Deswegen unterstütze ich auch die Variante, die du angedacht hast, dass nämlich ab dem kommenden Schuljahr Eltern und Lehrer jeder Volksschulklasse bis zur dritten Schulstufe autonom entscheiden können, wie die Beurteilung der Kinder erfolgt. Das ist auch im Regierungsprogramm so verankert.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich weiß, jede Neuerung ruft auch Kritik hervor, löst Ängste aus. Auch das ist äußerst legitim. Ein Kritikpunkt eines Landesschulratspräsidenten beispielsweise – ich habe das gelesen – war: Ziffernnoten sind etwas Bewährtes, eine bewährte Feedback-Methode in den Schulen. – Ja, das stimmt schon, aber eben nicht Ziffernnoten alleine.
Oder: Probleme kann man nicht durch Wegschauen lösen. Jeder Schüler und jede Schülerin haben ein Recht auf Beurteilung. – Auch das stimmt, aber auch Ziffernnoten, bitte, sind doch nicht das Gelbe von Ei. Ein „Nicht genügend“ zu geben ist das eine; man kann Fachkenntnisse sicherlich messen. Zu hinterfragen wäre allerdings, warum es zu diesem „Nicht genügend“ gekommen ist. Das lässt sich nicht messen, liebe Kolleginnen und Kollegen, und dennoch dürfen wir auch da nicht wegschauen.
Ich kann nur völlig unterstreichen, was Frau Bundesministerin Heinisch-Hosek sagt: Ich hoffe, dass wir uns die Ziffernnoten bald ersparen und die Kinder besser verbal beurteilt werden.
(Die Rednerin setzt ihre Ausführungen in slowenischer Sprache fort.)
Hvala lepa. Danke. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Bundesräten der ÖVP.)
17.23
Vizepräsidentin Mag. Susanne Kurz: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Schreuder. – Bitte.
17.23
Bundesrat Marco Schreuder (Grüne, Wien): Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren vor den Bildschirmen! Eine Bildungsdebatte hat es natürlich immer so an sich, dass man persönliche Erfahrungen und Erinnerungen erzählt. Erlauben Sie mir, drei solche Erinnerungen loszuwerden.
Die erste Erinnerung, die ich hier loswerden will, ist: Es war 1979. Meine Schulzeit liegt schon ein bisschen weiter zurück als die des Kollegen Jenewein, feiere ich doch in ein paar Wochen meinen 45. Geburtstag. 1979 also – und leider gibt es das auch heute noch – hat man meinen Eltern nach der Volksschule relativ deutlich vermittelt, dass man den Marco nicht ins Gymnasium schicken kann, weil er ja ein Ausländerkind und Deutsch nicht seine Muttersprache ist. – Das ist einmal eine Erinnerung.
Ich ging also in die Hauptschule. Das war aber eine super Hauptschule, das muss ich dazusagen. (Bundesrat Lindinger: In Strobl?) – Nein, in Bad Ischl. Die Hauptschule war in Bad Ischl; die Volksschule war in Rußbach bei St. Wolfgang.
Die zweite Erinnerung ist, dass ich im Maturazeugnis lauter Einser und Zweier hatte, nur in einem einzigen Fach nicht, sondern gerade noch ein Genügend. Das war Mathematik. Kurvendiskussionen habe ich bis heute nicht verstanden. Ich habe sie aber, ehrlich gesagt, auch wirklich nie gebraucht. (Widerspruch bei Bundesräten der ÖVP.) – Ja. – Nein. Ich habe sie nicht gebraucht. Ich sage ja nicht, dass man das grundsätzlich nicht braucht.
Jetzt kann man da heiter darüber hinweggehen, aber Tatsache war schon, dass all diese Jahre, in denen ich in so vielen Fächern gute Noten hatte, meine schlaflosen Nächte diesem einem einzigen Fach gegolten haben, in dem ich schlecht war. Bei allen Gesprächen und bei dem, was mein Vater von mir gefordert hat, hat es sich
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