Sprachräume vertreten dürfen, und das ist für mich, Herr Präsident Siso, eine sehr faszinierende Aufgabe: dass Nachbarn und Freunde Brücken bauen, die letztendlich europäische Dimensionen erreichen können.
Unser großes Ziel war es, eine Verkehrs-Bahn-Achse von Danzig bis Bologna durchzusetzen, und es ist uns schließlich gelungen, nach jahrelangen Verhandlungen zuerst mit den italienischen Nachbarn, dann mit Salzburg und der Steiermark und letztendlich mit über 15 Regionen, dieses Projekt im Rahmen der neuen TEN-T-Leitlinien durchzusetzen.
Das heißt, das kleine Bundesland Kärnten hat gemeinsam mit seinen Nachbarregionen eine Idee geboren, und es ist uns gelungen, mit einem EU-Projekt, das sich BATCo genannt hat, dafür Sorge zu tragen, dieses Projekt schließlich ans Ziel zu bringen. Wir verbinden damit über 16 Regionen Europas, von Danzig in Pommern bis zur Emilia-Romagna, sprich bis Bologna.
Was will ich damit sagen? – Dass letztendlich die kraftvolle Idee, Regionen zu verbinden, europäische Großdimensionen erreichen kann. Wir werden diese Umfahrung des Güterverkehrs um Europa abkürzen, um sechs bis sieben Tage pro Schiffsreise. Das heißt, wir werden natürlich den oberitalienischen, aber auch den slowenischen und den kroatischen Hafenwirtschaftsraum wesentlich aufwerten können. Wir werden auch den Standort Österreich, besonders Südösterreich, wesentlich aufwerten können, aber wenn wir gerade an Danzig, Solidarność und die Entwicklung Polens denken, dann ist das eine europäische Dimension, die letztendlich ohne kraftvolle Zusammenarbeit der Regionen nicht möglich gewesen wäre, Herr Präsident.
Ich bin politischer Praktiker und kein Zentralist, und deshalb freut es mich umso mehr, dass wir beweisbar herzeigen können, dass derartige Projekte, wenn wir sie gemeinsam tragen, erfolgreich durchgeführt werden können.
Wir haben aber in den letzten Jahren auch ein zweites Projekt entwickelt. Religion und Integration sind heute schon kurz Thema gewesen. In Kärnten leben zirka 11 000 Menschen aus Bosnien-Herzegowina, darunter viele Muslime. Wir haben eine Gemeinschaft gefunden, die sich äußerst positiv entwickelt hat. 4 000 dieser in der Krise, die es 1991 in Ex-Jugoslawien gegeben hat, nach Kärnten zugewanderten Menschen leben in Kärnten perfekt integriert, möchte ich einmal festhalten.
Deshalb ist es für mich auch faszinierend, ein Projekt der Regionen zwischen dem Kanton Sarajevo und dem Bundesland Kärnten entwickelt zu haben. Die Kärntner Landesregierung sowie die Kantonsregierung und der Landtag in Sarajevo haben beschlossen, dass wir auch in Zukunft ein Gemeinschaftsregionsprojekt, sozusagen außerhalb der EU, mit einer Region zustande bringen, das letztendlich auch zeigt, dass es möglich ist, zukünftige Brücken nach Europa zu bauen und zur Zusammenarbeit einzuladen, letztendlich aufbauend auf die Geschichte der Republik Österreich. – Das ist ja das, was so faszinierend daran ist.
Ganz kurz noch zum Thema Religionsfreiheit, weil wir darüber heute auch gesprochen haben. Es ist schon faszinierend, wenn du Samstag Abend in einer Moschee bist und der Iman dich zu einem Tee einlädt und du am nächsten Tag aus Kärnten nach Sarajevo ein E-Mail bekommst, in dem sich der Iman in Kärnten für diesen Besuch der Moschee bedankt. Es ist faszinierend, am Sonntag die katholische Messe zu besuchen. Es ist faszinierend, danach eine orthodoxe Messe zu besuchen und zum Abschluss ein jüdisches Museum.
Was will ich damit sagen? – Religionsfreiheit ist kein Anspruch, der einseitig gestellt werden kann, sondern das ist ein Anspruch auf Toleranz, die man gewähren muss. Ich würde einfach nur um dieses Verständnis bitten. Vielleicht kann man einmal eine Art religiöse Schulungsreise nach Sarajevo machen, denn dort hat es ja bis zu dem gro-
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