Zusätzlich wird die Kaufkraft unserer Familien durch negative Realrenditen auf den Sparbüchern laufend weniger. Die ständige Inflation verteuert unsere Lebensmittel, unsere Mieten und Lebenshaltungskosten – plus acht Prozent Steigerung bei den Lebensmitteln im letzten Jahr laut letztem Arbeiterkammerbericht. Die Schuldenkrise des Staates ist längst spürbar im Familienbudget angekommen.
Immer weniger Vätern gelingt es, mit Vollzeitarbeit ein existenzielles Einkommen für die Familie zu schaffen. Und viele Mütter sind gezwungen, parallel zur Kindererziehung arbeiten zu gehen, um ökonomisch über die Runden zu kommen, und daher sind sie auf Nachmittagskinderbetreuungsangebote angewiesen. Am ärmsten dran sind die alleinerziehenden Mütter, 30 Prozent der alleinerziehenden Mütter sind von Armut bedroht. Das sind wesentliche Ursachen, warum der Bedarf an Nachmittagsbetreuung in den Schulen steigt, und dieser Ursachen sollte man sich bewusst sein, wenn man eine Debatte über Ganztagsschulen führt.
Die Ganztagsschule darf keine Zwangstagsschule werden. Die Wahlfreiheit der Eltern, ob ihre Kinder in einer Ganztagsform unterrichtet werden oder nicht, muss erhalten bleiben. Unter diesen Voraussetzungen unterstützen wir gerne den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen inklusive guter schulischer Nachmittagsbetreuung. Wir sollten mit der Nachmittagsschule allerdings keine Generation von Hortkindern heranziehen, sondern damit eine wirklich nachhaltige Bildungsinvestition tätigen.
Die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in der schulischen Ganztagsbetreuung mit Freizeitpädagogen ist dann eine gute Zukunftsinvestition, wenn die Nachmittagslehrinhalte Qualität besitzen. Sinnvolle Nachmittagslehrinhalte wären zum Beispiel die Begabungsförderung – also weitere Investition in die Stärken der Schüler –, soziales Lernen – da könnten Schulpsychologen die Lehrer in Sachen Erziehung unterstützen –, Sprachförderung – Englisch, Deutsch – und, ganz wichtig, Bewegung, Sport und Gesundheitserziehung, also die tägliche Sportstunde in Schulen, tägliche Bewegung am Nachmittag.
Ganz wesentlich ist auch die verstärkte Kooperation mit Sportvereinen. Wir sollten uns bewusst sein, dass die Ganztagsschule, wenn man sie wirklich flächendeckend ausbaut, der Untergang der Sportvereine wäre, und deswegen ist diese Zusammenarbeit ganz wesentlich. Auch könnte man überlegen, ob Sportlehrwarte und Übungsleiter am Nachmittag auch in den Schulen Kinder betreuen dürfen. Sie könnten das Ganztagsschulangebot in der Gesundheits- und Bewegungserziehung sinnvoll erweitern. Auch bei der Errichtung neuer Schulsportinfrastruktur ist eine gemeinsame Nutzung von Schul- und Vereinssportstätten anzudenken. Und die Errichtung und Adaptierung von schulischen Speisesälen und auch der Küchen ist sicher notwendig. Damit könnte man gesunde Ernährung als Lehrinhalt kombinieren. Da sollte man weniger Konsum von Wurstsemmeln und Leberkässemmeln während der Mittagszeit und statt dessen wirklich gesunde Ernährung ins Auge fassen.
Die Ganztagsschule erfordert unseres Erachtens auch die Umstellung des Lehrplanes. Ein Vorschlag, den wir gerne diskutieren würden, wäre, dass die Lehreinheit eines Faches immer zwei Stunden dauert. Das heißt, eine Stunde Lehrunterricht, 40 Minuten Übungen mit demselben Lehrer und der Rest Pause, also zwei Fachblöcke zu je zwei Stunden am Vormittag von 8 bis 12 Uhr und zwei Fachblöcke zu je zwei Stunden am Nachmittag von 13 bis 17 Uhr und eine Stunde Mittagspause dazwischen.
Dieses System würde bewerkstelligen, dass die Schüler zu Hause keine Hausaufgaben mehr machen müssen und den Lehrstoff trotzdem kontrolliert lernen. Lehrer und Schüler hätten einen Achtstundentag und eine Vierzigstundenwoche.
Zusammenfassend: Wir begrüßen den weiteren Ausbau von ganztägigen Schulformen, solange dies auf freiwilliger Basis beruht. Wir wollen keine Gesellschaft, wo Mütter aus
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