BundesratStenographisches Protokoll827. Sitzung / Seite 81

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immer nur um dieses eine Fach gehandelt, in dem ich schlecht war. Zu hinterfragen, ob das gescheit ist, kommt ja eigentlich ohnehin 20 Jahre zu spät. Im Übrigen tut man das ohnehin schon seit ich weiß nicht wie vielen Jahrzehnten, und ich weiß auch nicht, wie viele Modell- und Schulversuche wir diesbezüglich schon in diesem Land gehabt haben. Es ist doch völlig klar, dass das nicht die Logik sein darf, dass die negative Beurteilung in einem einzelnen Fach für einen Schüler oder eine Schülerin nicht insgesamt eine Negativbeurteilung bedeuten darf. Das kann es nicht sein!

Ich habe jetzt das dritte Beispiel vergessen, das ich Ihnen noch erzählen wollte. Vielleicht fällt es mir noch ein.

Eines muss ich schon noch sagen, weil die Freiheitliche Partei vorhin die fehlende Linie in der Bildungspolitik kritisiert hat: Genau die fehlt mir bei den Freiheitlichen auch. Und zwar  (Bundesrätin Mühlwerth: Das habe ich nicht gesagt!) – Nein, nein! Das hat Herr Kollege Jenewein gesagt.

Auf der einen Seite wird also immer gegen die gemeinsame Schule argumentiert, denn dies sei sozialistische Gleichmacherei, so wird das dann genannt. (Die Bundesräte Jenewein und Mühlwerth: Genau! So ist es!) Man macht also gleich wieder Parteipolitik daraus, statt eine interessante Bildungsdebatte zu führen. Und gleichzeitig: Was ist gleichmacherischer als Schulnoten, ohne individuell auf die persönlichen Ziele von Schülern  (Bundesrat Jenewein: Ich bin sehr individuell!)

Jetzt lachen Sie mich nicht aus, Herr Kollege! Das ist jetzt nämlich an Sie gerichtet. Ich habe hier ein Comic für Sie. (Bundesrat Jenewein: Ich will das nicht sehen!) Ich zeige es Ihnen trotzdem. (Der Redner hält ein Tablet, mit dem Bildschirm Richtung FPÖ, in die Höhe.) Sie sehen – und ich erzähle Ihnen auch, was Sie sehen könnten, wenn Sie nicht herschauen – einen Lehrer, einen Baum, und Sie sehen einen Pinguin, einen Flamingo, einen Affen, einen Hund, einen Fisch, einen Seehund und einen Elefanten. Und der Lehrer sagt: „Um es gerecht zu machen, bekommt ihr alle dieselbe Aufgabe. Klettert auf den Baum!“ – Das ist ein Comic aus einem  (Neuerliche Zwischenrufe bei der FPÖ.)

Kann ich jetzt, bitte, einmal reden, ohne dass Sie ständig hineinquatschen? Sie müs­sen auch einmal ein bisschen zuhören, Herr Jenewein! Ich habe Ihnen auch zugehört. Sie fordern hier Disziplin ein, aber Sie sind im Moment die Disziplinlosesten hier in diesem Saal, um das einmal deutlich zu sagen. (Widerspruch bei der FPÖ.)

Herr Kollege Jenewein, Schulnoten bedeuten nicht im Geringsten, dass man individuell auf Schüler und Schülerinnen eingeht. Schulnoten sind erstens einmal abhängig von den Lehrern und Lehrerinnen. (Bundesrat Herbert: Ist das bei verbalen Beurteilungen so viel anders?)

Jetzt fällt mir das dritte Beispiel ein: Ich hatte in Deutsch bei einem Lehrer grund­sätzlich immer ein Nicht genügend, und dann am Ende des Jahres ging sich gerade noch knapp ein Genügend aus. Dann kam ein neuer Lehrer, und plötzlich hatte ich ein Sehr gut. Und das ist vielen Menschen passiert. Sie können hier in diesen Reihen fragen, das wird ganz vielen hier passiert sein, dass ein Lehrer-, Lehrerinnenwechsel dazu geführt hat, dass man plötzlich ganz andere Noten hatte. (Anhaltende Zwischen­rufe.)

Beurteilen kann man natürlich Verschiedenes. Zum Ersten muss man, wenn man etwas beurteilt, ein Lernziel festlegen – und das ist das Wesentlichste, Herr Jenewein –, individuell, für jeden Schüler und jede Schülerin ein Lernziel festlegen. Und wenn das Schuljahr oder das Semester zu Ende ist, muss man prüfen: Was für ein Lernziel haben wir vereinbart? Wurde dieses Lernziel erreicht? – Ja, weit darüber hinaus, ja, fast oder nein? – Und, weil Sie ja auch eine strenge Beurteilung fordern, auch ein


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