BundesratStenographisches Protokoll825. Sitzung / Seite 77

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Ja, das ist manchmal ganz schön mühsam, aber glaubt mir, als VolksschullehrerIn 25 SchülerInnen – die Hälfte kann noch nicht einmal Schuhbänder binden –, sozusa­gen einen Sack voll Flöhe zu hüten, ist nicht weniger anstrengend. Nein, KollegInnen, das ist nicht weniger anstrengend. (Beifall bei der SPÖ.)

Die Lehrer bekommen also in Zukunft das gleiche Gehalt. Irgendjemand behauptet im­mer, das ist weniger. Ich weiß nicht, wieso das weniger sein soll. Das ist wirklich grund­legendes Rechnen, da sage ich jetzt schon gar nicht mehr Mathematik dazu, denn das ist Grundlagenrechnen. Das lernt man vielleicht nicht unbedingt in der Volksschule, aber in der Hauptschule auf jeden Fall. Auf jeden Fall haben wir dort gelernt, dass mehr Geld mehr Geld ist. Niemand kann das als weniger bezeichnen.

Ich bringe Ihnen jetzt ein Beispiel: Eine Lehrerin, so wie ich (Zwischenruf der Bundes­rätin Mühlwerth), Kollegin, eine junge Lehrerin – sagen wir einmal, sie ist jung und fängt jetzt an –, unterrichtet Deutsch und Englisch und ist noch keine Klassenvorstän­din, weil sie für die Klassenvorstandstätigkeit noch zu jung ist. Sie unterrichtet jetzt dann 22 Wochenstunden, weil sie diese Zulagen ja nur begrenzt bekommt. Sie muss alle Stunden unterrichten, hat sonst keine Tätigkeiten – 22 Wochenstunden –, dafür bekommt sie 2 400 € Grundgehalt und 660 € Zulagen für ihre Fächer Deutsch und Englisch. Sie verdient 3 060 € im dritten Dienstjahr. – Das verdiene ich in meinem 20. Dienstjahr! Ja, das ist so, und Sie glauben, dieser Beruf ist unattraktiv für junge Menschen? – Ich glaube das nicht.

Wir hier herinnen beschweren uns immer und immer wieder. „Generation Praktika“ sa­gen wir zu den Absolventinnen und Absolventen der Hochschulen. Wir schaffen end­lich ein System, damit Leute, die von einer Universität kommen, gleich eine Anstellung bekommen, volles Gehalt bekommen und den Beruf, für den sie ausgebildet worden sind, auch ausüben – und das passt wieder nicht? Also was, bitte, passt dann eigent­lich? – Das zu diesem Thema.

Zum Thema Arbeitszeit, ein bisschen vertiefend: Im Laufe eines Schuljahres werden 2,75 Millionen Überstunden geleistet, alleine von den 42 000 AHS- und BHS-Lehrerin­nen und -Lehrern, die schließlich auch nicht zusammenbrechen unter der Last ihrer Stunden. Bei mir würde das zum Beispiel bedeuten, bei einer vollen Lehrverpflich­tung – wenn man wirklich alle diese Stunden auf alle Lehrer ganz gleich aufteilt –, ich müsste 1,6 Stunden mehr unterrichten pro Woche. – Ja, fällt das überhaupt auf? Fällt das ins Gewicht? Hunderte SchülerInnen muss ich da mehr unterrichten? Ich weiß nicht, wo da die Rechenkünstler in diesem Hause sind, vor allem in der Opposition.

Eines möchte ich auch klar und deutlich sagen: Selbst wenn ich eine Klasse mehr un­terrichte, oder auch zwei, und 30 oder 40 SchülerInnen mehr habe, bedeutet das nicht, dass ich für den einzelnen Schüler weniger Zeit habe, weil ich ja in dieser Zeit in der Klasse stehe. Das persönliche Gespräch mit dem Schüler – Individualisierung – führe ich während meiner Unterrichtsstunde und nicht zu einer anderen Zeit – außer Dinge, die man sowieso macht, weil man viele Sachen außerhalb des Unterrichts macht. (Zwi­schenruf der Bundesrätin Mühlwerth.) Da hat man deshalb nicht weniger Zeit für den Einzelnen, weil er ja in der Klasse sitzt und ich vor ihm stehe oder neben ihm sitze oder was auch immer. Also alle diese Behauptungen stimmen schlichtweg einfach gar nicht.

Ich kann kein Masterstudium machen, weil ich so viel arbeiten muss. – Hmm! Also ich habe eine Mail gekriegt, die ich wirklich beantwortet habe. Da hat mir eine Lehrerin ge­schrieben, eine AHS-Lehrerin – „Professorin“ muss ich sagen –, sie hat eine volle Lehr­verpflichtung, auch Deutsch und Englisch, das sind 17 Stunden, sie arbeitet 80 Wo­chenstunden. – Ich habe ihr geschrieben, sie soll sich überlegen, ob sie den falschen Beruf gewählt hat, ganz ehrlich, denn wer für 17 Unterrichtsstunden 80 Wochenstun­den arbeitet, der hat irgendwie gar nicht begriffen, was er da in seinem Leben tut. (Bun-


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