Und nun an die Mailerinnen und Mailer: Zu der in euren beinahe Tausenden Mails angesprochenen Erhöhung der Unterrichtszeit und der Unmöglichkeit der Erfüllung dieser möchte ich euch hier etwas zu erklären versuchen. Mehr Unterrichtszeit in den Klassen heißt nicht, Hunderte Schüler und Schülerinnen in den Klassen mehr zu unterrichten, denn die Klassenschülerzahl ändert sich nicht. Es heißt zweitens nicht weniger Individualisierung, denn Individualisierung ist eine methodische Herangehensweise, findet im Unterricht statt und hängt nicht von der SchülerInnenzahl ab. (Beifall bei der SPÖ und bei Bundesräten der ÖVP.)
Mehr Unterrichtszeit mit den Schülerinnen und Schülern heißt aber, mehr Zeit für den direkten Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern zu haben und damit ein gutes, ein besseres, ein persönlicheres Lernklima aufzubauen. Und, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, was ist mit all denen, die diese Mehrstunden als Überstunden halten und bezahlt bekommen?
Werte Damen und Herren, für die zukünftige PädagogInnenbildung ist dem Gesetzgeber die ausreichende und wertvolle Praxisausbildung und Praxiserfahrung im vierjährigen Bachelorstudium eine solide Grundlage für den Lehrberuf. Diesen Ansatz kann ich aus langjähriger Praxislehrertätigkeit nur unterstreichen, denn die beste fachliche Ausbildung nutzt wenig, treibt einige sogar ins Burn-out, wenn die pädagogische und menschliche Kompetenz fehlt. (Ruf bei der FPÖ: Aber umgekehrt auch!)
Liebe Verena, Kristin und Mira! Ein bisschen Angst vor der Unterrichtszukunft möchte ich Ihnen heute auch nehmen. Sie schreiben mir, Sie sind jung, idealistisch und wünschen sich, mit Begeisterung zu unterrichten, und das neue Dienstrecht hält Sie ab. – Sie werden sicher mit Begeisterung unterrichten, auch mit dem neuen Dienstrecht, falls es Sie überhaupt betrifft. (Ruf bei der ÖVP: Genau!)
Nun zu Ihren Fragen: Ja, auch ich war Schülerin. Ja, auch ich habe gute Lehrerinnen und Lehrer in Erinnerung. Ja, auch ich habe Lehrer gehabt, meistens waren es die Männer, die mit: „Hefte schließen! Test!“ ihre Stunden begannen oder mit „Nicht genügend, setzen!“ ihre Stunden beendeten. (Zwischenrufe bei FPÖ und ÖVP.) Aber da ging es nicht und niemals ums Dienstrecht.
Vielleicht beruhigt es Sie, dass ich Ihnen dazu etwas Persönliches sagen kann. Ich war 22, als ich meinen ersten Dienst angetreten habe – wie Sie voller Idealismus, Motivation und Begeisterung. Und ich habe in den ersten Jahren 29 Stunden unterrichtet – nicht wegen dem Dienstrecht, sondern einfach, weil ich gebraucht wurde und weil keine LehrerInnen da waren. Und ich habe nach 30 Jahren diesen Idealismus, die Motivation, das Engagement und die Freude immer noch behalten.
Liebe Verena, Kristin und Mira! Sie werden das auch schaffen!
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, für mich bietet das neue Dienstrecht neu eintretenden Pädagoginnen und Pädagogen eine gute Grundlage für ihre Unterrichtstätigkeit. Es bringt eine bessere Entlohnung in den Anfangsjahren, mehr Gerechtigkeit zwischen den unterschiedlichen Schultypen und mehr wichtige Zeit mit den SchülerInnen, also eindeutige Verbesserungen in vielen Bereichen.
Und noch einmal: Es ist absolut kein Sparprogramm! Wir alle hoffen aber, dass nach den Zeiten von sehr emotional geführten Diskussionen die sachliche Arbeit wieder aufgenommen werden kann, dass auch die Verhandlungspartner ihre Gespräche wieder aufnehmen, und wir wünschen uns, dass viele kommende, engagierte Pädagoginnen und Pädagogen mit diesem Gesetz gut leben werden können.
Aus meiner Sicht ist das neue Dienstrecht ein wichtiger Schritt und großer Fortschritt in der österreichischen Bildungspolitik. – Danke. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
13.06
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