Die konkrete Themenauswahl erfolgt –
auch das ist wichtig – in Abstimmung zwischen den Bundesministerien
und einer wissenschaftlichen Planungsgruppe. Auch wurden
in der Konzeption die entsprechenden Themenbereiche dieses Berichts bereits im
Jahre 2010/2011 mit den Bildungssprechern und Bildungssprecherinnen
des Parlaments besprochen.
Der Band 1 – und auf den möchte ich kurz näher eingehen – ist in sechs Abschnitte gegliedert. Gestatten Sie mir einige Stichworte dazu, weil sie doch interessant sind und die Entwicklung oder die Veränderung im österreichischen Schulwesen widerspiegeln.
Im Punkt A1 geht es um die demographische Entwicklung.
In Österreich wird die demographische Entwicklung wesentlich durch den Geburtenrückgang und die Zuwanderung bestimmt. Waren es im Jahr 1970 noch 513 000 Kinder im regulären Volksschulalter, so waren es 2010 nur mehr 325 000. Das entspricht einem Rückgang von 37 Prozent. Die Vorausschau bis 2030 besagt eine leichte Erholung dieser Altersgruppe auf einem relativ stabilen Niveau.
Im Sekundarbereich ist bundesweit bis 2020 mit einem deutlichen Rückgang der Schülerzahlen zu rechnen. Die Bevölkerungsentwicklung in den Bundesländern ist dabei sehr unterschiedlich, wobei in Wien entgegen dem Bundestrend die Anzahl der Kinder im Volksschulalter deutlich steigt.
Rund ein Fünftel – das sind 20 Prozent der Bevölkerung – hat Migrationshintergrund, wobei die Spanne von 38 Prozent in Wien bis zu 9 Prozent im Burgenland reicht.
Wenn man ein bisschen den sozioökonomischen
Hintergrund der österreichischen Schülerinnen und Schüler
beleuchtet, dann weiß man – und das ist doch auch ernst zu
nehmen –, dass drei Gruppen ein erhöhtes Bildungsrisiko
darstellen: Das sind die Kinder mit nicht-deutscher Alltagssprache, jene
aus einem bildungsfernen Haushalt und/
oder jene mit Eltern mit einem niedrigen Berufsstatus. Im städtischen
Bereich ist dies bereits knapp die Hälfte, auf dem Land lediglich ein
Fünftel.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Bildungsausgaben sind auch erwähnenswert, weil ich glaube, dass wir da sehr gut liegen. Trotz der Folgen der Wirtschaftskrise aus dem Jahr 2008 stiegen die staatlichen Ausgaben für Bildung. Sie machen etwa 5,7 Prozent des BIP aus. Im Vergleich mit anderen EU-Ländern liegt Österreich in diesem Bereich weit über dem Durchschnitt.
Zum Thema Inputs, das heißt personelle und finanzielle Ressourcen: Die Bildungsausgaben betragen – umgelegt auf Schulkinder, eine interessante Betrachtungsweise – für ein Volksschulkind etwa 6 000 € pro Jahr, für ein Kind in einer polytechnischen Schule oder AHS-Unterstufe 7 300 € pro Jahr und für ein Kind in einer Hauptschule oder Neuen Mittelschule 9 150 € pro Jahr. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern gehört Österreich mit diesen Mitteln pro Kopf zu den Ländern mit den höchsten Ausgaben überhaupt.
Interessant ist auch die Entwicklung bei den Lehrerinnen und Lehrern. Die Altersstruktur des Lehrpersonals wird sicherlich aufgrund der prognostizierten Pensionswellen in den kommenden Jahren eine große Herausforderung für das Bildungssystem und die Lehrerausbildung werden. Im Jahr 2010/2011 waren bereits 43 Prozent des aktiven Lehrpersonals älter als 50 Jahre. Bis zum Jahr 2020 werden es zirka 36 000 Lehrerinnen und Lehrer sein, die in den Ruhestand gehen. Im allgemeinbildenden Schulwesen kommen auf einen Lehrer drei Lehrerinnen. Am auffälligsten ist das Verhältnis in den Volksschulen, wo über 90 Prozent des Lehrpersonals Frauen sind. Auch diese Entwicklung ist sicherlich nicht positiv, weil es dadurch oft zu Problemsituationen kommt.
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