Aber die Kulturpolitik hat eine andere Aufgabe, nämlich Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Kunst und Kultur frei und kreativ überraschen können, sich frei ent-wickeln können und uns immer wieder erfreuen können. Das halte ich für ganz wichtig.
Und zu dem Wechselspiel zwischen Kultur und Wirtschaft sei auch noch eine ganz wesentliche Sache gesagt: Also jetzt zu behaupten, man könne Kultur erst ermöglichen, wenn die Wirtschaft funktioniert, ist natürlich auch unlogisch. Es gibt unzählige Studien, die sagen, wie viel die Kultur Österreich wirtschaftlich bringt. Es gibt Wien betreffend die Studie, die ist ganz bekannt: Jeder in die Kultur investierte Euro kommt zweieinhalbfach wieder zurück. (Bundesrat Kneifel: Richtig!)
Es würde ohne Kultur in Wien kein Tourismus stattfinden. Die Leute kommen nicht nach Wien, um sich FPÖ-kulturpolitische Reden anzuhören, sondern weil sie ins Museum gehen wollen. (Beifall bei der SPÖ.)
Ich muss auch ganz ehrlich sagen: Sie kommen auch nicht nach Wien, um grüne kulturpolitische Reden zu hören. So ehrlich muss man sein. (Heiterkeit.)
Ich möchte jetzt gar nicht über den Kulturbericht 2012 reden – erstens weil wir schon 2014 haben, und zweitens müssten wir jetzt darüber reden, was Sie quasi geerbt haben. Deswegen finde ich es viel wichtiger, darüber zu reden, was aus dem aus der Vergangenheit sozusagen als Anleitung oder als Chance für die Zukunft zu sehen ist.
Wie ja die meisten von euch wissen, war ich selbst Regiestudent am Max Reinhardt Seminar, und zwar in den frühen neunziger Jahren. Und damals, als wir im Max Reinhardt Seminar waren, gab es diese großen Diskussionen – späte achtziger, frühe neunziger Jahre, Sie erinnern sich, Peymann kam nach Wien, Zadek inszenierte viel und so weiter –, gab es eine ganz intensive Auseinandersetzung darüber, wie teuer Theater sein darf. Und wir Studenten und Studentinnen führten diese, unabhängig von den Professorinnen und Professoren. Die haben sich gewundert, dass wir darüber diskutierten. Aber wir, eine relativ junge Generation, die eigentlich schon wieder gegen die 68er-Generation angetreten war – die war ja damals schon älter als die Generation, gegen die sie damals wiederum angetreten war –, haben damals als Studenten und Studentinnen wahrgenommen, dass es – da gab es auch ein paar Architekten, nicht? – ein bisschen einen Größenwahn gab; ich nenne es einmal so. Es konnte nichts teuer genug sein.
Ich kann mich noch erinnern: Da gab es eine Musical-Inszenierung am Theater an der Wien, da hat man nur für diese eine Inszenierung eine riesige neue Hydraulik gebaut. Sie wird jetzt noch immer benutzt, also auf lange Sicht war es vielleicht ja eh gescheit, aber wir Studenten und Studentinnen im Reinhardt Seminar haben das damals abgelehnt und haben gesagt: Nein, Theater muss Geschichten erzählen, und zum Geschichtenerzählen braucht man nicht viel Geld. – Das war unsere Prämisse!
Und unsere „Bibel“ – das muss man sich vorstellen, dieses Buch ist so alt wie ich, also 45 Jahre alt – war das Buch von Jerzy Grotowski und Peter Brook, und passenderweise hieß das Buch „Das arme Theater“.
Wer Peter-Brook-Inszenierungen jemals gesehen hat, zum Beispiel „Der Sturm“, wird das wissen: Das war damals interessant, denn „Der Sturm“ gab es damals bei den Festwochen von Peter Brook inszeniert und knapp davor im Burgtheater, und im Burgtheater war das eine bombastische Inszenierung, wirklich teuer, aber schön. Es war schön, ja, aber teuer. Und Peter Brook hatte nur Schauspieler auf einer Bühne, kein Bühnenbild, gar nichts. Und die Schauspieler konnten nur mit zwei Bambusstangen das Meer darstellen, das Schiff darstellen, die Insel darstellen, wie man dort landet – mit in Wirklichkeit nichts, mit nur zwei Bambusstangen. Und das war für mich ein Schlüsselerlebnis, deswegen bin ich in das Reinhardt Seminar gegangen und habe
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