BundesratStenographisches Protokoll833. Sitzung / Seite 55

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kutieren, ob nicht auch verstärkt Mittel in eine klimaresistentere Land- und Forstwirt­schaft beziehungsweise deren Erforschung fließen sollten.

Neben dem Klimawandel gibt es ein weiteres Thema im Grünen Bericht, das ich hier kurz ansprechen möchte. Aus dem aktuellen Bericht geht hervor, dass die Zahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe in Österreich weiter im Sinken begriffen ist. So wurden 1995 österreichweit noch 239 100 land- und forstwirtschaftliche Betriebe ge­zählt. 2013 waren es nur mehr 167 500 Betriebe. Das – wir haben es schon gehört – ist ein Rückgang von 30 Prozent, und dies muss bei uns die Alarmglocken schrillen lassen.

Warum übernehmen eigentlich die jungen Land- und Forstwirte diese Betriebe nicht mehr? – Einerseits gibt es da den Grund der wachsenden Bürokratie – wir haben es im Ausschuss bereits gehört – und andererseits natürlich auch das niedrige Einkommen, das kein Auskommen mehr ermöglicht. Ich erinnere auch daran, was ich bereits am Beginn meiner Rede angesprochen habe, dass im letzten Jahr das Einkommen in der Landwirtschaft um 6 Prozent gesunken ist und natürlich viele junge Menschen auch aus diesem Grund den Betrieb nicht übernehmen wollen.

Sieht man sich die Einkommensverhältnisse nach den Bundesländern an, so zeigt sich einem folgendes Bild: Außer in Salzburg, Tirol, Vorarlberg und der Steiermark mussten überall Einkommenseinbußen hingenommen werden. Das negativste Beispiel ist leider das Burgenland, wo das Einkommen bereits um ein Drittel gesunken ist.

Als niederösterreichische Abgeordnete möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass die niederösterreichischen Betriebe die höchsten Durchschnittseinkom­men erwirtschafteten. Das mag unter anderem auch daran liegen, dass die landwirt­schaftlichen Betriebe in Niederösterreich größer und aufgrund der landwirtschaftlichen Situation auch leichter zu bewirtschaften sind als die Betriebe in den Bergregionen Kärntens und auch Tirols. Die niedrigsten Einkünfte pro Betrieb gab es in diesen bei­den Bundesländern, wie Herr Kollege Dörfler bereits ausgeführt hat.

Dass sich der Einkommensabstand der Bergbauernbetriebe zu den Nicht-Bergbauern­betrieben im letzten Jahr etwas verringert hat, fällt insofern kaum ins Gewicht, als es im Bergbauernbereich im Jahr 2012 einen dramatischen Einkommenseinbruch von fast 13 Prozent gegeben hat. Wer will es jungen Menschen daher verdenken, wenn sie an­gesichts der Relation von Einkommen und Arbeitsaufwand ihr berufliches Glück auch woanders suchen als in der Land- und Forstwirtschaft. Folglich finde ich es auch sehr positiv, wenn es im nächsten Jahr mit der Förderung für Junglandwirte und -landwirtin­nen einen finanziellen Anreiz für diese jungen Menschen geben wird, in die Landwirt­schaft einzusteigen beziehungsweise die bestehenden Betriebe weiterzuführen.

Es muss Agenda der österreichischen Politik sein, ein klares Bekenntnis zu den klein­bäuerlichen Strukturen, wie sie in Österreich seit Jahrhunderten gewachsen sind, ab­zulegen! Kleinere Einheiten mögen zwar kostenintensiver sein, bilden aber in Krisen­zeiten das Rückgrat jeder Versorgung, und zudem garantieren sie die Qualität, die ein Feinkostland wie Österreich benötigt.

Das Thema Frauen wurde von der Kollegin Schreyer bereits angesprochen, und meine Kollegin Bierbauer-Hartinger wird zum Punkt 2 Stellung beziehen.

Gerade im heurigen Jahr sollte uns allen dieses Bekenntnis zur Landwirtschaft und zur kleinbäuerlichen Struktur hier in Österreich nicht schwerfallen, denn immerhin ist das Jahr 2014 von der UNO offiziell zum internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbe­triebe erklärt worden. Wir geben zu diesem Bericht unsere Zustimmung und nehmen ihn zur Kenntnis. (Beifall bei der SPÖ, bei Bundesräten der ÖVP sowie der Bundesrä-
tin Reiter.)

11.23

 


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