ragende Arbeit Ihre Mitarbeiter geleistet haben, denn der Bericht ist wirklich sehr detailliert, ausführlich, auch kritisch – wie die Kollegin Mühlwerth schon angemerkt hat –, und gibt auch Lösungsempfehlungen. Vieles wurde schon von meinen Vorrednerinnen und Vorrednern gesagt, ich möchte aber einige Punkte, die von den Vorrednern und Vorrednerinnen, insbesondere von der Vorrednerin, aufgegriffen worden sind, noch einmal zur Sprache bringen.
Ich glaube, in einem Punkt sind wir uns alle einig – trotz der ideologischen Zugänge und obwohl jeder es so auslegt, wie er es eben sieht, so nach dem Motto, wie du es auch gesagt hast –: Faktum ist, dass es durch die frühe Differenzierung, die wir in unserem Schulwesen haben, auch zu großen Leistungsunterschieden im Bildungssystem kommt und dass sich die sozialökonomische Konstellation – sei es der Bildungsstand der Eltern, das Einkommen, aber auch die Herkunft, der Umstand, ob man die Muttersprache gut kann oder nicht – auf das Leistungsniveau auswirkt.
In Österreich besteht ein systematischer Zusammenhang zwischen Schulwegsentscheidungen und dem sozialen Hintergrund der Kinder; das wird auch in dem Bericht festgehalten.
Und das, was die Kollegin Mühlwerth gesagt hat, kann ich zum Teil nur unterstreichen: Wenn jemand die eigene Muttersprache nicht ordentlich kann, dann wird es ihm schwerfallen, noch eine zweite oder dritte Sprache dazuzulernen.
Aber bitte, was kann uns Besseres passieren, als Kinder zu haben, die mehrere Sprachen sprechen? Es ist heutzutage schon absolute Normalität und Realität, dass Kinder mindestens zwei- bis dreisprachig aufwachsen. Und wir brauchen Pädagogen und Pädagoginnen, die den Kindern auch ihre eigene Muttersprache beibringen. Nur, wenn ich mir dann anschaue, wie viel Personal an den Schulen beschäftigt ist, das dieses Qualifikationserfordernis erfüllt, dann schaut es schlecht aus. Und bei jenen, die es erfüllen, muss man dann noch einmal genauer hinschauen, denn die sind meistens Religionslehrer, die dann zusätzlich vielleicht noch Türkisch unterrichten oder auch Kurdisch.
Von Kurdisch brauche ich da noch gar nicht zu reden, aber auch darüber müssen wir sprechen: In der Türkei ist mittlerweile Kurdisch auch eine anerkannte Sprache, und das müsste sich und sollte sich auch bei uns im Bildungswesen niederschlagen. Wir brauchen auch viel mehr kurdischsprachige Lehrer, weil wir nicht wenige kurdischstämmige Menschen in Österreich haben, die zwar unter der Nationalität Türkei geführt werden, aber auch diese Sprache ist eine wertvolle Sprache. Wir wissen ja, dass genau österreichische Firmen in kurdischsprachigen Gebieten investieren; dort sind sehr viele Erdöl- und Erdgasvorkommen. Es kann uns daher nichts Besseres passieren, als junge Menschen zu haben, die hier die Brücke schlagen können zwischen den Ländern, zwischen den Kulturen, zwischen den Religionen. Aber wir müssen hier bei der Bildung anfangen.
Aber gegenwärtig kommt es mir so vor – und ich bin wirklich an sehr vielen Schulen unterwegs, als Integrationsbotschafter, aber auch als Sozialarbeiter und als Mediator –, dass die Herkunft, wenn man einen Migrationshintergrund hat, eher als Makel betrachtet wird und nicht als Bereicherung. Und da ist es auch unsere Aufgabe als Politiker, dem Ganzen einen anderen Drall zu geben, eine positive Besetzung zu geben. Gegenwärtig ist es so, dass wir leider Gottes nicht wenige Schulen haben, sehr geehrte Frau Ministerin, wo der MigrantInnenanteil relativ hoch ist, und in diesen Schulen dann noch einmal Extraklassen haben, wo der MigrantInnenanteil fast 100 Prozent beträgt. Und wenn man noch einmal genau hinschaut, erkennt man, dass von diesen 25 SchülerInnen 24 muslimischen Glaubens sind. Diese Kinder fühlen sich ausgegrenzt. Ich rede mit denen tagtäglich.
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