BundesratStenographisches Protokoll827. Sitzung / Seite 87

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Wir führen heute eine Bildungsdiskussion, und Gott sei Dank eine Diskussion und nicht einen Fakt der Abschaffung von Schulnoten. Daher ist es notwendig, eine konstruktive gemeinsame Diskussion darüber zu führen. Ich glaube, es gehört vorweg sehr klar angesprochen, dass wir hier in Österreich, einem der reichsten Länder der Welt, inno­vativste Firmen haben, im Europaschnitt im vorderen Drittel liegen und daher kein so schlechtes Bildungssystem haben können, wie es oftmals in der Diskussion dargestellt wird.

Ich meine, es ist auch sehr klar hier zu sehen, dass viele europäische Delegationen immer wieder zu uns ins Land kommen und unser Bildungssystem sehr klar auch als Vorbild nehmen. Ich denke da an die duale Ausbildung, die wir haben. Ich denke aber auch an die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems, das nicht zuletzt Schlagwörter wie „Lehre mit Matura“ kreiert hat. Wir sehen schon, wir haben viele Formen, eine Vielfältigkeit im Bildungssystem, die letztlich auch verantwortlich dafür zeichnet, dass wir ein erfolgreiches Bildungssystem vorfinden.

Eines, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, können wir nicht wegdiskutieren: Wir befinden uns in einem leistungsorientierten Gesellschaftssystem, in dem letztlich immer wieder der Bessere vorne wegzieht und auch Leistung immer wieder gefordert wird.

Wenn wir heute die Diskussion zum Thema „Schulnoten ja oder nein?“ führen, dann stelle ich mir sehr wohl die Frage: Wie schaut das System ohne Schulnoten aus? Wie schaut es aus, wenn wir den Menschen in seiner Ganzheit bewerten, wie das oftmals hier in der Weiterführung dargestellt wird? Dann diskutieren Sie darüber, ob er vielleicht Fähigkeiten hat, die zwar im Gesellschaftspolitischen zählen; aber die Frage, ob er letztlich dem Gedanken der Bildungsaufnahme entspricht, ob letztlich Wissens­vermittlung auch wirklich funktioniert, wird dann, glaube ich, in den Hintergrund gerückt.

Wir dürfen eines nicht vergessen: Wir sprechen immer noch von Bildungseinrichtungen und nicht von Erziehungs- oder sonstigen Einrichtungen. Dabei ist es auch eine wichtige Aufgabe der Schule, Werte zu vermitteln, auch das sei vorweg klargestellt.

Und eines ist eine große Frage: Welche Kompetenz hat letztlich jeder Verantwortliche in diesem System? Welche Kompetenzen haben unsere Pädagoginnen und Päda­gogen? Die Frage ist auch: Welche Rolle spielen die Eltern in diesem System, und vor allem welche Rolle spielt der Schüler, die Schülerin bei diesem Zusammenspiel?

Da gehört sehr klar gesagt, dass es, wenn Wissen vermittelt wird, notwendig ist, dass auch die Kompetenz sehr klar in der Bildungseinrichtung liegt. Schulautonomie, Entscheidungsfähigkeit in den Schulen, sind, glaube ich, klare richtungsweisende Entscheidungen, die auch umgesetzt gehören.

Es muss auch eines immer wieder gesehen werden: Die Matura ist international anerkannt. Daher ist sie ein Schulabschluss, mit dem man letztlich international bestehen kann. Viele wissen es: Es wird nicht gefragt, welche Benotung dort steht, sondern es wird gefragt, ob der Abschluss vorhanden ist.

Das ist auch immer wieder die Diskussion. Wahrscheinlich kann jede und jeder hier von einer Prüfung berichten, vor der er gezittert hat, die er einmal negativ abge­schlossen hat. Aber letztlich weiß auch ein jeder und eine jede hier, dass im Leben nicht das einzelne Fach gezählt hat, sondern die Gesamtheit der Ausbildung. Und eine Grundausbildung gehört eingefordert.

Es ist notwendig, dass die Jüngsten – da rede ich von den Volksschülern – lesen, schreiben und rechnen lernen. Wenn ich das weiterführen darf, dann sind gerade das die Dinge, von denen uns die Unternehmerinnen und Unternehmer tagtäglich sagen,


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