BundesratStenographisches Protokoll823. Sitzung / Seite 241

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setz hier, zu dem aber gestern im Ausschuss von den Beamten erklärt wurde, das sei ja nur ein Gesetz, das erlaube die Vereinigung von Universitäten, das entspräche ja dem internationalen Trend, um sozusagen Universitäten in entsprechender Größenord­nung zu ermöglichen, und es ermögliche einer Universität, eine Fakultät zu schaffen.

Eigentlich, habe ich mir gedacht, muss man nach Salzburg fahren und sofort dort die Salzburger Universität veranlassen, eine medizinische Fakultät zu gründen oder sich darum zu bemühen, um sozusagen die PMU, die private Institution in eine öffentliche überzuführen.

Das kommt mir so vor, als ob da wieder vor einer Wahl ein Koralmtunnel gebaut wird, mit hohem finanziellem Aufwand, nur dass zusätzlich noch, denke ich, mit der Zukunft von jungen Menschen, die Medizin studieren wollen, die eine medizinische Karriere vor sich haben, gespielt wird. Das kommt noch zusätzlich zu der Tatsache vom finanziellen Aufwand.

Ich habe mir die Begutachtungsunterlagen und die Stellungnahmen, die da waren, sehr genau durchgelesen, und ich muss sagen: Es ist mir nicht eine einzige positive unter­gekommen, sondern überall sind mir nur eine Vielzahl von Problemen und Schwierig­keiten begegnet.

Es gibt eine große Anzahl von Baustellen in diesem Bereich, und es stimmt, dass wir ein Problem mit dem Ärztemangel haben, der aber durch die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsstellen sicherlich nicht in dieser Form behoben werden kann, denn die Pro­bleme liegen woanders, die liegen in der weiteren Ausbildung der Mediziner. Wir verlie­ren ja nicht nur die deutschen Studenten, die bei uns als Numerus Clausus-Flüchtlinge studieren, wieder an ihr Heimatland, wir verlieren auch, und zwar nicht wenige, Öster­reicher nach Deutschland, die dort zur weiteren Ausbildung hingehen, weil sie in Deutsch­land wesentlich besser ist.

Das ist eine Baustelle, die, denke ich, viel Geld und auch Einsatz erfordern würde, um das zu verbessern. Wir brauchen andere Strukturen im Bereich der Hausärzte, um die­sen Beruf attraktiver und lebbarer zu machen – auch etwas, was Geld und Einsatz be­trifft. Und wir brauchen eine Lösung der Quote. Auch das ist nach wie vor nicht gelöst und wird auch nicht angegangen. Auch da harren wir einer Lösung.

All diese Baustellen werden in dieser Form nicht bearbeitet, sondern jetzt soll in Linz eine neue medizinische Fakultät gegründet werden – in Linz, wo es im vorklinischen Bereich schlicht und einfach nichts gibt. Da fängt man jetzt bei null an. Was soll dann passieren? – Diese Studenten werden in Graz ihr Vorklinikum machen. Ich frage mich: Wie presst man sozusagen zu den dort bestehenden 360 Studienplätzen, für die sich beim letzten Mal, glaube ich, 1 760 Personen beworben haben, jetzt 56 oder 53 Ober­österreicher hinein? Soll man jetzt interessierten jungen Menschen raten, sich einen oberösterreichischen Meldeschein zu beschaffen, um damit einen Freiplatz in Graz zu bekommen? Auf wessen Kosten oder unter welchen Bedingungen?

Also: abenteuerlich! Das sind Fragen, die völlig offengeblieben sind. Man geht diesen Weg weiter, und ein Gremium schiebt diese heiße Kartoffel dem nächsten Gremium zu. Der Nationalrat hat gesagt, jetzt schafft er halt einmal die Möglichkeit, und die Uni­versitäten sollen schauen, wie sie damit fertig werden. Die Universitäten haben gesagt: Na ja, wenn wir unter diesen Bedingungen viel Geld kriegen, dann tun wir es! Und der Bundesrat sagt: Wir beschließen ja nur, dass es grundsätzlich diese Möglichkeit geben soll, und sonst geht uns das Ganze eigentlich gar nichts an!

Ich denke, das ist kein adäquater Umgang mit dieser Frage, wo es, wie gesagt, für viele Menschen um eine Zukunftsvision und eine Zukunftsvorstellung geht. Und das Geld und der Einsatz, der dann in diesen Versuch, dort eine medizinische Fakultät zu gründen, hineinfließen, gehen ja woanders ab. Es ist ja nicht so, dass man das in un­begrenzter Menge zur Verfügung hat. Das geht woanders ab, um die anderen Proble-


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