BundesratStenographisches Protokoll815. Sitzung / Seite 129

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Sie haben es heute bereits gesagt und Sie haben es in den vergangenen Tagen, zu­mindest war es den Medien zu entnehmen, gesagt: Gegengeschäfte sind grundsätzlich nichts Schlechtes. – Ich pflichte Ihnen hier bei. Ein Gegengeschäft ist durchaus etwas, das man machen kann und auch machen soll.

Aber für dieses Firmengeflecht, das der Kollege Jenewein hier auf der Tafel präsentiert hat, das man geschaffen hat, dafür kann es nur einen einzigen Grund geben, nämlich dass man ganz offenbar versucht, Geldflüsse zu verschleiern, dass man Scheinrech­nungen stellen kann und dass man danach trachtet, Korruptionsgelder dort hinzubrin­gen, wohin sie sollen. Anders ist es nicht zu erklären, dass man eine solche Ver­schachtelung ins Leben ruft. (Bundesrat Kneifel: Aber nicht das Ministerium! Das muss man schon klar sagen!) – Nicht das Ministerium, nein, nein. Ich komme da noch darauf zurück.

Die Frau Bundesminister für Justiz, Frau Dr. Karl, hat erst vor Kurzem in einer Anfrage­beantwortung gesagt: „Für die Erfüllung der im Ankaufsvertrag vereinbarten Gegenge­schäftsverpflichtung des Vertragspartners Eurofighter Jagdflugzeuge GmbH wurden erhebliche Beträge zur Verfügung gestellt. Diese sind nach Abtretung der Gegenge­schäftsverpflichtung an EADS über ein Firmenkonstrukt sowie verschiedene Subbroker an noch nicht bekannte Entscheidungsträger beziehungsweise Beamte weitergeleitet worden, wobei es sich um Schmiergeldzahlungen handeln dürfte.“ – Das sagt die Frau Minister.

Dass hier etwas faul sein muss und dürfte im Staate Österreich, das war in Wirklichkeit von Anfang an kein Geheimnis. Sie haben ja selbst erst vor Kurzem gesagt, Herr Bun­desminister: „Ich bin überzeugt, dass beim Abfangjäger-Kauf nicht alles sauber ge­laufen ist.“ Sie waren auch im Eurofighter-Untersuchungsausschuss, und ich nehme an, Sie wissen, wovon Sie reden. Man ist hier diffus und nebulos bei der Schaffung ei­nes solchen Firmenkonstrukts vorgegangen. Wir sind heute so weit, dass beinahe die gesamte oder die halbe Republik als Korruptionsjäger beschäftigt ist.

Die Justiz mit Richtern und Staatsanwälten, die Polizei, die Finanz, Beamte aus Vertei­digungsministerium, Außenministerium, womöglich Wirtschaftsministerium, alle be­schäftigen sich mit dieser Materie. Sogar der Rechnungshof hat in den vergangenen Jahren mehrfach Aspekte rund um diesen Eurofighter-Kauf geprüft.

Ich komme noch einmal zurück zu dieser Tafel, die Kollege Jenewein hergezeigt hat: Wenn man sich das anschaut, ist ganz klar ersichtlich, dass es nur darum geht, Dinge zu verschleiern, Geldflüsse unsichtbar zu machen, Geld einfach zu verstecken, und dass man womöglich wirklich danach trachtet, Korruptionsgelder an einen bestimmten Ort zu bringen.

Das Unglück für jene, die das sozusagen alles geschaffen haben, war die Tatsache, dass in Italien ein Mann, den die Medien dort als den „Madoff von Rom“ bezeichnen, im Zuge von Ermittlungen wegen betrügerischer Anlagegeschäfte verhaftet wurde. Die­ser Gianfranco Lande wurde als Mastermind für die Schaffung dieses Konstrukts ein­gesetzt. Von diesem Gianfranco Lande können Sie ganz oft in den Medien lesen, da brauchen Sie nur im Internet nachzuschauen und Sie werden herausfinden, dass dieser offensichtlich ganz gute Kontakte zur kalabrischen Mafia, zur sogenannten ’Ndrangheta pflegt. Dieser Gianfranco Lande hat offenbar seine große Erfahrung im Umgang mit der – unter Anführungszeichen – „Bearbeitung“ von schwierigen Geschäf­ten einbringen können, sollen und dürfen.

Nur leider für jene, die in diesen Fall involviert sind, hat dieser Gianfranco Lande, der ja mittlerweile zu viereinhalb Jahre Haft in Italien verurteilt wurde, im Zuge der Ermittlun­gen wegen seiner Anlagebetrügereien – so wie das der Kollege Jenewein schon ge­sagt hat – vermutlich aus gesundheitlichen Gründen gesagt: Dazu sage ich nichts,


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