BundesratStenographisches Protokoll823. Sitzung / Seite 132

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noch ungleich schwieriger, jemanden zu pflegen und zu betreuen, der einem auch emotional sehr nahe steht.

Es gibt Gott sei Dank sehr viele Angehörige, die pflegen – das sind Zahlen, die mich selber auch immer wieder beeindrucken, gerade auch, wenn ich die Zahlen von Tirol hernehme: Über 50 Prozent der zu Pflegenden werden ausschließlich von ihren Fami­lien, von ihren Angehörigen ohne Unterstützung von außen betreut und gepflegt. Das ist, wie ich finde, eigentlich eine unglaubliche Arbeit, die da geleistet wird.

Deswegen ist es gerade mir ein Anliegen, heute hier im Bundesrat all jenen, die die Pflege auch zu ihrem Beruf gewählt haben, die das sicher auch mit sehr viel Herz und Engagement machen und jeden Tag ihr Bestmögliches geben, aber vor allem auch al­len Angehörigen, die für ihre zu betreuenden Familienmitglieder das ganze Jahr hin­durch so besondere Arbeit leisten, wirklich auch einmal von ganzem Herzen meinen Dank und meine Wertschätzung dafür auszusprechen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Als Heimleiterin eines Wohn- und Pflegeheimes habe ich auch die budgetäre Seite der Pflege erlebt. Ich habe selbst erlebt, was es heißt, ein neues Heim zu errichten, es mit Leben zu erfüllen, jährlich ein Budget zu legen, habe aber auch miterlebt, was das für die Träger – für die Gemeinden, aber auch für das Land – bedeutet. Das sind budgetä­re Herausforderungen – Herausforderungen in der Pflege insgesamt, von denen wir si­cher sehr viele in der Vergangenheit gemeistert haben, die aber natürlich in Zukunft noch mehr werden.

Die demographische Entwicklung wurde ja heute schon angesprochen und ist, glaube ich, uns allen hinlänglich bekannt. Die Menschen in Österreich werden Gott sei Dank immer älter, aber das bringt natürlich auch Themen mit sich, wie dass die Zahl der chronisch Kranken zunimmt, die Zahl der Menschen, die medizinisch schwere Pflege brauchen, zunimmt, und Bereiche wie eben Hospiz- und Palliativversorgung einen im­mer größeren Stellenwert einnehmen.

Genau darauf müssen wir in Zukunft reagieren, wir müssen aber vor allem auch be­darfsgerecht darauf reagieren. Ich bin sehr dankbar dafür, dass dieses Pflegefondsge­setz fortgeschrieben wird – und nicht nur fortgeschrieben wird, sondern dass darin auch neue Schwerpunkte und Themenbereiche Platz finden.

Auch wenn oft ein gewisser Schlüssel zwischen stationär und mobil gefordert wird, bin ich nicht dafür, dass dieser über ein ganzes Land drübergestülpt wird, denn ich bin der Überzeugung – und so habe ich das auch erlebt –, dass man wirklich auch regional reagieren muss. Man muss Doppelgleisigkeiten vermeiden, aber natürlich alles dafür tun, um Lücken zu schließen.

Jetzt gibt es in den Regionen aber auch unterschiedliche Herausforderungen: Im urba­nen Bereich ist sicher oft einmal der Ausbau von etwas anderem ausschlaggebend als zum Beispiel in ländlichen Regionen. Deswegen stehe ich auch ganz klar dafür, dass dies regional bedingt gemacht wird, dass geschaut wird, was schon gut läuft, wo die Menschen gut versorgt werden und welche Lücken noch zu schließen sind. Das ist ein Weg, den wir in Tirol Gott sei Dank schon lange eingeschlagen haben.

Ich bin auch sehr stolz darauf, dass bei uns schon seit geraumer Zeit zwei Bezirke, nämlich Osttirol und Reutte, Modellregionen geworden sind zum Thema ambulante Palliativ- und Hospizbetreuung – ein Teil, der immer wichtiger wird, um Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu Hause wirklich qualitätsvoll und gut betreuen zu können. Deswegen freut es mich auch sehr, dass genau dieser Themenbereich jetzt im Pfle­gefondsgesetz festgehalten ist, genau wie das heute schon angesprochene Case- und Care-Management. Ich denke, für alle Betroffenen und Angehörigen ist das eine ganz große Unterstützung in der Information, Begleitung und Betreuung.

 


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