BundesratStenographisches Protokoll825. Sitzung / Seite 78

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desrätin Mühlwerth: Aber laut SORA-Studie arbeiten sie ! – Zwischenbemerkung von Bundesministerin Heinisch-Hosek.)

Ich habe 30 Dienstjahre, ich kenne so viele Kolleginnen und Kollegen: Der Schnitt sind 40 Wochenarbeitsstunden, die man für so einen Unterricht braucht. Es gibt natürlich Wochen, wo man Hefte von drei Maturaklassen liegen hat, da arbeitet man sicher 60, 70 Stunden; aber das ist nicht jede Woche so. Man kommt also locker mit einer
40-Stunden-Woche übers Jahr gerechnet aus, denn man kann ja selber eine Jahres­rechnung machen, man braucht ja nicht jemanden, der einem sagt: Das ist deine Jah­resarbeitszeit! Ich weiß ja selber, was meine Jahresarbeitszeit ist.

40 Stunden in der Woche arbeite ich also, dann bleiben mir immer noch 80 Stunden zu meiner freien Verfügung übrig; 80 Wochenstunden, die ich verwenden kann, wie ich will. Wenn ich jetzt eine junge Lehrerin, ein junger Lehrer bin, ist es mir dann nicht zu­mutbar, dass ich fünf Stunden pro Woche für meine Weiterbildung verwende? – Dann sollte ich diesen Beruf auch nicht wählen, denn Weiterbildung und Fortbildung sind das Gebot der Stunde, und das ist von jedem zu verlangen – von jedem hier herinnen und von jedem, der einen pädagogischen Beruf ausüben will. (Zwischenruf der Bundesrä-
tin Mühlwerth.)

Insofern sehe ich überhaupt kein Problem, das Masterstudium berufsbegleitend zu ma­chen – aber es muss ja gar nicht sein. Jeder und jede kann ja sagen: Ich mache zuerst alles fertig und gehe dann in den Unterricht! – Passt auch, passt alles; also das ist alles kein Problem. Hier werden Probleme geschaffen, die mit Sicherheit gar keine sind.

Zum Thema fachfremder Unterricht: Das ist auch so etwas, wo ich mir denke, da werden Schreckgespenster in den Raum gestellt. Das gibt es bereits seit Ewigkeiten, das hat aber auch seine Grenzen, da bin ich völlig Ihrer Meinung. Ich war jetzt gerade auf einer Tagung, weil ich Pilotlehrerin für die mittleren Berufsschulen bin – ich erkläre jetzt nicht, was das ist –, und da habe ich eine junge Kollegin getroffen, die irgendwo in Oberösterreich unterrichtet. Diese Kollegin hat nicht einmal an der Hochschule studiert, sie hat vier Fächer abgeschlossen. Was sie nicht abgeschlossen hat, ist zum Beispiel Deutsch. Sie unterrichtet 27 Stunden, macht das Pädagogikum an der Hochschule fer­tig, und muss Deutsch in einer Oberstufe unterrichten. Könnt ihr euch das vorstel­len?! – Das nenne ich grenzwertig, ganz ehrlich. Das gibt es aber jetzt schon (Bundes­rätin Mühlwerth: Das gibt es aber öfter, das ist kein Einzelfall!), das gibt es in Zukunft dann hoffentlich nicht mehr so oft.

Wieso unterstellt ihr einem Direktor oder einer Direktorin, nicht zu wissen, wofür sie ih­re Lehrerinnen und Lehrer einsetzen? – Nein, ich werde als Deutschlehrerin nicht ein­gesetzt werden, um Chemie oder Physik zu unterrichten, weil ich das wahrscheinlich wirklich nicht kann. Ich traue mir aber ohne Weiteres zu, einmal eine Zeit lang Ge­schichte zu unterrichten oder Geographie oder Politische Bildung oder sonst ein geis­teswissenschaftliches Fach, und die Naturwissenschaftler werden für die Naturwissen­schaften eingesetzt – wenn es notwendig ist.

Ein Schulsystem ist ja nicht etwas, das nicht lebt und wo die Leute nicht miteinander reden. Ein Direktor weiß ja, was die Leute können, und sie werden auch so eingesetzt. Das brauchen sie auch nur ein Semester lang zu tun – nein, nicht ein Jahr, ein Se­mester; das ist wieder so ein mathematisches Problem, das man irgendwie auseinan­derteilen muss –, und dann können sie sagen: Tut mir leid, das überfordert mich!, dann wird man eine andere Lösung suchen. Wollen tut das eh keiner. Wir wollen, dass es genügend ausgebildetes Fachpersonal gibt, aber es wird diese Engpässe das eine oder andere Mal in der einen oder anderen Schule geben. Und glaubt mir: Die jungen Lehrerinnen und Lehrer, und auch die älteren, haben ausreichend bewiesen, dass sie durchaus fähig sind, mit solchen Situationen fertigzuwerden.

 


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