Zur ÖVP muss ich sagen: Sie hat dazugelernt. Damals hat sie noch unter heftigen Protesten dagegen gestimmt. Die ÖVP hat in Kärnten gegen den verpflichtenden Vorschulkindergarten gestimmt, sie hat ihn „Zwangstagskindergarten“ genannt. – Auch das dazu.
Wir brauchen keine Ideologie im Bereich der vorschulischen Bildung und im Bereich der Bildung allgemein, sondern wir brauchen Praktiker. In diesem Zusammenhang sage ich aber auch dazu: Marco, ich habe ein Problem mit deinen Auswüchsen oder mit deinen Formulierungen, die du hier ab und zu von dir gibst. Nämlich: Wenn Kinder hier herinnen sind und davon gesprochen wird, dass „die Arschkarte gezogen“ wird, dann ist das, finde ich, nicht unbedingt ein Vorbild. Wenn wir hier im Plenum mit Worten um uns werfen, die vielleicht nicht so gut ankommen, dann ist das, wie gesagt, kein Vorbild. (Zwischenruf des Bundesrates Schreuder.) Nein, oder Lust. Wenn ich sage „Spaß am Lernen“, dann gefällt mir das auch ganz gut, wobei ich wirklich der Meinung bin, dass Freude und Spaß haben in der Schule nicht verboten sein darf. Dafür braucht es aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen, die sicher auch für die Pädagoginnen und Pädagogen verbessert werden müssen.
Wo dringend ein nicht mehr akzeptierbares Defizit per Rahmengesetz verändert werden muss, Frau Bundesminister, ist mit Sicherheit beim Betreuungsschlüssel in den Kinderbetreuungseinrichtungen, den wir wesentlich verbessern müssen, wie es auch Lex-Nalis sagt. Ein Betreuungsschlüssel von 8 zu 1, wie es ihn in manchen Wiener Krippen gibt, ist nach Meinung eines Neurobiologen eine Form von Kindesmisshandlung. Das ist eine sehr drastische Formulierung. Ich sehe es nicht so drastisch, aber Faktum ist, dass es eine massive Überlastung im Bereich der Kinderbetreuung gibt. Stellen Sie sich einmal vor, dass Sie 25 Kinder mit einer Kindergartenpädagogin und einer Hilfskraft täglich zu betreuen haben und daneben auch noch vorschulische Lerninhalte und Bewegungsinhalte vermitteln sollen!
Das ist in der Praxis undurchführbar. Versuchen Sie einmal, drei Kinder eine Woche lang alleine zu betreuen, als Papa oder als Mama, dann werden Sie sehen, dass Sie ziemlich viel Stress haben, und werden froh sein, dass sie wieder in die Kinderbetreuung kommen oder dass Sie von Oma, Opa oder Papa Unterstützung bekommen.
Das heißt, wir haben die große Aufgabe, die Betreuungsqualität auch in der Weise noch zu verbessern, dass die Betreuungsschlüssel per Gesetz – und das sollte ein nationales Rahmengesetz sein, Frau Bundesminister – entsprechend verbessert werden.
Zum Zweiten: Die Entlohnung im Kinderbetreuungsbereich ist wirklich nicht mehr zeitgemäß. Ich habe hier aus einem österreichischen Magazin aktuelle Zahlen. Daraus ein paar Beispiele: Eine junge Kinderbetreuerin in Wien, eine Frau Julia K., 25 Jahre jung, hat ein Anfangsnettogehalt von 1 106 € und verdient nach zehn Jahren laut aktuellem Kollektivvertrag 1 253 €. (Ruf bei der ÖVP: Wie viele Stunden?) Es geht da um Ganztagsarbeit, lieber Herr Kollege, und das, was sie bekommt, ist nicht viel mehr als die Mindestsicherung. Es ist eigentlich im Grunde genommen unzumutbar, dass man für hochkarätige Bildungsarbeit, die im Kindergarten geleistet wird, mit Löhnen, die, wie gesagt, etwas höher als die Mindestsicherung sind, abgespeist wird. Das sage ich absichtlich so drastisch.
Ein weiteres Beispiel: Eine Gabriele E., 60 Jahre, Tagesmutter. Sie betreut Gruppen von fünf Kindern und hat ein Nettogehalt von 1 247 €. Wenn sie noch zehn Jahre arbeiten würde – das wird sie mit 60 nicht tun –, dann würde sie 1 325 € bekommen.
Oder: Eine Manuela K., Kindergartenfachpädagogin, Gruppenleiterin, bekommt für ihre Tätigkeit 1 438 € netto. Nach zehn Jahren wird sie nicht einmal 100 € mehr haben, nämlich 1 511 €.
Das heißt, das sind zwei Bereiche, die auch hinsichtlich des Grundes noch vertieft zu betrachten sind, warum es in der Kinderbetreuung keine Männer gibt: da anscheinend
HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite