BundesratStenographisches Protokoll825. Sitzung / Seite 71

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Es stimmt auch nicht!) Es stimmt aber: Dieses Lehrerdienstrechtspaket ist ein Sparpa­ket! Und man soll es auch so nennen, man soll sagen, wie es ist, und es nicht ver­stecken.

Das hat übrigens die Ministerin Gehrer auch einmal gemacht. Auch sie hat gekürzt (Bundesrätin Mag. Kurz: Wo wird denn gekürzt?) und hat dann so getan, als ob das al­les notwendige Dinge wären. In Wirklichkeit war es sehr wohl auch ein Sparpaket, was wir ja durchaus auch damals schon erkannt haben.

Wir haben 1 700 – nicht ausschließlich, aber fast durchwegs – negative Stellungnah­men, die wenig Widerhall in diesem Dienstrechtspaket gefunden haben. Und ich frage mich schon – seit mindestens fünf Jahren wird darüber gesprochen (Bundesrätin Mag. Kurz: Seit zehn!), wird darüber auch immer wieder verhandelt –, warum man jetzt nicht noch ein bisschen mehr Zeit gehabt hat, all die Bedenken zu berücksichtigen, die auch per E-Mail zum Ausdruck gebracht wurden. Wobei ich schon anmerken möchte, es waren zum Teil wirklich sehr interessante, auch sehr qualitätsvolle E-Mails – ich ha­be mir nämlich wirklich fast alle angeschaut –, es war aber auch so eine akkordierte Aktion von Dienststellenausschüssen (Bundesrätin Mag. Kurz: So ist es!) oder was weiß ich, wo ich wirklich sagen muss: Liebe Damen und Herren von der Gewerkschaft, von welcher Seite auch immer, das war kontraproduktiv! (Beifall bei der FPÖ. – Bun­desrätin Mag. Kurz: Genau! Das stimmt wirklich!)

Ich bin wirklich gegen dieses Lehrer-Bashing, wie es auch stattgefunden hat, aber das ist wirklich in einer Art und Weise passiert – es war immer das gleiche Mail, immer der­selbe Text –, wo ich sage, da wende ich mich ab und da ist mir das Anliegen gar nicht mehr so ein Anliegen. Das heißt, weniger ist mehr, und es bringt gar nichts, Tausende Mails mit demselben Wortlaut zu verschicken. Ganz sicherlich bringt man die Leute damit nicht dazu, die Dinge dann etwas anders zu sehen oder darüber nachzudenken, ob man sie anders sehen sollte.

Aber, wie gesagt, es waren auch sehr viele gute E-Mails dabei. Und es waren ja nicht nur Lehrer, die uns welche geschickt haben, es waren auch Eltern und Schüler, was zeigt, wie groß die Besorgnis ist, dass hier ein Qualitätsverlust im Bildungswesen statt­findet. Und nach meinem Dafürhalten und nach dem Dafürhalten der Freiheitlichen ist es ein Qualitätsverlust im Bildungswesen, wenn es so beschlossen werden soll, wie man es heute vorhat.

Was sind die Kritikpunkte im Konkreten? – Es beginnt schon einmal damit, dass eine volle Unterrichtsverpflichtung im eigentlichen Praktikumsjahr stattfinden soll. Das ist für einen Junglehrer – und gerade Sie, Frau Ministerin, müssten ja am meisten Verständ­nis dafür haben, Sie haben ja selber einmal unterrichtet, das heißt, Sie wissen ja, von welchen Situationen wir hier sprechen – wirklich eine ordentliche Herausforderung. Dies ist eine Zeit, wo der Junglehrer sich eigentlich noch orientieren muss – er hat zwar theoretisch alles gelernt, aber jetzt muss er es einmal praktisch umsetzen. (Bun­desministerin Heinisch-Hosek: Und hat einen Mentor an seiner Seite, oder eine Men­torin!) Wir wissen auch, dass zwischen Theorie und Praxis eben ein bisschen ein Un­terschied ist.

Jetzt gibt es natürlich Mentoren, die diese Junglehrer begleiten (Bundesrätin Mag. Kurz: Genau!), leider sind es aber drei Lehrer auf einen Mentor. Viel vernünftiger wäre es, je­der hat einen (Bundesrätin Mag. Kurz: Mehr ist immer besser!), der ihn quasi – im übertragenen Sinn – an der Hand nimmt und in die neue Berufswelt einführt.

Daneben verlangt man aber auch noch, dass der Junglehrer das Masterstudium absol­viert, weil wir jetzt alles auf „Master“ machen müssen. Wir müssen ja alles akademi­sieren, wobei ich zugebe, dass wir bei der Pädagogenausbildung Neu schon daran ge­zweifelt haben, dass der künftige Volksschullehrer der bessere Volksschullehrer sein


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