist, wie weit er uns trägt, werden wir erst in vier, fünf Jahren so richtig beurteilen können. Aber ich bin mir sicher, dass wir weitere Schritte in den nächsten Jahren setzen werden, weil es darum geht, alle im Gesundheitsbereich zu vernetzen: den Spitalsbereich, den Bereich der niedergelassenen Ärzte, den Pflegebe­reich, den Heimbereich, den Sanatoriumsbereich, den Rehabilitationszentrenbereich. Da tun sich so viele neue Möglichkeiten und Erfordernisse auf!

Ich wünsche mir, dass wir die Möglichkeiten der Technik in diesem Bereich auch voll nützen. Denn wer glaubt, das System, die Qualität des Gesundheitswesens mit klassi­schen Mitteln verbessern und stärken zu können, der bewegt sich in einem Hamster­rad: Er läuft immer schneller, aber er kommt nicht ans Ziel, sondern eher nur der Er­schöpfung näher. Daher müssen wir wirklich neue Wege gehen, auch die Möglichkei­ten des technischen Fortschritts nutzen, um mehr für unsere Patienten und Patientin­nen zu erreichen, vor allem auch, um Ärztinnen und Ärzten sowie den Pflegern und


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