BundesratStenographisches Protokoll827. Sitzung / Seite 60

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Vergabe der Ziffernnote, weil wir meinen, dass das eine wesentlich bessere Aus­sagekraft hat.

Es kommt oft der Vorwurf, dass in die Noten nicht nur die Leistung einfließt, sondern auch das soziale Verhalten, die Schrift und anderes. Man hat die Fleißnote abge­schafft. Die Betragensnote gibt es zwar noch, sie ist aber eigentlich auch nicht mehr wirklich wichtig. Und man hat die äußere Form der schriftlichen Arbeiten abgeschafft. Ich finde das schade und hoffe, dass das wieder eingeführt wird, denn ich sehe das schon so und erlebe es auch oft, dass in die Note alles hineingepackt wird, nicht nur die Leistung des Schülers, sondern eben auch, wie er schreibt, ob er das Heft in Ordnung hat, ob er seine Hausaufgaben gemacht hat, und so weiter. Da, finde ich, gehört wieder eine Trennung her, wo man sagt: Deine Leistung ist sehr gut. Die äußere Form deiner Arbeiten ist weniger gut, und dein Fleiß lässt zu wünschen übrig, denn man kann ja auch eine gute Note haben, ohne nach außen hin als fleißiger Schüler zu gelten.

Auch die OECD warnt davor, bei Noten nicht nur auf die Leistung einzugehen, sondern auch noch andere Eigenschaften zu benoten. Aber trotzdem haben wir einen Wurm im System drinnen.

Ich verstehe nicht, warum man auf der Gesamtschule so beharrt und die so super findet, obwohl schon der PISA-Haider, der ja kein Feind einer gemeinsamen Schule der 6- bis 14-Jährigen war, gesagt hat, man sollte sie vielleicht doch sein lassen. Und auch ein Ihnen nahestehender Universitätsprofessor, der Herr Liessmann, hat bei einer Diskussion mit der Frau Nationalratspräsidentin Prammer, wo ich dabei war und es daher live gehört habe, gesagt, das sei eine ideologisch besetzte Geschichte. Und wenn man sieht, dass man da nicht wirklich weiterkommt, dann ist es besser, dass man es lässt, weil der Schulerfolg ja nicht von der Organisation allein abhängt.

Immer noch haben wir Volksschüler, die Lernmängel aufweisen. Jeder achte Volks­schüler braucht, wie ich erst unlängst gelesen habe, Nachhilfe. Das wäre jetzt die Gesamtschule. Die müsste ja eigentlich schon ganz toll sein, wenn das alles stimmen würde, was so gesagt wird, da dürfte das überhaupt nicht stattfinden. Wir haben nach neun Schuljahren immer noch 20 Prozent der Schüler, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, wo man sich fragen muss: Was ist in den neun Jahren passiert? Wieso ist es niemandem aufgefallen, dass einer nicht lesen und schreiben kann? Das Einzige, was damit erreicht wird, ist, dass die Eltern in die Privatschulen flüchten. Die Tendenz ist bei uns steigend. In Belgien sind es 67 Prozent der Eltern, die ihre Kinder in die Privatschule schicken. In Frankreich, wo ja die Gesamtschule schon am Boden liegt, ist es ähnlich. Das heißt, da sind wir auf einem schlechten Weg.

Was die Noten betrifft, kann ich nur eines sagen: Wenn man den Schülern die Gele­gen­heit gibt, sich selber zu bewerten, sie fragt, welche Note sie sich selber geben würden, dann kann man feststellen, dass das in 90 Prozent der Fälle mit der Note, die der Lehrer gibt, übereinstimmt. 10 Prozent okay, das kann passieren. Ja, natürlich kann es auch passieren, dass Lehrer eine ungerechte Note geben. Nicht, dass ich das befürworte, aber ich sage, Lehrer sind auch nur Menschen. Der Lehrer ist kein Roboter, der wie eine Maschine funktioniert, daher kann das passieren.

Das ist aber auch Teil der Schule, die aufs Leben vorbereiten soll: dass man lernt, dass es auch Ungerechtigkeiten im Leben geben kann. Das passiert doch jedem in seinem Leben, wenn er erwachsen ist. Jedem von uns ist sicher schon passiert, dass er sich ungerecht behandelt gefühlt hat und sich gedacht hat, das ist eine Frechheit. Aber es ist etwas, womit man umgehen können muss, wo man vielleicht auch lernen kann, sich dagegen zu wehren, denn es ist ja nicht so, dass man sich das gefallen lassen muss, aber es ist eben auch ein Teil der Erziehung für das ganze Leben.

 


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