BundesratStenographisches Protokoll821. Sitzung / Seite 152

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Zur Klassengröße und den Betreuungsrelationen: Wir wissen, dass die durchschnittli­che Klassenschülerzahl bei etwa 20 liegt; das Verhältnis der Anzahl Lehrkräfte zu Schülern liegt bei 1 : 10. In der AHS-Unterstufe ist dieser Wert etwas höher, er liegt
bei 25. Österreichweit sind mehr als 40 Prozent der Hauptschulklassen kleiner als 20 Schüler, jedoch nur 2 Prozent der Klassen der AHS-Unterstufe.

Zu Bildungsströmen und Schulwegentscheidungen – auch das ist wesentlich bei einer Bildungsdiskussion –: Nahezu alle Kinder in Österreich besuchen schon vor der Volks­schule eine Betreuungseinrichtung. Von den Volksschülerinnen und Volksschülern, die 2010 die Volksschule verließen, wechselten 34 Prozent nach der 4. Schulstufe an die AHS-Unterstufe, 44 Prozent in eine Hauptschule und 21 Prozent in eine Neue Mittel­schule.

Beim Übertritt in die Sekundarstufe unterscheiden sich die Schülerinnen und Schüler aus der AHS-Unterstufe deutlich von jenen aus der Hauptschule. Von den AHS-Schü­lerinnen und -Schülern wählen 95 Prozent eine maturaführende Schule. 63 Prozent verbleiben in der AHS und 32 Prozent entscheiden sich für eine berufsbildende höhere Schule. Im Hauptschulbereich wechseln nur 37 Prozent in eine maturaführende Schu­le. Auch das ist interessant.

Je größer der Wohnort, desto höher die Wahrscheinlichkeit, nach der Volksschule eine Unterstufe der AHS zu besuchen.

Kurz noch zum Output, also zu den Ergebnissen des Schulsystems. Abschlüsse im Sekundarbereich II: Im Jahre 2010 konnte Österreich die von der Lissabon-Strategie geforderte 85-Prozent-Quote für Abschlüsse im Sekundarbereich II erreichen, jedoch stellt dies keine Verbesserung gegenüber dem Jahr 2000 dar. Im europäischen Be­reich liegen diese Werte auf hohem Niveau und über dem europäischen Durchschnitt.

Die Kompetenz am Ende der Volksschulen ist ein negatives Kapitel: Von den 29 EU/
OECD-Teilnehmerländern schneiden gemäß der Volksschulstudie PIRLS 15 Länder im Lesen signifikant besser ab als Österreich, nur sechs Länder zeigen signifikant schlech­tere Leistungen.

Die Kompetenzen der 15- bis 16-jährigen Schüler und Schülerinnen, die in der soge­nannten PISA-Studie getestet wurden, sind um 22 Prozent gesunken, vor allem bei den Leseleistungen und bei den Leistungen in Mathematik und den Naturwissenschaf­ten.

Zum Übergang aus dem Schulsystem in die Arbeitswelt heißt es im Bericht: „Der Über­gang von der Schule in die Beschäftigung verläuft für die Mehrheit der Berufseinstei­ger/innen relativ gut. Insgesamt geben 87 Prozent der Befragten an, dass die erste Tä­tigkeit nach dem (vorläufigen) Ende ihres formalen Bildungswegs ihrer Qualifikation entsprochen hat.“

Die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem Schulsystem wird auch angesprochen. Da hat es einen Abwärtstrend gegeben, sicherlich auch aufgrund der medialen Berichter­stattung rund um das Thema Schulen.

Es wäre ein abendfüllendes Thema, diesen Bericht näher zu erläutern. Lassen Sie mich zu meinen persönlichen Schlussbemerkungen kommen:

Wer sich mit dem österreichischen Bildungsbericht 2012 beschäftigt, wird unabhängig von seiner politischen Überzeugung Zahlen und Fakten finden, die seine persönliche Sicht der Dinge bestätigen oder diese klar widerlegen. Der Bereich Bildung ist sehr komplex und im Detail nur schwer messbar, so unterschiedlich sind die Fähigkeiten, Neigungen, Interessen, Talente und Begabungen der Kinder und Jugendlichen im Ein­zelnen. Es gibt in der Praxis kein taugliches Allheilmittel und daher auch keine einma­lige Patentlösung in der Bildungspolitik. Erfolgreich sind in der Unterrichtspraxis nur ei-


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