BundesratStenographisches Protokoll827. Sitzung / Seite 89

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Frau Kollegin Mühlwerth, nun zu dir. Ich schätze dich an und für sich ob deiner Argu­mentation, aber: Klar können wir Schularbeiten aus der Zeit vor 20 Jahren nicht mehr geben. Wir wollen sie auch nicht mehr geben. Es hat sich etwas geändert. Wir leben jetzt im 21. Jahrhundert. Es hat sich viel für die Schüler geändert! (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf der Bundesrätin Mühlwerth.)

Wir prüfen nicht mehr das Gleiche ab, wir wollen nicht mehr das Gleiche abprüfen. Wir arbeiten mit unseren Schülern viel mit Kompetenzen, wir arbeiten projektorientiert. Und als ich die Begriffe „Fleiß“, „Betragen“ und „äußere Form der Arbeiten“ gehört habe, habe ich geglaubt, ich höre nicht richtig. (Bundesrätin Mühlwerth: Ja, ja!) Das kommt mir vor wie: Zurück auf die Bäume! (Beifall bei der SPÖ.)

Gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen: Am Land haben wir sie, da gehen die Kinder hauptsächlich in die Hauptschulen. Und in der Stadt, in den Wiener Bezirken, wo 97 bis 98 Prozent ins Gymnasium gehen, was ist das dann? Bitte, sind wir am Land zu blöd fürs Gymnasium?

Keine Hausübungen: Ja, ich bin dafür, wir haben das in unseren ganztägigen Schul­formen. Die Kinder haben kein Problem, wenn sie die Hausübungen in den Schulen erledigen, und die Eltern sind meistens sehr froh darüber.

Wenn es heißt, keine Schultasche, dann würde ich sagen: Nein, das möchte ich nicht, weil sich die Kinder alle freuen, wenn sie ihre erste Schultasche bekommen.

Was mich auch ganz besonders schmerzt – und das ist einfach haltlos –: Man kann die Neuen Mittelschulen in den Bildungsstandardtests nicht mit den AHS vergleichen. Ihr wisst alle ganz genau, dass die Neuen Mittelschulen hauptsächlich aus den Brenn­punkt­schulen entstanden sind, wo Integration, sonderpädagogischer Förderbedarf, Integration von beeinträchtigten Schülerinnen und Schülern an der Tagesordnung sind – und das ist in den AHS überhaupt nicht geschehen.

Auch haben Kinder, die in den AHS sind, hauptsächlich Eltern, die aus höheren Bil­dungsschichten kommen.

Was mich am meisten geschmerzt hat bei dir, war: Sollen wir in der Schule schon ungerecht sein, damit die Kinder das später besser aushalten?

Nun noch ganz kurz zu den Noten. Es geht jetzt einfach um die Ziffernnoten, nicht um Schulnoten. Ich könnte alle Punkte, die ich jetzt aus meiner wirklich langjährigen Erfahrung und aus meinen vielen Diskussionen mit meinen Kolleginnen und Kollegen bespreche, auch mit wissenschaftlichen Studien belegen, aber das möchte ich jetzt nicht.

Wer Ziffernnoten für unabdingbar hält, hat ein falsches Bild von unseren Schülerinnen und Schülern. Warum lernen Kinder bis zur Schule freiwillig, warum lernen sie aus Interesse, und dann plötzlich brauchen sie Ziffernnoten?

Wer kommt hier herein? Sind es nur die Eltern, ist es das Umfeld, ist es die Gesellschaft oder ist es einfach die alte Gewohnheit, man hat Noten zu haben?

Was mich auch ganz besonders stört, ist der Druck, der auf die Kinder ausgeübt wird. Wir wissen alle, dass sich der Druck nach unten hin schon fortsetzt. Plötzlich müssen die Kinder in der dritten Klasse Volksschule schon gute Noten haben, damit sie fallweise in eine AHS gehen können.

Was ich heuer ganz besonders beobachte, ist, dass auch unsere Schülerinnen und Schüler, wirklich sehr gute Schülerinnen und Schüler, enormen Stress mit den Noten beim Übertritt in weiterführende Schulen haben – was einfach auch nicht vernünftig ist.

 


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