BundesratStenographisches Protokoll827. Sitzung / Seite 64

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haben, um gerichtlich vorgehen zu können, falls hier Schuld und Versagen zutage treten.

Ich freue mich wirklich sehr darüber, dass wir im Rahmen dieser Dringlichen Anfrage in bildungspolitischer Hinsicht darüber reden können, was sich die Bundesregierung im Bereich der Noten vorgenommen hat, denn genau darauf beziehe ich mich dann auch bei der Beantwortung der Fragen. Genau darauf möchte ich eingehen. So wie Sie alle, denke ich, eine bildungspolitische Vision haben, weil wir als Politikerinnen und Politiker Bildungspolitik als einen sehr, sehr wichtigen Bereich ansehen, so ist es meine Vision und mein Wunsch, dass die Kinder in unseren Schulen neugierig sein können und nicht Angst haben müssen, dass sie wegen einer Note diskreditiert werden oder gar vor sich selber als Versager oder Versagerin dastehen.

Ich wünsche mir auch entspannte Eltern. Warum? – Sie alle kennen sicher aus Ihrem Umfeld Familien, in denen es doch vorkommt, dass viel nachgelernt werden muss, dass Nachhilfe bezogen werden muss, dass auch Kindern, damit sie die Schule wechseln oder in eine höhere Schule gehen können, viel aufgeladen wird, damit das möglich ist. Ich sehe diese Entspannung bei vielen Eltern nicht, denn alle Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, und das Beste ist manchmal mit viel Druck auf die Kinder verbunden und nicht immer auch das Beste in der Ausformung und im Resultat.

Natürlich wünschen wir uns alle auch eine Kollegen- und Kolleginnenschaft, motivierte Lehrerinnen und Lehrer – immerhin über 120 000 an der Zahl in Österreich –, die sich selber als Zukunftsarbeiterinnen und -arbeiter sehen, was viel mehr ist als nur Wis­sens­vermittlerinnen und -vermittler, wie das vielleicht in früheren Zeiten, die heute schon angesprochen wurden, der Fall war.

Lehrerinnen und Lehrer leisten heute sehr vielfältige Arbeit, sehr bewundernswert im Übrigen und auch sehr herausfordernd – und mitunter auch nicht unbelastend, nicht nur was ihre Arbeitsplatzsituation anlangt. Mir ist bewusst, dass auch da Verbesse­rungsbedarf gegeben ist, denn ein Arbeitsplatz, der gerade einmal so groß ist wie der Innenteil dieses Rednerpultes, ist für viele nicht groß genug. Ich denke, es ist auch an der Zeit, die Lehrerinnen und Lehrer da zu unterstützen. Wir werden im Herbst eine entsprechende Offensive starten, in der wir thematisieren, wie wir hier unterstützen können, eine Offensive, für die nicht unbedingt viel Geld nötig sein muss, sondern in der es darum geht, wie wir unterstützend für die Lehrerinnen und Lehrer da sein können.

Jedes Kind – das wurde auch im Eingangsstatement von Kollegin Mühlwerth gesagt – hat sicher besondere Talente und vielleicht auch das eine oder andere Defizit. Glauben Sie mir, weil sich die Bundesregierung das sehr zu Herzen genommen hat, haben wir auch Alternativvorschläge ins Regierungsprogramm geschrieben! Ich weiß nicht, ob Sie alle diese meine persönliche Meinung teilen, aber es ist nicht möglich, die Kom­petenzen eines Kindes anhand einer Note – sagen wir einmal zum Beispiel mit einem Dreier, das ist die Mitte – festzuschreiben. (Beifall bei SPÖ und Grünen.)

Warum? – Da ist jemand besonders begabt im handwerklichen Bereich, hat aber feinmotorisch nicht die Kompetenz, dass er in der Lage wäre – weil Sie auch das Schriftbild und die äußere Form noch einmal erwähnt haben –, besonders deutlich und schön zu schreiben. Er kann aber wunderbare Aufsätze schreiben und will einen Lehrberuf ergreifen, in dem das Handwerk gefragt ist. Dieses Kind ist also sehr talen­tiert und vielseitig, und diese Vielfalt, die so ein Kind mitbringt, kann man, finde ich, nicht in einer Benotung von eins bis fünf zusammenfassen.

Was wir jetzt gemacht haben, ist – und ich komme gleich zur Beantwortung der Fragen –, im Regierungsprogramm alternative Möglichkeiten anzubieten, und zwar ein Jahr länger, als es sie schon gibt. Es ist ja schon möglich, in der ersten und zweiten


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