BundesratStenographisches Protokoll827. Sitzung / Seite 61

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Die Diskussion, die wir heute hier führen, führen wir nicht zum ersten Mal. Auch vor Ihnen haben es schon einige gefordert. Ich erinnere nur daran, dass Gusenbauer, der jetzt, glaube ich, Berater in Kasachstan ist, damals als SPÖ-Vorsitzender schon ver­langt hat, das Sitzenbleiben in der Volksschule, in der Hauptschule und in der AHS-Unterstufe aufzuheben. Er war auch für eine ausschließlich verbale Beurteilung.

Das ist also jetzt nichts Neues. Dass wir dagegen sind, ist auch nichts Neues. Das ist richtig. Aber wenn man sich anschaut, wie Eltern das in einer Schule sehen, dann stellt man fest, dass von zehn Klassen acht Klassen dafür sind, dass die Ziffernnote bleibt. Eine Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts hat ergeben, dass 73 Prozent für den Beibehalt der Noten in der Volksschule sind. In der Hauptschule und in der AHS waren es sogar noch mehr, und zwar waren es dort 87 Prozent, die für die Ziffern­note waren.

Es ist also alles eine Linie Ihrer Politik, wo es heißt: Gesamtschule, Abschaffung der Noten, Abschaffung des Sitzenbleibens, keine Hausaufgaben, wie Sie es erst vor Kurzem gefordert haben, keine Schultaschen; alles soll so funktionieren!  Das be­zweifle ich wirklich. Und wir sehen es ja auch, dass es so nicht funktioniert, denn wir haben es ja jetzt bei den Bildungsstandards erlebt, dass die Neue Mittelschule nicht der Hit ist, den Sie sich erhofft haben. Sie ist sogar schlechter als die Hauptschule. Und keinesfalls ist es so, dass sie diese überholt hat. Die AHS ist nach wie vor die beste Schulform. Bei den PISA-Studien ist immer verschwiegen worden, dass die AHS immer an der Spitze war, mit Finnland, mit Korea, mit Japan, je nachdem, in welchen Disziplinen abgefragt worden ist.

Es geht nicht um ein bestimmtes System! Ich bin wirklich eine Befürworterin des Leis­tungs­gedankens, aber was ich nicht will, ist ein System, wo dann der „Gott Kupfer“ aus dem uns allen bekannten Buch von Friedrich Torberg vor unserem geistigen Auge auftaucht, der die Schüler kaputtmacht. Das will ich nicht! Man kann eine Leistung erbringen, man kann Disziplin haben, ohne dass man daran zerbricht, denn ein gewis­ser Leistungsgedanke und eine gewisse Disziplin werden auch im weiteren Leben gebraucht.

Darum werden wir nicht herumkommen. Und wenn wir eine Kuschelpädagogik machen, wo man den Schülern sagt: Das brauchst du alles nicht, es ist alles ganz easy und es ist alles ganz nett und ganz kuschelig!, dann werden diese armen Kinder im normalen Leben Schwierigkeiten bekommen, denn plötzlich gibt es so etwas wie Tests, auch wenn es keine schriftlichen sind, wo man sich bewähren muss, wo man mit Unge­rechtigkeiten konfrontiert wird, und so weiter und so weiter. Und dann stehen sie da und verstehen die Welt nicht mehr, weil sie überhaupt nicht wussten, was auf sie zukommt. Das ist, finde ich, ehrlich gesagt ein Verbrechen an den Schülern, wenn man es so macht. (Beifall bei der FPÖ.)

Wie gesagt: Bei den Bildungsstandards hat es sich jetzt gezeigt, dass die Neue Mittelschule nicht das ist, was man sich erhofft hat, dass sie sein wird. (Vizepräsidentin Mag. Kurz übernimmt den Vorsitz.)

Nun komme ich zu einem anderen Punkt: zum BIFIE. – Das BIFIE ist von der ursprüng­lichen Bildungsgesellschaft für Bildungsforschung in eine Forschungs­gesell­schaft für Schulwesen umgewandelt worden. Das BIFIE ist selbstverständlich, wie wir es in Österreich gewohnt sind, parteipolitisch gefärbt, denn es ist bei uns nicht so, dass man zuerst schaut, ob jemand die entsprechende Qualifikation hat, wirklich ein Experte ist, sondern umgekehrt. Wenn er ein Parteibuch hat, dann sage ich nicht, dass das nicht sein darf, aber bei uns ist es umgekehrt. Wir schauen zuerst, ob er das richtige Parteibuch hat, und dann schauen wir, ob die Qualifikation stimmt – und oft genug passt das nicht zusammen.

 


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