Sehr geehrte Damen und Herren vor den Fernsehbildschirmen! Vieles wurde von meinen VorrednerInnen schon gesagt und auch angedeutet. Eines ist Faktum: Österreich gehört zu jenen Ländern, in dem für die Familien zu Recht die meisten finanziellen Unterstützungen angeboten werden. Alleine diese Erhöhung kostet uns 830 Millionen €.
Das ist der eine Punkt, aber der andere Punkt ist – eine meiner VorrednerInnen hat das schon angesprochen – die Fertilitätsrate. Sie liegt in Österreich zurzeit bei 1,43 . Das heißt, es ist doch nicht nur der finanzielle Anreiz, Kinder in die Welt zu setzen, sondern es gehört auch vieles andere dazu.
Damit sind wir schon in den Strukturen drinnen, für die wir als Politiker verantwortlich sind. Wir sind dafür verantwortlich, dass sie erstens geschaffen werden und dass zweitens die Menschen, die in diesen Strukturen tätig sind, über die entsprechenden Qualifikationen und Niveaus verfügen und auch eine entsprechend angepasste Entlohnung bekommen. Da gibt es wirklich massiven Aufholbedarf.
Nur jedes dritte Kind unter drei Jahren hat in Österreich die Chance auf einen Krippenplatz. Da sind wir zurzeit bei 20 Prozent. Bei den über Dreijährigen sind wir mittlerweile bei 90 Prozent. Wenn man sich die Schließtage der Krippen ansieht, dann sind wir in etwa im Durchschnitt bei 17 Tagen im Jahr, bei Kindergärten sind es 35 Tage im Jahr. Jetzt wissen wir, wie viele Urlaubstage ein Arbeiter, eine Angestellte im Schnitt haben kann. Wir merken sofort, das kann sich hinten und vorne nicht ausgehen. Letztendlich – und das ist meiner Meinung nach das eigentlich Problematische – entscheidet die Postleitzahl darüber, welches Angebot zur Verfügung steht und in welcher Qualität.
Österreich ist ja nicht so ein großes Land. Gerade wir in der Länderkammer sollten doch größtmögliches Interesse an einheitlichen Qualitätsstandards haben. Es gibt diesbezüglich Überlegungen, aber – und das ist wieder eine typisch österreichische Lösung – auf Freiwilligkeit basierend, nicht verpflichtend. Jetzt soll mir bitte einer oder eine nachvollziehbar erklären, warum ein Kind im Burgenland andere Voraussetzungen vorfinden soll als ein Kind in Wien oder in Oberösterreich.
Oberösterreich – dazu hat auch Herr Landesrat Hiesl eine Studie in Auftrag gegeben – ist ein sehr kinderfreundliches Bundesland. Kollege Tiefnig wird dazu vielleicht noch ein bisschen mehr sagen. Wir haben unterschiedliche Angebote, wir haben die Familienkarte, mit der Familien Ermäßigungen bei den Partnerbetrieben bekommen können, sie können die öffentlichen Verkehrsmittel vergünstigt benutzen. Es gibt die Möglichkeit, dass sich Eltern mit einem Bildungskonto fort- und weiterbilden. Wir haben die Möglichkeit geschaffen, auf elektronischem Wege, das heißt über Handy-Apps, die unterschiedlichen Angebote und Leistungen der Familienkarte abrufen zu können.
Das sind natürlich kleine Faktoren, die das Leben für die Familien erleichtern, aber nichtsdestotrotz gilt es, den Fokus auf Folgendes zu richten: Wir sind Menschen, die in unterschiedlichen Lebensphasen sind. Da gibt es Lebensphasen, wo etwas mehr Raum zum Beispiel der Familienplanung, der Kindererziehung gewidmet werden sollte, und dann gibt es natürlich wieder Zeiten, in denen man den Fokus der Aufmerksamkeit mehr auf die Arbeit, auf den Arbeitgeber richten sollte.
Wir können gemeinsam mit der Wirtschaft dazu beitragen, die Rahmenbedingungen so attraktiv wie möglich zu gestalten, damit Beruf und Familie vereinbar sind. Das ist gegenwärtig eines der größten Hindernisse für die Familien. Das sage ich jetzt nicht nur, weil ich selber Familienvater bin und zwei kleine Kinder habe, sondern auch deswegen, weil ich als Sozialarbeiter in unterschiedlichste Familiensysteme sehr tiefe Einblicke habe.
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