Die Befragung hat ja auch ergeben, dass die Grundwehrdiener sich nicht wünschen, dass sie den ganzen Tag nichts zu tun haben, sondern dass sie gefordert, gefördert und ausgebildet werden. Einer meiner Söhne rückt im Juni in die Kaserne in Aigen ein, leider als Systemerhalter, aber aus Termingründen ist es nicht anders gegangen. Ich habe mich schon an den Kommandanten gewendet und habe gesagt, ich würde mir als Vater sehr wünschen, nachdem ich langjähriger Milizoffizier war, dass er dort sinnvoll verwendet wird und nicht nach acht Stunden Dienst nach Hause kommt und sagt: Heute war wieder nichts los! Ich hoffe, dass dieser Bitte auch nachgegangen wird. Als Vater würde ich mir das zumindest sehr wünschen.
Ich möchte noch auf die sportliche Ertüchtigung hinweisen. Wir haben ja in den Stellungskommissionen Daten, die beweisen, dass die österreichischen 18-Jährigen eigentlich nicht in der körperlichen Grundverfassung sind, die wir uns wünschen. Es gibt hier Wertungsziffern und jeder ist nur nach dieser Wertungsziffer in bestimmten Funktionen einsetzbar. Daher fängt man im Basismodul 1 mit einer grundkörperlichen Ausbildung an, zum Beispiel 4 000 Meter gehen. Damit fangt man in der ersten Woche an. Viele lachen darüber, wenn man weiß, dass in anderen Bevölkerungsgruppen manche freiwillig Städtemarathons laufen, und wir beim Bundesheer beginnen mit 4000 Meter gehen in der ersten Woche. Das wird immer schneller, bis man dann 4 000 Meter in einer gewissen Zeit bewältigen kann. Ich denke daran, dass es die täglichen körperlichen Übungen gibt in dieser Phase, und die Möglichkeit besteht, hier auch noch zusätzlich selbst etwas zu tun. Es gibt viele Kasernen, wo viele Sporteinrichtungen bereit stehen, die aber in der Freizeit, nach dem Dienst nicht mehr benützt werden, weil die Freizeit einfach einen größeren Stellenwert hat.
Damit komme ich schon zu den Aufgaben unserer Streitkräfte, die ja auf dem Wehrgesetz basieren und inzwischen durch unsere Mitgliedschaft in der Europäischen Union und in der Partnerschaft für den Frieden erweitert wurden. Militärische Landesverteidigung, Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit im eigenen Land, Katastrophenhilfe und die Auslandsmissionen wurden schon erwähnt, wobei wir hier auch bedenken müssen, dass wir einen Großteil unserer Soldaten im Ausland sicher aus der Miliz rekrutieren. Hier bin ich bei einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Wir haben 21 000 Bundesheerbedienstete und 24 000 Angehörige der Miliz, also zusammen eine Mobilitätsstärke von 45 000. (Bundesrat Beer: 55 000!) Wenn man alles zusammenrechnet und noch das Verwaltungspersonal in den Kommanden einbezieht, dann kommt man vielleicht auf 50 000 bis 55 000, aber das wäre nur im Falle einer Mobilmachung überhaupt möglich. Daher: Die Miliz ist nach wie vor auch von der Rekrutierung her eine tragende Säule. Wir sollten meiner Meinung nach die Miliz in einer gewissen Stärke auch in Zukunft erhalten.
Damit bin ich schon bei der nächsten Frage, nämlich bei den Standorten. Die Steiermark hat zum Beispiel 15 Standorte militärischer Einrichtungen, davon sind sieben in Graz. Jetzt sage ich einmal, es gibt auch auf Landesebene einen Zentralismus. Ich denke, per se gehören Kasernen in den ländlichen Raum. Strategisch-taktisch, regionalpolitisch, wirtschaftlich und auch vom Übungsbetrieb her ist das ja leicht verständlich, dass man in einem urbanen Zentrum eine Kaserne nicht voll betreiben kann mit Übungen und so weiter. Daher gilt es darüber nachzudenken. Mein Herz spricht auch für meine Kaserne im Ennstal, die Hubschrauberkaserne in Aigen, die ja europaweit Anerkennung findet in der Ausbildung der Alpinpiloten. Leider ist unser Modell Alouette III in nächster Zeit, bis 2020 glaube ich, nicht mehr einsatzfähig, und wir werden überlegen müssen, ob es hier ein Nachfolgemodell beziehungsweise eine Standortsicherung geben kann. Eine sehr harte Entscheidung steht hier bevor.
Aber ich denke, es wird für das Heer nie mehr möglich sein, bei der heutigen Raumordnung in Österreich einen adäquaten Raum, also einen Platz mit Flugfeld und so weiter, mitten im Zentralraum zu finden. Es ist fast undenkbar, in Zukunft solche Standorte neu
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