BundesratStenographisches Protokoll819. Sitzung / Seite 122

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gesehen – erfreulicherweise gesagt, eine der großen, großen Aufgaben auch für die Kärntner Landesregierung ist die Bekämpfung der Abwanderung. Und wenn wir über die Abwanderung und über das Ausdünnen des ländlichen Raumes sprechen – und es gab ja auch schon eine Bundesratsenquete zu diesem Thema –, dann müssen wir na­türlich auch darüber sprechen, wie Arbeitsbedingungen im ländlichen Raum funktio­nieren und wie Menschen auch im globalen Netz irgendwo arbeiten können, auch wenn die Firmenzentrale woanders ist.

Das ist natürlich auch für Kommunen wie Wien wichtig, also für die großen Metropolen, denn die müssen ja erst einmal die Wohnungen bauen für all die Menschen, die zu­ziehen. Das ist eine Herausforderung für alle Bereiche, sowohl für die Bundesländer, die sozusagen ausgedünnt werden und Bevölkerung verlieren, als auch für die Metro­polen, in denen so ein starker Zuwachs an Menschen zu verzeichnen ist. Und die Breit­bandoffensive, sprich die Digitale Agenda, die ein Projekt für die Zeit bis 2020 sein soll, ist einer der ganz, ganz wesentlichen Beiträge zu diesem Thema. – Wieso sehe ich da jetzt nichts mehr? (Der Redner blickt auf den – nunmehr – schwarzen Bildschirm sei­nes Tablets und hält dieses in die Höhe.) – Ich sehe es fast nicht mehr. Schade, denn da ist meine Rede drauf. Blöde Sache! – Aber vieles weiß ich auswendig.

Es sollen ja bis 2020 alle Haushalte in Europa mit mindestens 30 Megabit pro Sekunde ausgestattet werden – vom Breitbandanschluss her – und die Hälfte davon sogar mit über 100. Das ist für den ländlichen Raum natürlich eine Riesenherausforderung, und wir haben das hier auch schon öfter gehört. Ich kann mich erinnern, als Landeshaupt­mann Platter aus Tirol hier war, hat er auch gesagt, wie wichtig auch für die Tiroler Tä­ler zum großen Teil diese Breitbandoffensive und die Digitale Agenda sind, damit Men­schen dort modern, im Anschluss an die Welt, arbeiten können.

Jetzt haben wir in diesem Bericht auch ambitioniert die Digitale Agenda drinnen. Aber jetzt kommt die schlechte Nachricht: Jeder hat wahrscheinlich die Budgetverhandlun­gen der Staats- und Regierungschefs Europas erlebt, und das waren kein Ruhmesblatt und keine Sternstunde europäischer Politik – vom Britenrabatt angefangen, aber auch von österreichischen Regierungsmitgliedern gab es keine besonders erfreulichen Wort­meldungen, mit Vetokeulen-Drohungen und dergleichen –, mit dem Effekt, dass das Budget in der Europäischen Union zurückgehen wird. Und dieser Bericht wurde davor geschrieben.

Das Budget für die Digitale Agenda wurde nämlich gekürzt, und zwar nicht nur ein biss­chen gekürzt, sondern es wurde um 90 Prozent gekürzt! In diesem Programm geht man bei der Digitalen Agenda noch immer davon aus, dass 9,2 Milliarden € zur Verfü­gung stehen werden. Die zuständige Kommissarin Neelie Kroes – ich bin wahrschein­lich der Einzige, der das richtig aussprechen kann (Staatssekretär Dr. Ostermayer: Falsch! Ich kann es auch!); ja, Sie natürlich; er (auf Präsident Mayer weisend) nicht – hat sich ja in ihrem Blog bitter beschwert über dieses Budgetdesaster, das da heraus­gekommen ist. Und ich meine, eine Kürzung von 90 Prozent, von 9,2 Milliarden € auf 1 Milliarde, das muss man ja auch erst einmal verkraften. Und ob die Digitale Agenda bis 2020 jetzt überhaupt noch in dieser Form umsetzbar sein wird, das schaue ich mir natürlich gerne an.

Es war immer klar, dass natürlich nicht nur die europäischen Gelder dafür zur Verfü­gung stehen. Es war immer eine Zusammenarbeit (Staatssekretär Dr. Ostermayer: Genau!) von Public-private-Partnership – das sind die Firmen, die wollen natürlich auch ausbauen, sie verdienen ja auch Geld damit (Staatssekretär Dr. Ostermayer: Natio-
nal, !)
 –, national, regional und so weiter, keine Frage. Aber nichtsdestotrotz, eine Kürzung um 90 Prozent – ich schaue mir das jetzt an, wie das weitergeht. Ich habe da meine Befürchtungen, so wie Neelie Kroes. Ich finde, ihre Besorgnis ist berechtigt. Ich kann nur hoffen, dass sich dann trotzdem etwas tut, weil es gerade für Österreich, aber


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