BundesratStenographisches Protokoll840. Sitzung / Seite 94

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Zwölf Mitgliedstaaten haben entsprechende Programme festgelegt, da bei den Investi­tionsprogrammen wie auch bei der Jugendgarantie Projekte eingereicht werden, die dann bewilligt werden müssen, damit Geld zu fließen beginnt. Acht Mitgliedstaaten ar­beiten immer noch daran, darunter leider auch Griechenland, das den größten Hand­lungsbedarf hätte. Eineinhalb Jahre EU-Aktivitäten haben also keine Programme ge­bracht, die als förderungswürdig erachtet worden wären, und haben es auch nicht ge­schafft, die Arbeitslosenquote zu senken.

Wir kritisieren diese Fonds dafür, dass man – und das eben Gesagte ist ja auch ein Beweis dafür – zwar die Absicht hat, aber nichts bewegen kann. Ich erinnere mich noch daran – das muss so 1997 gewesen sein –, als in Österreich die Jugendgarantie oder Lehrlingsgarantie beschlossen wurde – das hat auch nicht wirklich wahnsinnig viel gebracht –, damals hat man diese Lehrwerkstätten eingerichtet und das Jugendausbil­dungs-Sicherungsgesetz beschlossen. Die Ausbildungsstätten waren nicht so schlecht, wurden aber von ungefähr der Hälfte der Lehrlinge nicht wirklich in Anspruch genom­men. Ich kann auf Wien bezogen sagen, dass die Lehrlinge am Anfang hingegangen sind und nach zwei Monaten wieder weg waren. Diejenigen, die das dennoch durchge­standen haben, hatten am Ende ihrer Ausbildung erst recht wieder keinen Arbeitsplatz. Das ist eine Sache, bei der ich mich frage, wie sinnvoll sie ist.

Meiner oder unserer Meinung nach ist das einzige Rezept, das hilft, für Jugendliche Ar­beitsplätze zu schaffen, damit sie auch wirklich unternehmerisch tätig werden können, einen Bürokratieabbau dort vorzunehmen, wo eine Unternehmensgründung vorgenom­men werden soll. Es ist auch wichtig, ein unternehmensfreundliches Umfeld zu haben. Bei Studien oder Umfragen, in denen Jugendliche gefragt werden: Was willst du wer­den?, da ist Unternehmertum an allerletzter Stelle. Die meisten wollen Angestellte wer­den; noch mehr wollen Beamte werden, denn das ist ja immer noch sicher und auch nicht so schlecht bezahlt. Also da gehört schon auch ein Umfeld dazu, das es loh­nenswert macht, ein Unternehmen zu gründen, dann Angestellte zu haben und Lehrlin­ge auszubilden.

Auch die Qualität unserer Lehrlinge – letzter Punkt – muss verbessert werden. (Bun­desrat Stadler: Das ist aber kein Beruf! Unternehmer werden – das ist kein Lehrbe­ruf!) – Geh, bitte, das ist jetzt aber so eine Pimperlfrage! Na dann hör halt genau zu! Also ich sage es jetzt noch einmal für die, die nicht sinnerfassend hören können (Bun­desrat Stadler: Ich horche zu, aber das musst du erst selber mal verstehen! In Lehr­werkstätten werden nicht viele zu Unternehmern ausgebildet!): Es muss ein freundli­ches Klima für Unternehmensgründungen geben, damit Unternehmer dann in weiterer Folge Angestellte aufnehmen und auch bereit sind, Lehrlinge auszubilden.

Und wir müssen auch bei den Schülern schauen, dass diese nach neun Schuljahren ausreichend lesen, schreiben und rechnen können, damit auch Unternehmer wieder mehr Lehrlinge ausbilden. (Bundesrat Stadler: Auf das hätte man früher schon schau­en können!)

Vielfach haben es die Unternehmer in Österreich ja aufgegeben, Lehrlinge auszubil­den, weil sie sagen: Wir bekommen keine gescheiten Lehrlinge, die lesen, schreiben und rechnen können; mit einer einfachen Prozentrechnung sind diese überfordert. Und hinzu kommt noch das Benehmen, das fast noch mehr beklagt wird als die Noten. Das muss man sich auch anschauen. Und bei all diesen Dingen – und das gilt auch für das übrige Europa, dort ist es ja ähnlich, nicht nur in Österreich ist es so –, glaube ich, bringt es wesentlich mehr, wenn wir darauf schauen, dass wir mehr Unternehmen ha­ben, welche dann auch Leute aufnehmen und ausbilden können, anstatt nur einen Fonds zu haben, aus dem wir Geld ausschütten, und zu hoffen, dass das dann zu mehr Ausbildungsplätzen oder mehr Arbeitsplätzen führt. (Beifall bei der FPÖ.)

14.34

 


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