BundesratStenographisches Protokoll827. Sitzung / Seite 79

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Es ist unter der Bundesministerin Claudia Schmied viel passiert, und ich weiß, liebe Frau Bundesministerin, du wirst ihren Weg fortsetzen. Es ist passiert, Gott sei Dank, dass der Schüler und die Schülerin im Mittelpunkt stehen. Es ist passiert, dass Talente in den Vordergrund gestellt werden. Es soll eine Schule der Zukunft entwickelt werden, ohne Angst und Zittern, eine Schule, die Spaß und Freude macht. Ich habe vor diesem „Nicht genügend“ gezittert. Ich hatte Angst vor dem Professor.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wissen, dass Bildung etwas kosten darf. Wir wis­sen, dass wir in Bildung investieren müssen. Deswegen haben wir in Bildung investiert, 1,1 Milliarden €, 14 000 Lehrerinnen und Lehrer mehr  und wir fördern bitte auch die Ganztagsbetreuung.

Wenn ich in dieser Dringlichen Anfrage lese: „ein bildungspolitisches Desaster, das von Claudia Schmied hinterlassen wurde und von Heinisch-Hosek nahtlos fortgesetzt wird“, dann tut mir das weh, geht mir das unter die Haut. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wisst ihr, was ein Desaster ist? – Ein Desaster war die Situation in jener Zeit, als Schwarz und Blau regiert haben, das Bildungsbudget reduziert haben und Lehrer abgebaut haben. Das ist für mich ein Desaster. (Beifall bei der SPÖ.)

Liebe Kollegen und Kolleginnen, ich unterrichte seit 30 Jahren – mit sehr viel Freude – an der Berufsschule in Villach. Meine Aufgabe ist sicherlich, einerseits den Schülern und Schülerinnen Wissen zu vermitteln, andererseits aber auch die Schüler und Schü­lerinnen für die Zukunft vorzubereiten. Was heißt das für mich? – Sie dabei zu unter­stützen, dass sie selbständige, verantwortungsbewusste, eigenverantwortliche, krea­tive Menschen werden, die mitdenken, die mitbestimmen und die mitgestalten, die sich zu organisieren wissen.

Zu meiner Aufgabe gehört aber auch das Beurteilen. Unsere Beurteilung schaut fol­gendermaßen aus: Wir haben eine Ziffernnote und wir haben auch eine verbale Beur­teilung. Ich kann euch sagen, jeder Lehrer und jede Lehrerin, der oder die Schüler in einer Klasse beurteilt, hat so eine Leistungsbeurteilung (die Rednerin hält ein Schrift­stück in die Höhe) verbal zu machen.

Die gesamte Leistungsbeurteilung, die so aussieht (die Rednerin hält ein weiteres Schriftstück in die Höhe), beginnt mit einem ersten Satz: „Wenn Sie sagen, dass man nicht aus jedem Holz einen Löffel schnitzen könne, so antworte ich: Aber aus jedem Menschen kann ein Mensch werden.“

Diese verbale Beurteilung ist ein Resultat von allen Lehrern und Lehrerinnen, die in dieser Klasse unterrichten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Leistungsbeurteilungen dürfen nicht darauf hinaus­laufen, bei Schülern und Schülerinnen Ängste hervorzurufen und sie  – ja, und das unter Anführungszeichen – mit wenig aussagekräftigen Zahlen abzustempeln. Ich war keine negative Schülerin, wenn ich das als Ganzes sehe.

Es gibt genügend Experten und Expertinnen, die sagen, dass Noten nicht wirklich aus­reichend sind, um Kinder oder Jugendliche, Schüler und Schülerinnen insgesamt zu beurteilen. Neben Fachwissen gibt es auch Werte, Arbeitshaltungen und Sozialkom­petenzen, die meiner Meinung nach mit Ziffern nicht erfasst werden können.

Ich meine daher, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass es an der Zeit und äußerst legitim ist, sich über neue Formen der Beurteilung Gedanken zu machen. Ich kann da das, was du, Kollege Köberl, gesagt hast, nur unterstreichen, und ich unterstütze dich, liebe Frau Ministerin, in deiner – wie hast du gesagt? – Vision, Utopie, den Menschen nicht nur als Abfolge von Ziffern zu sehen, sondern als Gesamtheit mit all seinen bezie­hungsweise ihren Kompetenzen.

 


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