BundesratStenographisches Protokoll816. Sitzung / Seite 155

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jemanden nur sechs Monate beschäftigt, kommt sie nicht zur Anwendung. (Neuerlicher Zwischenruf des Bundesrates Mag. Klug.)

Aber es werden auch einige bestraft, die dem Ruf folgen, die Saisonen zu verlängern. In Kärnten sind zum Beispiel die meisten Betriebe zu Ostern bereits geöffnet, und wenn Ostern früh fällt, sind die sechs Monate im September zu Ende und nicht im Ok­tober. Wenn sie im Oktober aufhören, dann haben sie diese Manipulationsgebühr zu zahlen. Ich hoffe nicht, dass das dazu führt, dass der Betrieb zwei, drei Wochen früher zusperrt. Es gäbe also schon einige Dinge zu überlegen, um Verbesserungen für den Tourismus und die Tourismuswirtschaft zu erreichen.

Trotzdem ist Österreich – und das spiegelt der Bericht ja wider – Weltmeister. Nach Berechnungen der WTO liegt Österreich bei den Auslandseinnahmen pro Kopf mit 2 218 Dollar an der Weltspitze. Ich glaube, das ist ein Verdienst der österreichischen Tourismuswirtschaft, der Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch der Mitarbeiter.

Ich möchte noch kurz auf die Mitarbeiter-Situation eingehen. Ich habe in meinem Be­trieb bis zur Übergabe die Lohnverrechnung für meine 18 Mitarbeiter immer selbst ge­macht, um auch zu sehen, wie die Bewegungen und so weiter stattfinden. Deshalb kenne ich mich da sehr gut aus.

Es ist so, dass die Tourismuswirtschaft von 2008 bis 2011 um 10,5 Prozent an Mitar­beitern zugenommen hat, die übrige Wirtschaft in Österreich „nur“ – unter Anführungs­zeichen – um 2,4 Prozent. Das zeigt, dass Qualitätstourismus natürlich auch mitarbei­terintensiv ist, weil er ein Dienstleistungsbereich ist. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir die entsprechenden Mitarbeiter bekommen. Es wird immer schwieriger, sie zu fin­den.

Es ist so, dass die Öffnungszeiten und die Konsumationszeiten nicht die Tourismus­wirtschaft vorgibt, sondern der Konsument, der Gast. Der bestimmt, wann er Leistun­gen von uns in Anspruch nehmen möchte. Die sind eben nicht immer ident mit den an­deren Berufen. Deshalb ist es auch so schwierig, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus­zubilden und sie auch in der Branche zu behalten.

Ich verwende jetzt noch einmal statistische Daten: Wir stellen fest, dass von den aus­gebildeten Kräften – ob in der dualen Lehre oder in der Hotelfachschule, in den Kollegs und so weiter – mit dem 24. Lebensjahr nur mehr ein Viertel in unserer Branche, in der Tourismuswirtschaft in Österreich, ihren Arbeitsplatz hat. Das ist das Problem.

Da werden wir an den Arbeitszeiten nicht rütteln können. Wie gesagt, die bestimmt der Konsument. Wir werden nach wie vor Samstag, Sonntag arbeiten müssen, wir werden nach wie vor Weihnachten und Juli, August arbeiten müssen. Wir werden an den Wo­chenenden und auch am Abend arbeiten müssen.

Aber ich appelliere auch an die Medien, ein bisschen dazu beizutragen, auch positiv und nicht immer nur negativ über die Arbeitsbedingungen und über die Entlohnung im Tourismus zu berichten.

Kollege Perhab hat heute eine Zahl aus einer Tageszeitung zu den Löhnen der Polizei zitiert. Das ist mir nicht ins Auge gestochen. Mir ist etwas anderes ins Auge gestochen. Auf der gleichen Seite ist in dieser Tabelle an letzter Stelle der Kellner mit 8 000 € Jahreslohn, Bruttoeinkommen angeführt. (Bundesrat Mag. Klug: Zahlt ihnen mehr!) Ich hoffe, dass Kollege Perhab das nicht deshalb übersehen hat, weil er geglaubt hat, dass das stimmt, weil er seinen Mitarbeitern nicht mehr bezahlt als 8 000 € Lohn im Jahr. Das glaube ich nicht, aber mir ist das wirklich aufgefallen. Der Mindestlohn beträgt 1 300 €, das wären ja nur sechs Monatslöhne im Jahr.

So sollte man in den Medien nicht umgehen. Das führt dazu, dass wir letztlich weniger Arbeitskräfte bei uns haben. Die Unterbringung und so weiter – alles wird in den Me-


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