BundesratStenographisches Protokoll833. Sitzung / Seite 18

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rascht werden, denn dass die FPÖ die finnische Gesamtschule als Vorbild bezeichnet, mit dem hätte ich jetzt nicht gerechnet. Aber das zeigt ja auch, dass es überraschende Wendungen geben kann.

In einer interessanten Doktorarbeit – jetzt habe ich den Namen der Akademikerin leider vergessen – wurde neulich festgestellt, dass sich die Schuldebatte und die Bildungs­diskussion im Grunde seit den 1920er Jahren nicht wirklich verändert haben und sich ideologisch ständig im Kreis drehen, dass wir 2014, fast 100 Jahre später, immer noch mit denselben, auch ideologischen Grundwerten, ich sage Ihnen das einmal ganz neu­tral, weiterdiskutieren.

Im Grunde genommen basiert ja diese Debatte auf dem Ergebnis, zu dem man im wunderschönen Schladming gekommen ist, wo die Regierung eine Klausur abgehalten hat und wo dieses 6-Punkte-Programm präsentiert worden ist, wie man eine Bildungs­reform angehen möchte.

Ich fand es sehr mutig. Vor allem fand ich es mutig, etwas ein 6-Punkte-Reformpro­gramm zu nennen, was ohnehin schon seit einem Jahr im Regierungsprogramm steht. Es war ja jetzt in Wirklichkeit nichts Neues. Das fand ich besonders mutig, denn eine Bildungsreform ist das noch nicht. Ganz im Gegenteil! Es ist das, was im Regie­rungsprogramm einmal vereinbart worden ist. Aber immerhin hat sich doch etwas geändert, das muss man auch zugestehen. In welche Richtung sich das ändern wird, das müssen wir natürlich noch abwarten. Es ist das Schicksal der Opposition, sich das – quasi in der ersten Reihe fußfrei – jetzt anschauen zu müssen.

Aber der Ton hat sich verändert, vor allem auch innerhalb der ÖVP, seit es einen Ob­mannwechsel gab, denn das Wort „Gesamtschule“ wurde ja davor noch ziemlich ver­teufelt. Dieses Wort durfte gar nicht in den Mund genommen werden. Ich finde, dass das eine interessante Bewegung ist, dass jetzt mit Mitterlehner sozusagen eine offene Diskussionsbereitschaft besteht und ergebnisoffen diskutiert wird. Dass das eine Zeit braucht, dafür habe ich durchaus Verständnis, denn noch haben wir ja keine neuen In­halte. Wir haben jetzt das, was im Regierungsprogramm steht, sozusagen noch einmal eigens als Bildungsreform verpackt, aber immerhin.

Allerdings war das Ergebnis natürlich auch, dass es noch ergebnisoffen ist und wir noch nicht wissen, wohin der Zug fahren wird. Das Wort „Gesamtschule“ wurde, auch von Ihnen, Frau Ministerin Heinisch-Hosek, in Schladming wohlweislich vermieden – ja das Wort nicht in den Mund nehmen!

Das Dauerthema „tägliche Turnstunde“ möchte ich hier schon noch einmal anspre­chen, weil es noch nicht angesprochen worden ist und weil es auch in Schladming Thema war. Die tägliche Turnstunde soll ja nun kommen, allerdings nur in ganztägigen Schulen. Es weisen allerdings ganz viele Sportwissenschafter und Sportwissenschafte­rinnen darauf hin, dass gerade bei den Kindern, die nur am Vormittag in der Schule sind, nicht gesagt ist, dass diese am Nachmittag deswegen Fußball spielen oder tur­nen. Ganz im Gegenteil! Auch die sitzen ganz gern einmal vor dem Computer. Also fin­den wir diese Einschränkung auf ganztägige Schulen nicht besonders klug, um es ein­mal so auszudrücken.

Aber immerhin, es gibt Bewegung. Vielleicht kann die Akademikerin dann in einer nächsten Arbeit schreiben, dass sich im Jahr 2015 die Diskussionen seit 1920 komplett verändert haben und sich etwas bewegt hat. Ich würde mich freuen, weil Bildungs­politik eigentlich keine Parteipolitik sein darf, sondern im Interesse der Eltern, im In­teresse der Kinder und im Interesse der Zukunft unseres Landes gemacht werden muss, denn Bildung ist keine Ausgabe, Bildung ist eine Investition in die Zukunft.

Da werde ich halt skeptisch, wenn ich mir die Redebeiträge der Vorredner und Vor­rednerinnen angehört habe, weil Bildung immer noch sehr oft kombiniert oder in dem


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