BundesratStenographisches Protokoll831. Sitzung / Seite 21

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

in einem erheblichen Ausmaß höher sind, also Kinderbetreuungseinrichtungen, aber auch ein gesamtgesellschaftliches Klima. Das ist leider etwas, was wir politisch nicht in ein oder zwei Jahren verändern können, sondern das ist natürlich ein Grundkonsens in einer Gesellschaft, der irgendwo verändert gehört.

Wir sagen zwar alle, Familie ist das Wichtigste, auch junge Menschen sagen immer noch, der Kinderwunsch ist vorhanden, aber die Sichtbarwerdung dieses Wunsches beziehungsweise die Realität ist da und dort in Österreich schon verbesserungswürdig. Da gibt es das Thema Kinderlärm, da gibt es auch in der Gastronomie und in der Hotellerie nicht immer willkommene Maßnahmen. Es herrscht ein Klima, das nicht immer heißt, Kinder sind das Schönste, willkommen und immer das Positivste, was es gibt, sondern da und dort bestehen durchaus Barrieren, die wir einfach in der Gesell­schaft sehen; nicht nur in der Gastronomie und im Dienstleistungsbereich, sondern auch in Unternehmen.

Da gibt es eben noch nicht dieses familienfreundliche Klima, das wir uns wünschen würden. Gerade Unternehmen brauchen natürlich auch diesen familienfreundlichen Zugang, denn, wie schon ausgeführt, sonst werden uns die Fachkräfte abhanden­kommen. Die Schätzung liegt schon bei über 100 000 Menschen, die fehlen werden. Abgesehen davon brauchen wir auch die Frauen, die sich in den Unternehmen in allen Hierarchien einbringen. Es ist also auch ein wirtschaftspolitisches Thema, das wir hier angehen müssen, denn sonst werden wir die Kraft unseres Wirtschaftsstandorts und letztendlich auch unseren Wohlstand verlieren.

Kurz ein Wort zum Familienbild. Ich denke, wir müssen hier wirklich einen sehr offenen und liberalen Zugang pflegen. Mein Zugang ist folgender: Familie ist immer wertvoll – in welcher Konstellation auch immer. Es bleibt dem Einzelnen überlassen, wie er das gestalten will oder auch muss, denn ich will sicher nicht sagen, dass eine Allein­erzie­herin oder ein alleinerziehender Vater oder eine Familie, die aus mehreren Gene­rationen besteht – auch das gibt es mittlerweile, ältere Männer, die mit ganz jungen Frauen eine Familie gründen; vice versa ist es selten –, schlechter ist. Das ist natürlich genauso wertvoll und anerkennenswert wie die klassische Familie.

Ich warne vor diesen Idealzuschreibungen, dass nur die Vater-Mutter-Kind-Familie das Ideal wäre und der Rest sozusagen – das sagt man damit leider implizit dazu – ein Stück weit weniger wert wäre. – Davor möchte ich warnen! Ich meine, jede Form der Familie ist wertvoll und ein Beitrag zu unserem Wertekonsens. (Beifall bei der ÖVP und bei Bundesräten von SPÖ und Grünen.)

Aus all dem Gesagten ergibt sich, dass es meine Zielsetzung wäre, Österreich zum familienfreundlichsten Land Europas zu gestalten. Das ist ein weiter Weg. Aber ich glaube, wir müssen uns ehrgeizige Ziele setzen, um hier das eine oder andere bewe­gen zu können. In diesem Sinn ist ja auch schon das eine oder andere gelungen. Vieles ist schon erläutert worden. Es gibt eine Erhöhung der Familienbeihilfe mit 1. Juli 2014. Wir hätten uns selbstverständlich eine Verdoppelung der Familienbeihilfe gewünscht, aber man muss natürlich realistisch bleiben: In budgetär angespannten Zeiten ist eine Erhöhung um 4 Prozent jetzt und dann noch zweimal um 2 Prozent ein sehr deutlicher Schritt in Richtung Wertschätzung der Familie.

Auch die monatliche Auszahlung ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Schritt für Familien vor allem im unteren sozialen Bereich, damit sie ihre Familienfinanzen besser in den Griff bekommen und besser planen können. Es ist nämlich bei manchen Familien leider so, dass es wirklich nach dem Prinzip in und out geht, und wenn der Familie die Familienbeihilfe zwei Monate im Voraus überwiesen wird, dann ist das Geld auch relativ schnell wieder ausgegeben, und im nächsten Monat gibt es dann Probleme,


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite