BundesratStenographisches Protokoll827. Sitzung / Seite 82

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„Nein, wir haben das Lernziel nicht erreicht“, ist selbstverständlich eine Beurteilung. Diese bedeutet für den Schüler und die Schülerin: Da gehört noch etwas gemacht, da gehört noch etwas nachgeholt, da gehört etwas aufgeholt.

Eines halte ich schon für wichtig, weil wir jetzt eigentlich nur von Formen und Noten und dergleichen reden: Was ist, bitte, das Ziel von Schulen? – Das Ziel von Schulen ist doch, dass Schüler und Schülerinnen da drinnen sitzen und nicht Stoff lernen, sondern durch den Stoff das Lernen lernen und Freude am Lernen entwickeln, Neugierde ent­wickeln, Wissen vermittelt bekommen, Spaß daran haben und nicht ständig nur Angst davor haben, zum Beispiel vor diesem einen Fach. (Zwischenrufe bei der FPÖ.)

Das sage nicht ich, sondern das sagen Hunderte Pädagogen, Expertinnen und Exper­ten auf diesem Planeten. Und da können Sie noch so sehr abwinken, Frau Mühlwerth. Ich halte es für eine Unart, wie Sie hier gerade mit mir umgehen. Das möchte ich Ihnen schon sagen. (Bundesrat Mayer: Schulmeisterlich!) Schulmeisterlich. Vielen Dank, Herr Kollege Mayer!

So können wir eine Bildungsdebatte meiner Meinung nach nicht führen, wenn dann hier zuerst einmal ausgeteilt wird, aber wenn man dann wirklich darüber diskutieren will, wird das einfach – so wie jetzt – nur so abgetan mit irgendwelchen Schmähs. Das finde ich absolut unerträglich, um das hier ganz deutlich zu sagen. (Zwischenruf der Bundesrätin Mühlwerth.)

Meine Damen und Herren! Die derzeitige Rechtslage in Österreich schaut so aus, dass Schulnoten obligatorisch sind. Und wer darauf verzichten will, muss einen Schul­versuch dazu beantragen. Das ist der derzeitige Stand der Dinge. Wenn ich das richtig verstanden habe, und das können Sie mir gerne erklären, ist die geplante Regelung so, dass Volksschulen und – vielleicht können Sie mir diese Frage jetzt noch beant­worten –, wie ich meine, auch Sonderschulen – Fragezeichen – bis inklusive der dritten Schulstufe autonom über die Beurteilungsform entscheiden dürfen. Da können sie also auch auf Schulnoten verzichten. (Präsident Lampel übernimmt den Vorsitz.)

Ich möchte darauf hinweisen, dass es in Österreich bereits Schulen gibt, die auf Noten verzichten. Es gibt zum Beispiel die Modellschule Graz – zugegeben, eine private Schule, aber eine private Schule mit Öffentlichkeitsrecht. Sie können sich das gerne anschauen auf modellschule.at. Das ist im Übrigen ein Privatgymnasium.

Dort werden Lernziele festgelegt für jeden Schüler und jede Schülerin, es können auch mehrere Lernziele pro Unterrichtsfach sein; diese werden mit den SchülerInnen ver­einbart. Das heißt, dies ist wirklich ein Vertrag, wenn man so will, zwischen SchülerIn und LehrerIn. Und semesterweise wird beurteilt, ob diese Lernziele in hohem Maß, im Wesentlichen oder gar nicht erfüllt worden sind. Und wenn sie gar nicht erfüllt worden sind, dann ist das natürlich nicht zufriedenstellend, dann müssen diese Lernziele nachgeholt werden.

Es gibt in Vorarlberg die Volksschule Altach, die auch dementsprechend arbeitet.

Man kann sich das auch international anschauen. Schweden hat keine Schulnoten bis zur achten Schulstufe und schneidet bei den PISA-Studien hervorragend ab. Finnland hat keine Noten bis zur vierten Schulstufe. Ab der fünften darf und ab der siebenten muss benotet werden. Auf das möchte ich jetzt einfach einmal bei dem ganzen Themenbereich, denn es sind heute eigentlich viele Themen hier in dieser Dringlichen Anfrage verpackt worden, hinweisen.

Ich kann nicht drum herum, auch die Datenfrage rund um das BIFIE zum Thema zu machen. Vielleicht können Sie, Frau Ministerin – das ist ein Wunsch meinerseits – auch dafür sorgen, dass das in der gesamten Regierung diskutiert wird. Es ist eine ganz entscheidende und essenzielle Frage im digitalen Zeitalter, was gespeichert wird


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